Herr Dambach, wann war der letzte öffentliche Auftritt der Stadtmusik?

Unser letzter Auftritt war beim Narrentreffen in Bad Cannstatt im Februar 2020, an dem wir die Narro- Zunft Waldshut musikalisch begleitet haben. Dann kam Corona und der erste Lockdown, damit stoppten auch unsere Proben. Erst nach den Sommerferien im September starteten wir mit einem Hygienekonzept und ausreichend Abstand wieder mit der Probenarbeit. Es hat allen sehr viel Spaß gemacht und alle waren sehr motiviert mit dem Ziel vor Augen, unser Jahreskonzert im Dezember abhalten zu können. Jedoch mussten wir leider Anfang November wieder mit den Proben in Präsenz aufhören und somit hat uns Corona auch hier einen Strich durch unsere Planung gemacht.

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Wie sieht derzeit das Vereinsleben aus?

Es finden keine Treffen statt. Wir treffen uns aber regelmäßig in Online- Meetings und versuchen so, den Kontakt zu und zwischen den Mitgliedern zu halten. Ebenso übermittelt uns unser Dirigent in diesen Treffen Musiktheorie. Aber ganz klar, das Vereinsleben leidet und damit auch die persönlichen Kontakte. Das gemeinsame Hobby, die Musik, kann nicht gelebt werden. Sehr erfreulich ist aber, dass die Online Meetings sehr gut angenommen werden. So können wir uns wenigstens sehen und ein kleiner Austausch kann stattfinden.

Und wie läuft es zur Zeit im Jugendorchester und im Orchester Kunterbunt?

Genau wie das Hauptorchester „probt“ auch der Jugendbereich online. Das klappt recht gut, denn gerade die Jüngeren sind hier sogar geübter, denn auch der Unterricht der Musikschule findet über ein Online Format statt. Wir möchten auch dieses Jahr wieder im Orchester Kunterbunt neu starten und werden hier auch demnächst mit der Werbephase beginnen. Interessierte Kinder und Eltern können sich aber auch gerne jetzt schon an die verantwortliche Person, Doris Baumann, wenden. Ihre E-Mail-Adresse ist (kunterbunt@stm-waldshut.de)

Wie ist allgemein die Stimmung im Verein?

Die ist sehr unterschiedlich, ich glaube wie auch im sonstigen Leben. Immer wieder gibt es Hoffnung für baldige Öffnungsschritte, anschließend kommen aber wieder die Rückschritte. Uns allen ist aber auch klar, dass gerade die Blasmusik sehr wahrscheinlich noch am längsten mit einem Wiederbeginn warten muss.

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Wie geht denn Ihr Dirigent Daniel Frank mit der Situation um?

Wie für alle Vollzeitmusiker und -künstler ist auch für ihn die Situation sehr schwierig. Uns als Stadtmusik war es aber auch wichtig, ihn genau in dieser Situation weiter zu unterstützen und gemeinsam mit ihm Lösungen zu finden, die für beide Seiten positiv sind.

Corona hat auch dazu angeregt, neue Wege zu suchen und zu gehen – was hat sich die Stadtmusik Waldshut alles einfallen lassen?

Wie vorhin schon erzählt, halten wir den Kontakt mit den Mitgliedern per Online Meetings. Wir haben außerdem unsere jährliche Hauptversammlung erstmals in einem kompletten Online Format inklusive Briefwahl abgehalten. Für „unsere Fans“ haben wir zur Waldshuter Chilbi wie auch zu Weihnachten einen kleinen musikalischen Gruß veröffentlicht. Außerdem planen wir aktuell, zukünftig unseren Verein vermehrt über Social Media der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Wie viel kann „das Digitale“ auffangen, wo sind die Grenzen?

Digitale Formate können die aktuelle Situation ohne Präsenzproben und Auftritte nur ein wenig auffangen. Gerade in Blasmusik-Vereinen sind Online-Formate sehr begrenzt einsetzbar und auf lange Sicht kein Ersatz. Unser Hobby, das gemeinsame Musizieren, funktioniert schlichtweg nicht online, es braucht Präsenz. Hinzu kommt, dass alle anderen Dinge, die zu einem geselligen Vereinsleben ebenso dazu gehören, auch noch wegfallen. Das macht es nicht leichter, als Verein aktiv zu bleiben.

Kann der Leistungsstand des Orchesters unter den massiven Einschränkungen erhalten bleiben?

Dies ist eine gute und natürlich interessante Frage. Die Antwort kann man zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht geben. Natürlich hoffen alle, dass der Leistungsstand erhalten bleibt. Aber wie er wirklich ist, wird man erst in den Präsenzproben wieder sehen können.

Sind schon aktive Musiker „abgesprungen“ oder haben passive Mitglieder die Mitgliedschaft gekündigt?

Generell hat sich hier glücklicherweise und ich hoffe auch nachhaltig, nicht sehr viel verändert. Es gibt einzelne Musikerinnen und Musiker, die aufgrund von Vorerkrankungen oder ihres Alter letztes Jahr nicht an den Proben mit Hygienekonzept teilgenommen haben, dies aber lediglich als Vorsichtsmaßnahmen. Ich hoffe, dass diese Mitglieder auch wieder teilnehmen werden, wenn es für sie möglich ist. Bei den passiven Mitgliedern ist es ähnlich wie in den letzten Jahren. Hier haben wir bisher, zum Glück, keine verstärkte Zunahme an Kündigungen.

Keine Konzerte, keine Einnahmen – welche Auswirkungen hat die aktuelle Situation auf Ihre Vereinskasse?

Natürlich ist die finanzielle Situation angespannt. Ich glaube, dies betrifft aber alle Vereine, egal in welchem Bereich. Wir haben sehr zeitnah einen Ausgabenstopp erlassen. Denn ohne Einnahmen können wir uns schlichtweg keine Ausgaben leisten. Aber natürlich haben wir laufende Kosten, die man nicht einfach stoppen kann, wie zum Beispiel Versicherungen, Beiträge, Unterhaltungen für unser Probelokal und auch das Dirigentenhonorar. Dies aktuell zu stemmen, wäre ohne die Unterstützung von außen überhaupt nicht möglich.

Wen meinen Sie konkret mit Unterstützung von außen?

Wir möchten an dieser Stelle nochmals ganz besonders der Stadt Waldshut- Tiengen, der Sparkasse Hochrhein und der Volksbank Hochrhein für die jahrelange und treue Unterstützung danken. Auch allen anderen Spendern und Sponsoren möchten wir nochmals danke sagen. Gerade in diesen, für alle schweren Zeiten, ist es alles andere als selbstverständlich, einen Verein zu unterstützen. Daher wissen wir auch jeden Spendenbetrag sehr zu schätzen!

Sie sind ein „Orchester der Stadt Waldshut-Tiengen“ – ist Unterstützung der Stadt da nicht selbstverständlich?

Nein, das sehen wir absolut nicht so. Man darf nicht vergessen, dass wir als Stadtmusik Waldshut nur einer von vielen Musikvereinen im Stadtgebiet Waldshut-Tiengen sind, die in der gleichen Situation wie wir sind und Unterstützung brauchen. Neben uns gibt es in Waldshut ja auch noch den Musikzug St. Florian inklusive Spielmannszug, die Stadtmusik Tiengen und einige Musikvereine auf den Dörfern, die ebenso zur Stadt Waldshut-Tiengen gehören.

Haben Sie für dieses Jahr schon Pläne?

Wir haben aktuell noch wenig geplant, einfach weil nichts wirklich zuverlässig planbar ist. Anfangs war für den Muttertag ein Konzert geplant, welches wir aber schon im Januar wieder abgesagt haben. Nun hoffen wir, dass vielleicht etwas an der diesjährigen Waldshuter Chilbi geht. Leider ist an unser Wunschkonzert in bekannter Form zwar nicht zu denken, aber vielleicht ist ein Platzkonzert oder ähnliches möglich. Was unser geplantes Jahreskonzert am Samstag, den 18.12.2021 in der Stadthalle Waldshut betrifft, haben wir die Hoffnung auf eine Durchführung noch nicht aufgegeben.

Was wünscht und hofft die Stadtmusik Waldshut für die Zukunft?

Natürlich hoffen wir, wie alle, dass diese schwierige Zeit schnellstmöglich vorübergeht und wir unserem Hobby, dem Musik machen, möglichst bald wieder nachgehen können. Trotz allem steht dennoch die Gesundheit aller im Vordergrund, sei es von allen Musikerinnen und Musikern, allen Freunden und Gönner der Stadtmusik Waldshut sowie der gesamten Bevölkerung. Wir hoffen, dass alle gesund bleiben und freuen uns schon jetzt auf den Moment, wenn wir endlich wieder öffentlich auftreten können, begeistern können und den Beifall des Publikums hören können.