Der jüngste Zwischenfall im Bürgerwaldtunnel in Tiengen, bei dem Anfang Juni ein Auto völlig ausbrannte und elf Personen mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung in Krankenhäuser eingeliefert wurden, wirft erneut Fragen nach der Sicherheit des Bauwerks auf.

Da der Tunnel, der 1997 fertiggestellt wurde und seitdem als Umfahrung von Tiengen dient, nicht den geltenden Sicherheitsstandards der Europäischen Union entspricht, wird er seit rund eineinhalb Jahren sicherheitstechnisch nachgerüstet. Wir haben uns nach dem aktuellen Stand erkundigt.

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Wieso muss der Bürgerwaldtunnel nachgerüstet werden?

Der 1435 Meter lange Straßentunnel im Bürgerwald, ein Teilstück der Hochrhein-Autobahn 98, ist laut den geltenden Standards der Europäischen Union nicht sicher genug. Das Regierungspräsidium Freiburg muss das Bauwerk deshalb zu Millionenkosten nachrüsten.

Die EU-weit geltenden Standards wurden nach der Brandkatastrophe, die sich 2001 im Schweizer Gotthard-Straßentunnel ereignet hatte und die elf Menschen das Leben kostete, mehrfach verschärft. Anlagen wie der Tiengener Bürgerwaldtunnel, bei denen Defizite bestehen, müssen sukzessive nachgerüstet werden.

Welche Sicherheitsmängel gibt beziehungsweise gab es am Bürgerwaldtunnel?

„Der Bürgerwaldtunnel wird in den nächsten Jahren nachgerüstet und nach Fertigstellung der Tunnelnachrüstung den in Deutschland geltenden Standards entsprechen“, teilt Matthias Henrich, Sprecher des Regierungspräsidiums Freiburg, auf Anfrage dieser Zeitung mit. Bis zu diesem Zeitpunkt habe der Tunnel Bestandsschutz.

Laut einer Liste der Behörde wies das Bauwerk zu Beginn der Nachrüstung vor etwa eineinhalb Jahren folgende sechs Mängel auf: Zum einen sind die Abstände zwischen den Notausgängen zu groß, zum anderen gibt es zu wenige Notrufkabinen und Löschwasserhydranten.

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Außerdem fehlt eine Reserveanlage bei der Löschwasser-Druckerhöhung, und die Auffangbecken für Löschwasser sind zu klein. Bemängelt werden auch die Lüftung, die nicht den Vorgaben entspricht, und die Stirnwände der Pannenbuchten, die rechtwinklig und nicht abgeschrägt sind.

Welche Maßnahmen wurden bereits umgesetzt?

Die bestehende Löschwasserversorgung wurde laut der Behörde bereits umgebaut und am Ostportal um einen zusätzlichen Löschwasservorratsbehälter erweitert. In diesem Bereich stehe noch eine Teilstrecke des geplanten Umbaus des Wasseranschlusses vom Betriebsgebäudes Ost bis zur Landesstraße 159 an, wie Matthias Henrich mitteilt.

Blick in den Bürgerwaldtunnel. Nach einem Fahrzeugbrand Anfang Juni mussten 25 Personen aus der Tunnelröhre evakuiert werden.
Blick in den Bürgerwaldtunnel. Nach einem Fahrzeugbrand Anfang Juni mussten 25 Personen aus der Tunnelröhre evakuiert werden. | Bild: Claus Bingold

Diese Teilmaßnahme werde im Auftrag der Autobahn GmbH (ABG) fertiggestellt, an die das Regierungspräsidium Freiburg das Projekt Endes dieses Jahres übergibt.

Der Neubau eines Auffangbeckens im Vorfeld des Westportals befinde sich aktuell in der Ausführungsplanung und soll noch im Sommer ausgeschrieben werden. Bereits geschaffen wurde eine Feuerwehrzufahrt von der A 98 zum parallel der Wutach verlaufenden Wald- und Wirtschaftsweg vor den Portalen der Rettungsstollen Südwest und Südost.

Welche Nachrüstungen stehen noch aus?

Bereits seit Fertigstellung im Jahr 1997 ist der Tunnel zwar mit zwei Fluchtstollen ausgestattet, die quer Richtung Norden ins Freie führen. Diese Rettungswege allein reichen aber nach den aktuellen Vorschriften nicht aus.

Um den Bürgerwaldtunnel sicherer zu machen und ein schnelles Entkommen in Notsituationen zu gewährleisten, sollen bis voraussichtlich 2023 vier zusätzliche Notausgänge aus der bestehenden nördlichen Fluchtröhre, zwei Fluchtstollen auf der Südseite parallel zur bestehenden Tunnelröhre sowie vier Verbindungsstollen gebaut werden.

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Zudem sind laut Henrich vier begehbare Notrufnischen und fünf Hydrantennischen in der vorhandenen Tunnelinnenschale der Nordröhre geplant. Zusätzlich beinhaltet die Nachrüstung die Erneuerung und Ergänzung der tunnelbetriebstechnischen Anlagen und Sicherheitseinrichtungen sowie den Umbau und die Erweiterung der Betriebsgebäude West und Ost. Die Arbeiten und Planungen liegen laut Auskunft des Regierungspräsidiums im Zeitplan.

Wieso wird nicht eine zweite Tunnelröhre für den Verkehr gebaut?

Die Frage, ob im Zuge der sicherheitstechnischen Nachrüstung nicht gleich eine zweite Tunnelröhre hätte realisiert werden können (im Vorgriff auf einen eventuellen vierspurigen Ausbau), sei geprüft worden, teilte die Behörde bereits im vergangenen Jahr mit. Mit dem Ergebnis, dass eine solche Lösung als zu teuer abgelehnt wurde. Auf Nachfrage beziffert Matthias Henrich die Kosten für die Nachrüstung mit 25 Millionen Euro.

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