Wer das geschäftige Leben in der Waldshuter Kaiserstraße hinter sich lassen will, findet nahe dem Unteren Tor in der Rheinstraße einen Ort der Stille. Im Gegensatz zu anderen Kapellen Waldshut-Tiengens, ist die Heilig Geist Kapelle jeden Tag geöffnet. Elisabeth Böhler schließt sie jeden Morgen auf und jeden Abend wieder ab, derzeit allerdings „nur“ zur stillen Einkehr. Nach Corona sollen aber wieder regelmäßig Gottesdienste und sonstige Anlässe wie Hochzeiten in der Kapelle gefeiert werden.

Die Kapelle: Mitten in Waldshut, nahe dem Unteren Tor, lädt die Heilig Geist Kapelle täglich zur stillen Einkehr ein.
Die Kapelle: Mitten in Waldshut, nahe dem Unteren Tor, lädt die Heilig Geist Kapelle täglich zur stillen Einkehr ein. | Bild: Ursula Freudig

„Rundumbetreuer“ der Heilig Geist Kapelle ist Otto Marder. Das Schmücken der Kapelle mit Blumen und vorrangig organisatorische Aufgaben liegen maßgeblich in seinen Händen. Otto Marder ist Mitglied der Ehemaligen der Junggesellschaft 1468 Waldshut, die mit großem ehrenamtlichen Engagement den Erhalt der Kapelle gesichert hat. Eine Tafel in ihrem Innern erinnert an die Restaurierung der Kapelle in den 1980er Jahren unter Regie der Ehemaligen. Der Erhalt eines Kulturgutes war damals aber nicht das erste Ziel. „Wir wollten einen Ort der Ruhe und Begegnung für die Waldshuter schaffen, die Restauration war Mittel zum Zweck“, so Otto Marder.

Der Platz schräg hinter der Kirche wurde ebenfalls von den Ehemaligen hergerichtet und sollte ein Ort der Begegnung werden. Wegen ungebetener Gäste wurde der Platz schon bald nur noch zu besonderen Anlässen geöffnet. Dauerhaft zur Verfügung steht er schon lange nur noch Bewohnern der benachbarten Seniorenanlage.

Keimzelle des Spitals

Die Heilig Geist Kapelle markiert den Anfang des Waldshuter Spitals Anfang des 15. Jahrhunderts und wird deshalb auch oft Spitalkapelle genannt. Was damals mit einem Altar im Kranken- und Armensaal begann, ging um 1500 über in die heutige Kapelle, die wie das Spital, unter den Schutz des Heiligen Geistes gestellt wurde. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kapelle von verschiedenen Konfessionen für Gottesdienste genutzt. Über weite Strecken war sie in Privatbesitz, bevor sie an die Erzdiözese Freiburg ging. Die Räumlichkeiten dienten deshalb auch über viele Jahrzehnte als Produktionsstätte oder als Lager.

Die Engagierten: Diese Bemalung im Innern erinnert an die Verdienste der Ehemaligen der Junggesellenschaft 1468 Waldshut.
Die Engagierten: Diese Bemalung im Innern erinnert an die Verdienste der Ehemaligen der Junggesellenschaft 1468 Waldshut. | Bild: Ursula Freudig

Als die Ehemaligen der Junggesellenschaft 1468 ihre Instandsetzung 1983 in Angriff nahmen, war die Kapelle ein Lagerraum der Unternehmerfamilie Haberer. Das heißt, es musste nach umfassenden Bau- und Restaurierungs-arbeiten auch das zu einer Kirche passende „Inventar“ besorgt werden. Viele Teile in der Kapelle stammen nach Aussage von Otto Marder aus einem Fundus mit kirchlichen Einrichtungsgegenständen und Kunstwerken der Erzdiözese Freiburg.

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Unvergessen ist ihm der „Wirbel“ um das Kreuz, das im Altarraum der Kapelle hängt. Zunftbrüder fuhren nach Freiburg, um das Kreuz nach Waldshut zu holen. Während des Transports wurde das als sehr wertvoll eingestufte Kreuz beschädigt. Der große Schrecken wich bald der Erleichterung: Es stellte sich heraus, dass nur der Gips, mit dem das Kreuz aufmodelliert war, beschädigt worden war. Das alte Holzkreuz darunter war intakt.

Die Nachbildung: Dieses Gemälde hat ein Freiburger Sträfling im 20. Jahrhundert gemalt als Kopie des Isenheimer Altars von Matthias Grünewald.
Die Nachbildung: Dieses Gemälde hat ein Freiburger Sträfling im 20. Jahrhundert gemalt als Kopie des Isenheimer Altars von Matthias Grünewald. | Bild: Ursula Freudig

Besonders ist auch die Geschichte des Gemäldes an der Südwand. Es ist eine Nachbildung des berühmten Isenheimers Altars von Matthias Grünewald, gemalt von einem Freiburger Sträfling. Es heißt, dass der Sträfling der Frau links auf dem Bild das Gesicht seines Opfers gegeben haben soll. Zu jedem Einrichtungsgegenstand lässt sich etwas erzählen.

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Wie auch zum Auge Gottes auf einem anderen Bild, das auch als Symbol der Freimaurer gilt. Oder über das ewige Licht neben dem Tabernakel. Es ist aus einem Container gerettet worden und der große, imposante Leuchter stammt aus Nöggenschwiel.

Das Auge Gottes: Das nicht nur bei Christen häufig zu findende Motiv, ziert auch ein Bild in der Heilig Geist Kapelle.
Das Auge Gottes: Das nicht nur bei Christen häufig zu findende Motiv, ziert auch ein Bild in der Heilig Geist Kapelle. | Bild: Ursula Freudig

Die Heilig Geist Kapelle ist in einem guten baulichen Zustand. Dennoch sind aktuell wieder Spenden willkommen, denn die ehemaligen Junggesellen möchten die ausgeblichenen, lädierten Sitzpolster auf den Bänken ersetzen. Nach Aussage von Otto Marder, lehnt die Erzdiözese Freiburg deren Finanzierung als reine Schönheitsmaßnahme ab.

Mit oder ohne neue Sitzpolster, Weihnachten naht und damit ein Grund mehr, die Heilig Geist Kapelle zu besuchen. Nicht nur Ruhe und Erholung vom Vorweihnachtsrummel ist dann in ihr zu finden, sondern ab Anfang Dezember wird dort auch wieder die wunderschöne Krippe von Erich Adelbert die Blicke auf sich ziehen.

Das Besondere: Ab Anfang Dezember ist diese Krippenlandschaft, geschaffen von Erich Adelbert, in der Heilig Geist Kapelle ausgestellt.
Das Besondere: Ab Anfang Dezember ist diese Krippenlandschaft, geschaffen von Erich Adelbert, in der Heilig Geist Kapelle ausgestellt. | Bild: Ursula Freudig

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