Welche Herausforderungen beschäftigen die Pflege während und nach der Corona-Pandemie und wie lässt sich die Pflege solidarisch gestalten: Diese Fragen waren Thema eines Online-Dialogs der SPD-Fraktion, der die Thematik aus verschiedenen Perspektiven beleuchtete. Eingeladen hatten die Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter und Heike Baehrens, Pflegebeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion.

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In vielen Punkten herrschte bei den rund 30 digital Anwesenden aus Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik, Pflege und Angehörigen Einigkeit. Beispielsweise beim Stellenwert der Pflege. „Wir wissen alle, wie viel Respekt der Beruf verdient hat. Hier kümmern sich Menschen um Menschen“, betonte Rita Schwarzelühr-Sutter zu Beginn der Veranstaltung. Die aktuelle Krise mache sichtbar, dass man dranbleiben müsse: „Mit Lob und Klatschen allein ist es nicht getan.“

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Auch die positive Entwicklung der vergangenen Jahre wurde anerkennend angemerkt. Beispielsweise von Martina Meier, Leiterin des Awo-Seniorenzentrums Sonnengarten in Wutöschingen. „Die Lage ist schwierig, aber mit Blick auf die letzten 30 Jahre hat sich vieles ungemein verbessert“, schilderte sie ihren Eindruck aus der Praxis. Doch es gebe auch nach wie vor noch großen Handlungsbedarf, beispielsweise bei der Kurzzeitpflege. Auch der Fachkräftemangel, speziell erschwert durch die Grenzregion zur Schweiz am Hochrhein, sei schwierig: „Wir sind ein Heim, in dem die Mitarbeiter gern arbeiten, aber es gelingt uns nicht, viele neue Kräfte zu finden“, berichtete sie von den Herausforderungen.

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Das sieht auch Heike Baehrens so: „Die Schwachstellen sind in den letzten Monaten deutlich sichtbar geworden“, dazu gehöre insbesondere, dass es zu wenige Pflegekräfte gebe. Sie schilderte in ihrem Vortrag, was die SPD in dieser Legislaturperiode bereits angeschoben habe und was zukünftig geplant sei. „Wir wollen die Pflege stärken. Es ist wichtig, dass es eine gute und verlässliche Pflege gibt, Pflegekräfte angemessen entlohnt und pflegende Angehörige optimal unterstützt werden“, fasste sie zusammen.

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Einer dieser Angehörigen ist Helmut Adler, der sich aus dem Sauerland zuschaltete. Seit er seine Ehefrau seit drei Jahren nicht mehr selbst pflegen könne, sei sie schwerbehindert im Pflegeheim untergebracht. Rund 3000 Euro müsse er hierfür jeden Monat zahlen. „Es kann doch so nicht weitergehen, dass einer für die Pflege zum Sozialhilfeempfänger wird, nachdem er 50 Jahre gearbeitet hat“, ärgerte er sich. Dem stimmten auch die Anwesenden des Online-Dialogs zu und tauschten sich im Anschluss über eine solidarische Finanzierung der Pflege aus. „Wir können hier noch so viel bewegen“, rundete Rita Schwarzelühr-Sutter die zahlreichen Diskussions-Beiträge ab.