Die Pfarrei St. Marien Waldkirch feiert am Sonntag, 16. August, ihr Patronatsfest. Im Anschluss an die Festmesse lädt Organist Ulrich Tomm die Gottesdienstbesucher zu einer Orgelmatinee auf der historischen Schwarz-Orgel ein, die seit mehr als 100 Jahren die Empore der Pfarrkirche dominiert und die 2002 von der Denkmalpflege Baden-Württemberg als „Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung“ eingestuft wurde.

Die Orgel stammt aus der Werkstatt des renommierten Orgelbauers Wilhelm Schwarz aus Überlingen. Nach der ursprünglichen Planung, die im Jahr 2000 unter Pater Hermann-Josef Zoche konkrete Formen annahm, sollte eigentlich eine neue Formel in Auftrag gegeben werden, da die Schwarz-Orgel in einem desolaten Zustand war. Probleme bereitete vor allem die Technik, die in hohem Maße reparaturanfällig war und einer ständigen Wartung bedurfte. Dazu kam, dass während des Krieges die Zinnpfeifen durch Zinkpfeifen ersetzt wurden – mit der entsprechenden Auswirkung auf die Klangqualität. Auch die pneumatische Technik war umstritten. Unglückliche Umbaumaßnahmen führten im Laufe von Jahrzehnten zu einem Ergebnis, das sowohl in klanglicher als auch in technischer Hinsicht nicht mehr akzeptabel war. Zudem wurden die ursprünglichen Klangregister teilweise ersetzt. Neue Register und Mixturen kamen hinzu, die den Charakter der Orgel immer mehr verfälschten.

Der Waldkircher Organist Ulrich Tomm an der erneuerten Orgel, die sich durch wundervolle, warme und weiche Klangfarben auszeichnet.
Der Waldkircher Organist Ulrich Tomm an der erneuerten Orgel, die sich durch wundervolle, warme und weiche Klangfarben auszeichnet. | Bild: Manfred Dinort

Daher richtete sich das Augenmerk der Pfarrgemeinde auf eine neue Orgel. Jahrelang wurde gesammelt und gespendet, um die Finanzierung auf sichere Beine zu stellen. Um die Finanzlücke zu schließen, bot der Pfarrgemeinderat sogar die Möglichkeit, die 33 Prospektpfeifen für 1000 Euro mit dem persönlichen Namenszug des Spenders gravieren zu lassen. Dann kam der Einspruch des Landesdenkmalamts und die Weichen mussten neu gestellt werden. Die Kosten der Restaurierung wurden auf 160.000 Euro veranschlagt und die Arbeiten wurden an die Orgelbaufirma Vleugels in Hartheim bei Würzburg vergeben.

Das Instrument wurde ausgebaut, überholt und wieder eingebaut. Auch die Optik wurde erneuert: Das Gehäuse wurde farblich auf das barocke Gesamtbild des Gotteshauses abgestimmt und einzelne Ornamente, die auf dem Speicher der Kirche entdeckt worden waren, kamen wieder auf ihren angestammten Platz auf der Frontseite des Orgelprospektes. Auch der Spieltisch erhielt wieder seine ursprüngliche Ausrichtung mit direktem Blickkontakt zum Altar. Dann war das Werk vollbracht: Am ersten Weihnachtstag 2003 wurde die restaurierte Orgel im Rahmen eines Festgottesdienstes wieder eingeweiht.