Wegen der Corona-Pandemie hat es in der voll besetzten evangelischen Versöhnungskirche an Heiligabend einen Krippenspielfilm statt ein Krippenspiel gegeben. Unter der Leitung von Kantor Matthias Flierl hatte die Kinder- und Jugendkantorei ein Krippenspiel für zwei Familiengottesdienste vorbereitet. „Mit dem Wunder der Technik zeigen wir das Wunder der Weihnacht“, führte Pfarrer Wieland Bopp-Hartwig in das Krippenspiel ein.

In den zwei Familiengottesdiensten in der evangelischen Versöhnungskirche in Waldshut ist ein Krippenspielfilm übertragen worden.
In den zwei Familiengottesdiensten in der evangelischen Versöhnungskirche in Waldshut ist ein Krippenspielfilm übertragen worden. | Bild: evangelische Kirchengemeinde Waldshut

Maria erzählte darin, wie schwer es war, einen Schlafplatz zu finden und dass es am Ende „ganz schön was zu feiern gab“: „Das ist das Wunder der Weihnacht , Gott hat seinen einzigen Sohn in die Welt geschickt, fürchtet euch nicht, denn euch ist heute der Heiland geboren“, wandte sich Bopp-Hartwig an die versammelte Gemeinde. In diesen Zeiten von Corona oder Klimawandel sei einer in die Welt gekommen, als Retter, die Welt sei nicht verloren, Gott komme uns nah, die Furcht sei vertrieben. „Das ist Weihnachten, was für eine wunderbare Botschaft in dieser Zeit, auch wir dürfen das fröhlich feiern.“

Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde – hier Familie Summ – gestalten die Gottesdienste in der evangelischen Christuskirche musikalisch mit.
Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde – hier Familie Summ – gestalten die Gottesdienste in der evangelischen Christuskirche musikalisch mit. | Bild: Ursula Freudig

Auch die Christmette in der katholischen Liebfrauenkirche thematisierte die aktuelle Pandemie. „Manchmal ist das Leben fremdbestimmt, so wie jetzt durch Corona, aber auch Maria und Josef haben sich damals nicht freiwillig auf den Weg gemacht, das Kind kam in einem Stall zur Welt“, wandte sich Pfarrer Ulrich Sickinger in seiner Predigt an die zahlreichen Gläubigen in der Kirche. Als der Engel zu den Hirten gekommen sei und gesagt habe: „Fürchtet euch nicht“, habe er ihre Pläne völlig durcheinander gebracht. Auch Corona werfe Planungen durcheinander, eine ganze Gesellschaft habe die Geduld verloren.

Der Kirchenchor Tiengen unter der Leitung von Oliver Schwarz-Roosmann (rechts) unterstreicht den feierlichen Charakter des Weihnachtsgottesdienstes in der katholischen Kirche Mariä Himmelfahrt.
Der Kirchenchor Tiengen unter der Leitung von Oliver Schwarz-Roosmann (rechts) unterstreicht den feierlichen Charakter des Weihnachtsgottesdienstes in der katholischen Kirche Mariä Himmelfahrt. | Bild: Ursula Freudig

„Fürchtet euch nicht, das brauchen wir in diesen Tagen, wo Menschen sterben, wo Existenzen auf dem Spiel stehen, heute ist euch der Heiland geboren, Gott ist bei euch ,auch in Gefahr“, erinnerte der Geistliche. Gott sei wirklich in allem bei den Menschen, mit dem Kind in der Krippe schenke Gott Hoffnung.“ Der Wille, das Virus einzudämmen sei auch ein Teil der Weihnachtsbotschaft, denn „fürchtet euch nicht“; heiße auch, sich und andere schützen, erklärte Sickinger. Musikalisch gestaltet wurde die Christmette von der Stadtmusik.

Tiengen

„Die Weihnachtsfreude mit nach Hause zu nehmen, ist in diesen Zeiten besonders wichtig“, sagte Gemeindereferentin Regina Bausch-Isele nach dem Ende des Krippenspiels in der katholischen Mariä Himmelfahrt Kirche in Tiengen. Unter ihrer Leitung führten dort die Erstkommunionkinder an Heiligabend zweimal ein Krippenspiel auf. Ihre Aussage passt zu allen Weihnachtsgottesdiensten, die in Tiengen von den katholischen und evangelischen Christen in ihren Kirchen gefeiert wurden.

Pfarrerin Susanne Illgner spricht in der evangelischen Christuskirche Tiengen zu den Gläubigen.
Pfarrerin Susanne Illgner spricht in der evangelischen Christuskirche Tiengen zu den Gläubigen. | Bild: Ursula Freudig

Die weihnachtlich geschmückten Kirchen, feierliche Musik und die Predigten dürften bei vielen Gläubigen ihre Wirkung nicht verfehlt haben: Freude und Zuversicht über die Geburt Jesu zu empfinden und, darauf aufbauend, Vertrauen in die Zukunft trotz der gegenwärtigen Situation.

Pfarrer Ulrich Sickinger hielt die Christmette an Heiligabend in der Waldshuter Liebfrauenkirche.
Pfarrer Ulrich Sickinger hielt die Christmette an Heiligabend in der Waldshuter Liebfrauenkirche. | Bild: Susanne Schleinzer-Bilal

Pfarrer Ulrich Sickinger sprach in der Weihnachts-Eucharistiefeier in der Kirche Mariä Himmelfahrt über die Macht der Worte: „In Jesus Christus spricht Gottes Wort, das aufrichtet, einen neuen Anfang ermöglicht, die Sehnsucht nach Lösungen stillt.“ Die Feier wurde vom Kirchenchor musikalisch gestaltet – unter anderem mit Teilen der Gounod-Messe – obwohl wegen der Abstandsregel auf der Empore nicht alle Chormitglieder mitsingen konnten.

Die Christmette an Heiligabend zelebrierte Pater Bernhard Fuhrmann, es spielte eine Abordnung der Stadtmusik Tiengen. In der evangelischen Christuskirche sagte Pfarrerin Susanne Illgner im Weihnachtsgottesdienst über den christlichen Glauben: „Er bereitet grundlegend Daseinsfreude, Zuversicht, aus dieser Freude heraus können wir Weihnachten auch in Zeiten der Trauer oder Ungewissheit feiern.“ Vikar Malte Dahme hatte an Heiligabend zwei Christvespern und bekräftigte, dass keine Macht der Welt die Weihnachtsgeschichte zum Schweigen bringen könne. Gemeindemitglieder wie die Familie Summ, Pauline Dietsche (Trompete) und die Sopranistin Sylvia Reichmann gestalteten die Feiern in der Christuskirche musikalisch mit.