Im Gurtweiler Schloss ist die Oberin Schwester Maria Armina Hermann verabschiedet und der Gurtweiler Konvent der Franziskanerinnen nach fast 124 Jahren geschlossen worden. Im Abschiedsgottesdienst sagte Pater Bernhard zur Ordensschwester: „Sie haben ganz konkret die Liebe Gottes weitergegeben, Sie haben von dem weitergegeben, was Ihnen geschenkt wurde.“

Ein Einblick in das Mädchenheim in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Franziskanerinnen (Bildmitte im Hintergrund) waren 123 Jahre im Dienste der Jugend- und Behindertenhilfe, sowie als Kranken- und Kindergartenschwestern aktiv.
Ein Einblick in das Mädchenheim in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Franziskanerinnen (Bildmitte im Hintergrund) waren 123 Jahre im Dienste der Jugend- und Behindertenhilfe, sowie als Kranken- und Kindergartenschwestern aktiv. | Bild: Schlossarchiv

Zu Beginn des anschließenden Stehempfangs für die geladenen Gäste sagte Manfred Schrenk, der Geschäftsführer der Caritaswerkstätten Hochrhein, dass sich mit der Schließung des Konvents nicht nur für das Wohnheim St. Elisabeth etwas ändert, sondern auch für Gurtweil und vor allem für Schwester Armina, die nach 23-jährigem Mitwirken in der Behindertenarbeit nun ins Mutterhaus der Franziskanerinnen nach Gengenbach wechselt.

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Die Generaloberin Schwester Maria Michaela Bertsch skizzierte in ihrem Grußwort die „Erfolgsgeschichte“ der insgesamt 172 Ordensschwestern im Gurtweiler Schloss. Im Auftrag des erzbischöflichen Ordinariats waren die Franziskanerinnen von 1897 bis 1980 in der Mädchensozialarbeit und von da an in der Behindertenhilfe tätig. Zur letzten im Wohnheim St. Elisabeth tätigen Schwester sagte die Generaloberin: „Sie waren der gute Geist im Haus.“ Und mit Blick auf die „Zeit der großen Veränderungen in der Kirche und in den Ordensgemeinschaften“ sagte die Ordensfrau: „Wir waren gerne hier, aber jetzt können wir nicht mehr weiter-machen.“

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Aus der Perspektive Gurtweils zeigte Alfred Scheuble in seinem Grußwort etliche Facetten der Wechselwirkungen zwischen Dorf- und Heimgemeinschaft auf. Zu den vielen Aufgaben im Gurtweiler Schloss wirkten viele Franziskanerinnen über Jahrzehnte hinweg im Dorf als Lehrschwestern, als Krankenschwestern und als Kindergartenschwestern mit und leisteten somit auch für die Dorfgemeinschaft einen wertvollen Dienst.

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In seinem Abschiedsgruß würdigte Manfred Schrenk die umfangreiche Arbeit von Schwester Armina, wert-schätzte ihre „unglaubliche Energie“, ihre Bescheidenheit und sagte: „Wir werden Sie sehr vermissen.“ Die scheidende Ordensfrau brachte im Rahmen der abschließenden Tischgespräche zum Ausdruck: „Ich habe noch keinen Tag im Kloster bereut.“

Die Ära des Konvents im Gurtweiler Schloss endet

Im Gurtweiler Schloss endet ein 123-jähriges Engagement der Franziskanerinnen aus Gengenbach. Schwester Maria Armina, die letzte Oberin des Gurtweiler Konvents, wurde verabschiedet und kehrt ins Mutterhaus nach Gengenbach zurück.

1857 wurde zunächst im damals leer stehenden Probsteigebäude eine „Rettungsanstalt“ vom Pfarrer Hermann Kessler (1855 bis 1863 Pfarrverweser in Gurtweil) gegründet. Der Pfarrverweser gewann anfangs die „Kongregation der Schwestern vom kostbaren Blut“ dafür, gefährdeten und verwahrlosten Mädchen zu helfen. Mit sechs Ordensschwestern des neugegründeten Klosters begann die Erziehungsarbeit bis zur Auflösung des Klosters 1873 im Kulturkampf.

Danach blieben einige Schwestern im Koster Gurtweil und lebten von der Hostienbäckerei, Paramentstickerei und der Landwirtschaft. 1896 erwarb die Kirchenbehörde das Gurtweiler Schloss und ein Jahr später übernahmen die Franziskanerinnen aus Gengenbach am 6. September 1897 die Leitung der Rettungsanstalt (laut Ministerium des Innern „Anstalt zur Aufnahme von Zwangszöglingen“).

1935 wurde die Aufgabe im Gurtweiler Schloss St. Elisabeth durch das Landesjugendamt Karlsruhe neu geregelt und von da an bis 1980 als „Mädchen-heim St. Elisabeth“ geführt. Die Franziskanerinnen waren seither in der Behindertenhilfe der Caritaswerkstätten Hochrhein eingebunden. Jetzt verabschiedet sich der Orden der Franziskanerinnen endgültig von Gurtweil und holt die bis zuletzt amtierende Oberin des Gurtweiler Konvents, Schwester Maria Armina, ins Mutterhaus.

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