Von einem „Hühnervogel“ genannten Habicht über Wochen hinweg in Atem gehalten wurden vor 100 Jahren Geflügelhalter im Dorf Niederhof bei Murg. Der „verwegene Räuber der Lüfte“, wie der Alb-Bote schrieb, soll arg unter den Hühnervölkern gehaust und manch armer Henne den Garaus gemacht haben. Woraus sich laut Alb-Bote vom 7. Mai 1921 „seit geraumer Zeit ein Federkrieg zwischen Gemeinde, den staatlichen Behörden und dem Jagdpächter entwickelte“. Derweil fahre der Habicht in seinem Mordhandwerk fort, „dem nun schon 53 der schönsten Hühner zum Opfer gefallen sein sollen“.

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Nach den ersten Raubzügen des Habichts unter dem Niederhofer Federvieh schien die Lösung des Problems noch einfach: Abschießen. Der von den Geflügelhaltern alarmierte Jagdpächter habe „seinen Jagdaufseher zum Abschuss des Untiers befohlen“, erfuhren die Leser. „Aber der kriegt das Biest nicht, und andere namhafte Schützen, die eigens zur Raubvogelhatz ins Revier kamen, eben auch nicht.“ Währenddessen zog der Hühnervogel weiter seine Kreise über dem auf Freiland scharrenden Federvieh von Niederhof, sich all die Zeit vom Hühnerfleisch nährend. Der Schaden, den der gefiederte Räuber bis dahin angerichtet hatte, wurde von den betroffenen Geflügelhaltern auf über 3000 Mark geschätzt. „Kein Wunder, dass die Gemüter von Niederhof allgemach aufs höchste erhitzt sind“, so der Alb-Bote von 1921 weiter.

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Weshalb sich nun eine der Behörden einschaltete und, „wie man hört, der Jagdpächter für den Frevel geahndet werden soll“. Vermutlich sollte er die um ihre Hennen gebrachten Geflügelhalter entschädigen. „Aber kann der Mann etwas dafür, wenn seine Leute den Vogel nicht treffen, weil dieser sich deren Flinten wohlweislich nicht zeigt?“ Der offenbare sich eben, und wer wolle es ihm verargen, nur den Hühnern und jenen Leuten, die ihn nicht treffen dürften, weil sie keinen Jagdschein hätten. „Alle an der Nase fasst er – tückisch triumphiert das Laster“, endet der vor 100 Jahren verfasste Hühnervogelartikel frei nach Wilhelm Busch.