Lange passierte nichts, aber dann ging es sehr schnell: Rund ein halbes Jahr dauerten die kürzlich beendeten Instandsetzungsmaßnahmen an der Waldshuter Gottesackerkapelle auf dem Alten Friedhof. Jetzt dürfen die drei Glocken im Turm wieder läuten, sie tun dies auch für die Gottesdienste in der benachbarten evangelischen Versöhnungskirche. In der Kapelle der katholischen Kirchengemeinde selbst liegt trotz Ende der Arbeiten das kirchliche Leben noch brach.

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Im Zuge der Corona-Auflagen finden noch keine Gottesdienste, Beerdigungen oder auch sonstige Anlässe wie Konzerte in der Kapelle statt. Ein Besuch zur stillen Einkehr ist ebenfalls nicht möglich. Schon lange vor Corona war die Kapelle nur bei Anlässen geöffnet. Noch ist also etwas Geduld gefragt, bis wieder Leben in die Kapelle einkehrt und es ein Wiedersehen mit ihrem reichen und auch spannenden Innenleben gibt.

Nachbildung des Heiligen Grabs

Eine Besonderheit in der Gottesackerkapelle ist eine Nachbildung des Heiligen Grabs in Jerusalem statt eines Altars. Bewacht wird das Grab, ein rechteckiger Sandsteinbau mit Auferstehungsszene im Innern und einem tempelartigem Aufsatz, von zwei Holzplastiken – Paulus und Jesaja – rechts und links des Eingangs. Die Seitenaltäre mit der frühbarocken Kanzel wirken eher opulent und sind wie die übrige Ausstattung der Kapelle, teilweise weit über 300 Jahre alt. Ungewöhnlich wirkt der Glasaufsatz im Chor, auf dem der Altartisch steht.

Die Holzfiguren: Der Prophet Jesaja (links) und der Apostel Paulus bewachen den Eingang zum Heiligen Grab.
Die Holzfiguren: Der Prophet Jesaja (links) und der Apostel Paulus bewachen den Eingang zum Heiligen Grab. | Bild: Ursula Freudig

Durch das Glas blickt man auf die Sandstein-Grabplatten der einstigen Wohltäter der Kapelle: 1683 stiftete die Familie der Tröndlin von Greiffenegg aus Tirol die Kapelle, um für das eigene Adelsgeschlecht eine Grablege zu haben. Heute ist die Gottesackerkapelle eine gut erhaltene, unter Denkmalschutz stehende kleine Kirche, die zusammen mit dem ebenfalls denkmalgeschützten Alten Friedhof viel Ruhe, Würde und auch einen Hauch Zeitlosigkeit spüren lässt.

Inmitten von alten Bäumen erinnern monumentale Grabdenkmäler und alte Grabsteine, die teilweise aus dem 17. Jahrhundert stammen an wohlhabende Waldshuter Bürger, die hier vor langer Zeit ihre letzte Ruhe fanden. Einzelne Grabsteine sind teilweise innen wie außen in die Wände der Kapelle eingelassen.

Die Umgebung: Blick auf den Eingangsbereich der Gottesackerkapelle inmitten des Alten Friedhofes.
Die Umgebung: Blick auf den Eingangsbereich der Gottesackerkapelle inmitten des Alten Friedhofes. | Bild: Ursula Freudig

Zwischen 1874 und 1952 war die Gottesackerkapelle in Besitz der altkatholischen Gemeinde, danach gehört sie wieder zur katholischen Kirchengemeinde. 1939 wurde der Friedhof auf dem Aarberg eröffnet und der Alte Friedhof und seine Kapelle verloren an Bedeutung. Dass Beide heute so gut da stehen, ist mit Verdient bürgerschaftlichen Engagements von Waldshutern vor allem in den 1980 und 1990 Jahren. Um 2000 erfolgten umfassende Instandsetzungen und Restaurierungen.

Jüngste Baumaßnahmen

Die anfangs erwähnten, kürzlich abgeschlossenen Baumaßnahmen waren nötig geworden, weil eine Instabilität des Dachreiters, also des Turmaufsatzes, festgestellt wurde. Dies verstärkt durch das regelmäßige Schwingen der drei Glocken, so dass sie bereits ab Ostern 2017 schweigen mussten. Jetzt läuten sie wieder in einem neuen, stabilen Glockenstuhl aus Eichenholz, vom alten sind nur noch Relikte übrig geblieben. Außerdem wurde das Dach entlastet, das den Turm samt Glocken nicht alleine tragen konnte. Hierfür wurde das Gewicht des Dachreiters auf die Wände abgeleitet.

Der Glockenstuhl: So sieht es im Glockenstuhl der Gottesackerkapelle nach der Baumaßnahme aus.
Der Glockenstuhl: So sieht es im Glockenstuhl der Gottesackerkapelle nach der Baumaßnahme aus. | Bild: Ursula Freudig

„Die Holzkonstruktionen wurden durch Stahlkonstruktionen erweitert“, erklärt der Stühlinger Architekt Edgar Lasarzick hierfür das zentrale Vorgehen. Von außen zeigt der kleine Kapellenturm außer den neuen Holz-Schallläden keine Veränderungen. Weil nicht vorhersehbar war, dass das Dach die Last des Dachreiters nicht aushält, hat sich die Maßnahme massiv verteuert. Statt geplanter 85.000 Euro kostet sie jetzt 214.000 Euro.

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Finanzielle Unterstützung bekommt die katholische Kirchengemeinde von der Erzdiözese Freiburg, dem Breisgauer Katholischen Religionsfond und der evangelischen Kirchengemeinde, die 50.000 Euro beiträgt, weil die katholischen Gottesacker-Glocken wie bereits gesagt, auch für die evangelische Versöhnungskirche läuten. Insofern steht die Gottesackerkapelle auch für ein Stück gelebte Ökumene. „Die Zusammenarbeit zwischen beiden Kirchen ist allgemein sehr gut“, hebt Pfarrer Ulrich Sickinger (katholische Kirchengemeinde) hervor.

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