Die Auswirkungen von Corona sind auch im öffentlichen Leben in Gurtweil deutlich zu spüren. Vor allem das Vereinsleben mit seinen über 1100 Aktiv- und Passivmitgliedern (circa 1700 Einwohner) kam teilweise zum Stillstand. Zwar haben sich fast alle der mehr als 15 örtlichen Vereine von Anfang an zum Ziel gesetzt, neben der Freizeitgestaltung auch Treffpunkte unterschiedlicher Generationen und sozialer Schichten zu ermöglichen, aber der Covid-19 hat im laufenden Jahr eine nie dagewesene Zäsur im Dorfleben bewirkt.

Corona drückt auch in Gurtweil heftig auf das Vereinsgemüt. Die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln erschweren den Probenbetrieb und halten auch einzelne Vereinsmitglieder davon ab zu kommen; hier proben Mitglieder des Kirchenchores im Pater-Jordan-Haus; am Klavier die Dirigentin Rita Schlageter, rechts die Vorsitzende Susanne Antoni.
Corona drückt auch in Gurtweil heftig auf das Vereinsgemüt. Die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln erschweren den Probenbetrieb und halten auch einzelne Vereinsmitglieder davon ab zu kommen; hier proben Mitglieder des Kirchenchores im Pater-Jordan-Haus; am Klavier die Dirigentin Rita Schlageter, rechts die Vorsitzende Susanne Antoni. | Bild: Alfred Scheuble

Doch jetzt ist ein zartes Aufblühen der Vereinsaktivitäten erkennbar. Dazu wurden die Vereinsvorstände befragt und auch darum gebeten, ihre Erfahrungen der vergangenen Monate zu bilanzieren. Demnach bereitete der Lockdown grundsätzlich fast allen Vereinen teils erhebliche Sorgen und den Vorständen deutlich höheren Organisationsaufwand. Die Hauptsorge, so ein Vorsitzender gelte dem Ziel, „die Leute bei der Stange zu halten.“ Die Kontaktpflege zu den Mitgliedern wurde im Wesentlichen über die digitalen Medien erreicht. Aber auch Sonderaktionen wie zum Beispiel eine Kuchenspendenaktion oder die Übermittlung eines Geschenkes namens „Durchhalterle“ beförderten das Zugehörigkeitsgefühl.

Dieser Bassist des Musikvereins Gurtweil scheint die Hygienevorschriften besonders ernst zu nehmen. Die Gurtweiler Vereine sind alle sehr darauf bedacht, die Corona-Regeln einzuhalten. Bilder: Alfred Scheuble
Dieser Bassist des Musikvereins Gurtweil scheint die Hygienevorschriften besonders ernst zu nehmen. Die Gurtweiler Vereine sind alle sehr darauf bedacht, die Corona-Regeln einzuhalten. | Bild: Alfred Scheuble

Eine weitere Sorge, so ein Vertreter des Männerchores, gilt der Finanzierung der Vereine. Denn Dirigenten, Übungsleiter, Noten- und Trainingsmaterial sowie sonstige laufende Kosten standen den fehlenden Einnahmen aufgrund wegfallender Veranstaltungen gegenüber. Teilweise konnte dieses Defizit durch Fördermittel oder durch Gehaltsverzicht einzelner Übungsleiter oder Dirigenten gelindert werden. Dennoch bedrückt der Wegfall von Konzerten, Festen, Feiern das sinnstiftende Freizeiterleben der Vereinsmitglieder.

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Sehr aufwendig wirkten sich auch die Hygiene- und Abstandsregelungen auf den Proben- und Übungsbetrieb aus. So sind zum Beispiel die Probenräume des Männerchores, das Schlüchttal-Akkordeon-Orchesters und des Musikvereins zu klein, um die vorgeschriebenen Abstände einhalten zu können. In Abstimmung mit dem Ortsvorsteher Claudio Helling und mit der Pfarrgemeinde können schließlich die Gemeindehalle und der große Saal im Pater-Jordan-Haus für Proben und Übungen genutzt werden. Jedoch stellt die Abstandsregel gerade die Musiker und Sänger vor ungewohnte Hörerfahrungen und erschwert somit den Probenbetrieb. Auch nach den Proben sind veränderte Abläufe zu beobachten. Die meisten Mitglieder gehen aus Sorge vor Infektionen sofort nach Hause. Und bei den wenigen, die bleiben, will aufgrund des Respektes vor dem Ansteckungsrisiko auch keine unbeschwerte Freude und Geselligkeit aufkommen.

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Nur sehr zögerlich beginnen jetzt wieder diverse Vereinsaktivitäten, aber eine unbegrenzte Zuversicht, eine Vorfreude auf den Jahreswechsel und auf die Fasnachtszeit will sich längst noch nicht einstellen. Selbst das große Kirchenereignis der Seligsprechung des Gurtweiler Ordensgründers Pater Jordan im Mai 2021 wird sorgenvoll in den Blick genommen.

Dennoch berichten alle Vereine, dass ihre Mitglieder wieder weitgehend am Proben- und Übungsbetrieb teilnehmen und darauf hoffen, dass die Corona-Pandemie im nächsten Jahr zurückgedrängt werden kann.

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