Die Weihnachtsgottesdienste der evangelischen und katholischen Kirche in Waldshut haben auch in diesem Corona-Jahr stattgefunden, teilweise mit Live-Übertragungen, teilweise wie gewohnt in den beiden Gotteshäusern, immer unter Beachtung der gängigen Hygieneregelungen. „Wir haben die Gottesdienste über den Tag verteilt“, erklärte Dekanin Christiane Vogel von der evangelischen Kirche. Dazu konnten sich die Gottesdienstbesucher im Voraus anmelden. Anmelden konnte man sich auch für die heiligen Messen und Wortgottesdienste der katholischen Seelsorgeeinheit Mittlerer Hochrhein St. Verena.

An Heiligabend: Dekanin Christiane Vogel hielt den Gottesdienst in der evangelischen Versöhnungskirche in Waldshut.
An Heiligabend: Dekanin Christiane Vogel hielt den Gottesdienst in der evangelischen Versöhnungskirche in Waldshut. | Bild: Susanne Schleinzer-Bilal

„Lasst es Weihnachten für uns werden, lasst uns die Botschaft Gottes neu hören“, wandte sich Dekanin Vogel an Heiligabend an die versammelten Gläubigen in der evangelischen Versöhnungskirche. „Gott sucht uns, er wirbt um unsere Liebe.“ Mit Mut und Freude sollten sie nach Hause gehen. Gott gebe eine Zukunft, auch wenn etwas hoffnungslos erscheine. „Geht aufrecht und stolz in das Neue Jahr. Dieses Virus kann vieles verhindern, aber nicht Weihnachten“, erinnerte die Dekanin die Gläubigen. Für den musikalisch-festlichen Rahmen des Weihnachtsgottesdienstes sorgte Gerhard Nennemann, Bariton, der bekannte Weihnachtslieder interpretierte. Begleitet wurde er von Bezirkskantor Matthias Flierl an Orgel und Flügel.

Bariton Gerhard Nennemann (rechts) und Bezirkskantor Matthias Flierl bildeten den musikalischen Rahmen für den Weihnachtsgottesdienst.
Bariton Gerhard Nennemann (rechts) und Bezirkskantor Matthias Flierl bildeten den musikalischen Rahmen für den Weihnachtsgottesdienst. | Bild: Susanne Schleinzer-Bilal

Auch in der katholischen Kirche mussten die Gläubigen nicht auf die Weihnachtsgottesdienste verzichten. Die feierliche Weihnachtsvesper am ersten Weihnachtsfeiertag in der katholischen Liebfrauenkirche in Waldshut wurde von Margarete Weh-Berger, Leiterin des Wortgottesdienstes, zusammen mit Sylvia De Paola gestaltet. Die Singschule Doremi mit ihren Weihnachtsliedern steuerte den musikalischen Beitrag bei. Die jungen Sänger begleitete Oliver Schwarz-Roosmann, Kantor und Leiter der Singschule, auf dem E-Piano. In den Fürbitten wurde auch der Corona-Erkrankten gedacht.

Musik von Gemeindemitgliedern: Bei den Weihnachtsfeierlichkeiten in der evangelischen Christuskirche in Tiengen war die Familie Summ eine von mehreren Familien, die auf der Empore der Kirche für die Kirchgänger muszierten.
Musik von Gemeindemitgliedern: Bei den Weihnachtsfeierlichkeiten in der evangelischen Christuskirche in Tiengen war die Familie Summ eine von mehreren Familien, die auf der Empore der Kirche für die Kirchgänger muszierten. | Bild: Ursula Freudig

„Eine Wortgottesfeier darf von Ehrenamtlichen (Laien) geleitet werden“, erklärte dann Bernhard Scherer, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats der Seelsorgeeinheit Mittlerer Hochrhein St. Verena. „Das wird die Zukunft sein, dass angesichts des wachsenden Priestermangels immer mehr Ehrenamtliche einen Wortgottesdienst übernehmen“, sagte Scherer voraus. „Die können das genauso gut“, sagte er dann und schmunzelte.

So feierte Tiengen

Weihnachten ist dieses Jahr anders, aber es ist Weihnachten und die Geburt Jesu für Christen so tröstend und heilend wie jedes Jahr. Die Unabhängigkeit der frohen Weihnachtsbotschaft von menschlichen Gegebenheiten wie den aktuellen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie, wurde in den Kirchen Tiengens bewusst gemacht. Dort feierten unter strengen Corona-Regeln die katholische und evangelische Kirchengemeinde Präsenzgottesdienste. Die Angebote wurden genutzt, aber es gab in beiden Kirchen keinen Gottesdienst, in dem trotz der begrenzten Anzahl im Zuge der Abstandsregel, nicht noch Plätze frei geblieben wären.

Die Singschule Doremi gestaltete den musikalischen Teil der Weihnachtsvesper in der katholischen Liebfrauenkirche Im Bild einige der Sängerinnen und Sänger von links nach rechts Ida Strittmatter (vorn, links), Charlotte Genderer, Malte Zimmermann (vorn, rechts) und Valentina De Paola.
Die Singschule Doremi gestaltete den musikalischen Teil der Weihnachtsvesper in der katholischen Liebfrauenkirche Im Bild einige der Sängerinnen und Sänger von links nach rechts Ida Strittmatter (vorn, links), Charlotte Genderer, Malte Zimmermann (vorn, rechts) und Valentina De Paola. | Bild: Susanne Schleinzer-Bilal

Regen Zuspruch fanden die Live-Streams aus der katholischen Pfarrkirche von der Christmette und von der Weihnachtslaudes, die von den Ministranten musikalisch gestaltet wurde. Gemeindegesang war nicht möglich, ebenso wenig das Abhalten großer Messen, aber die Musik kam dennoch in beiden Kirchen bei allen Feiern nicht zu kurz – dies immer in Kleinbesetzung und unter Mitwirkung vieler musizierender Menschen aus den Kirchengemeinden. Die Krippenspiele an Heiligabend fanden bei den Katholiken in stark vereinfachter Form im Pfarrsaal für die Eltern der aufführenden Kinder statt.

Am ersten Weihnachtsfeiertag: Margarete Weh-Berger leitete zusammen mit Sylvia De Paola (hinten links) die feierliche Weihnachtsvesper in der katholischen Liebfrauenkirche in Waldshut.
Am ersten Weihnachtsfeiertag: Margarete Weh-Berger leitete zusammen mit Sylvia De Paola (hinten links) die feierliche Weihnachtsvesper in der katholischen Liebfrauenkirche in Waldshut. | Bild: Susanne Schleinzer-Bilal

In der evangelischen Christusgemeinde wurde ein Krippenspiel als Film gezeigt. Weihnachten in den Kirchen war dieses Jahr schlichter, reduzierter, aber vielleicht deshalb auch für manche ergreifender, nachdenklich machender und tröstender. Zuversicht in schwierigen Zeiten vermittelten zusätzlich die Predigten. Pfarrerin Susanne Illgner stellte in der evangelischen Christuskirche den „Trümmern“ des diesjährigen Weihnachtsfests die frohe Weihnachtsbotschaft gegenüber: „Was immer uns umtreibt und bedrückt, wir sind nicht allein, Weihnachten sind wir zu Hause, denn Gott kommt zu uns.“

In keiner heilen Welt

Pater Bernhard Fuhrmann SDS äußerte in der katholischen Pfarrkirche auch kritische Worte: „War das, was in der Öffentlichkeit die letzten Jahre so großartig als Weihnachten gepriesen wurde, überhaupt Weihnachten?“, fragte er und fügte hinzu, dass wir dieses Jahr gar nicht so weit von der Urweihnacht, von Maria und Josef entfernt wären, die, wie wir heute, in keiner heilen Welt gelebt hätten.