Völlig unerwartet ist der aus dem Ortsteil Aichen stammende Gerhard Boll mit 62 Jahren mitten aus seiner Schaffenskraft gerissen worden. Schon in jungen Jahren war für ihn der Umweltschutz eine Herzenssache. Sein Leben war stets auf Nachhaltigkeit und dem Erhalt von Ressourcen ausgerichtet. Diesen Zielen blieb er bis zum Schluss treu. Mit seiner Tätigkeit in der Abteilung Wasserwirtschaft des Landratsamts Waldshut-Tiengen hatte er seine berufliche Erfüllung gefunden. Er war dort der Ökologie ganz nahe. Für die Grünen war er von 1986 bis 1989 Mitglied des Gemeinderats.

20 Jahre lang Ahnenforscher

Sein privates Interesse galt seit knapp 20 Jahren der Ahnenforschung, für die Markus Jehle aus Gurtweil, der 2020 mit 59 Jahren gestorben ist, seine Leidenschaft weckte und teilte. Dabei wertete er Kirchenbücher vom Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1681 bis 1910 aus. Es folgte die Erforschung der Genealogie der Ortschaften Aichen, Gutenburg und Allmut anhand von Originaldokumenten, die von 1681 bis 1810 handschriftlich in lateinischer Sprache und in der damals üblichen Kurrentschrift verfasst wurden.

Die Heimatgeschichte

Später wandte sich Gerhard Boll der Heimatforschung zu. Dabei lag sein Schwerpunkt zunächst auf der Herkunftsgemeinde, dann weitete er seine Forschertätigkeit auf die Region Mittlerer Hochrhein aus. Die Ergebnisse sind seiner Internetseite zu entnehmen, die er ständig überarbeitete und ergänzte. Genaues Arbeiten war ihm sehr wichtig, ebenso eine professionelle Darstellung. Für interessierte Personen stellte er historische Urkunden, Karten, Maße und Gewichte zur Verfügung.

Besiedlung und Herrschaft

Besonders zu erwähnen sind seine Studien zur Siedlungsgeschichte am Mittleren Hoch­rhein. Dabei setzte er sich mit vielen verschiedenen historischen Quellen, die bis auf das neunte Jahrhundert zurückgehen, auseinander. Dabei untersuchte er die Herrschaft, die Ämter und den Grundbesitz in der Region Mittlerer Hoch­rhein der Ortschaften Aichen, Gutenburg, Allmut und Witznau, in der Reichsgrafschaft Bonndorf und in dem einst bedeutenden Kloster St. Blasien.

Die Auswanderung

Gerhard Boll erstellte Auswanderungslisten des 18. und 19. Jahrhunderts der Region, die unter anderem Anfragen aus den USA zur Folge hatten. Viele Klicks sind ein Beweis dafür, dass die Internetseite mit umfangreichen Geschichtsdokumenten und eigenen Aufsätzen auf ein reges Interesse stößt. Eine Literaturliste zur Regionalgeschichte mit diversen Downloads ist auf ebenfalls auf der Internetseite zu finden.

Fundierte EDV-Kenntnisse

Darüber hinaus waren Bolls fundierte EDV-Kenntnisse in seinem Umfeld bekannt, und man wusste, dass er diese bereitwillig zur Verfügung stellte. Die Geschichte des Handwerkerhauses in seiner Wahlheimat Gurtweil zu untersuchen, war in letzter Zeit ein Anliegen von ihm.

Die Beisetzung: Gerhard Boll, der unverheiratet und kinderlos war, wurde im engsten Familienkreis in seinem Heimatort Aichen beigesetzt.