Redakteurin Susann Duygu-D‘Souza im Gespräch mit Aleyna Gündogan.
Redakteurin Susann Duygu-D‘Souza im Gespräch mit Aleyna Gündogan. | Bild: privat

Frau Gündogan, seitdem sie klein sind, sitzen Sie im Rollstuhl, weil sie unter einer sogenannten infantilen Zerebralparese leiden. Was ist das und wie wirkt sich diese Störung auf Sie aus?

Ich habe dadurch spastische Lähmungen sowie Versteifungen und kann deshalb meine Arme und Beine nur bedingt bewegen. Meine Muskeln sind auch sehr schwach.

Jetzt wünschen Sie sich ein sogenanntes Berkelbike, um mobiler zu sein. Was genau ist das und welche Vorteile hat das Fahrzeug gegenüber einem Rollstuhl?

Das Berkelbike ist ein Handbike mit Fußfunktion. Damit kann man Arme/Beine gleichzeitig bewegen, was bei normalen Handbikes nicht möglich ist. Außerdem kann man ein Berkelbike direkt an den Rollstuhl andocken, man muss nicht extra umgesetzt werden, um das Berkelbike zu nutzen. Es ist das einzige Fahrrad, mit dem man Arme und Beine gleichzeitig bewegen kann. Es ist ungefähr seit 2017 auf dem Markt und kommt ursprünglich aus Holland.

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Mit dem Berkelbike können Sie also auch größere Strecken zurücklegen?

Ja genau, je mehr ich es nutze, umso mehr bewegt sich die ganze Muskulatur und umso beweglicher werde ich. Wenn ich das Berkelbike habe, werde ich große und kleine Radtouren machen können, denn ich liebe das Fahrradfahren und meine Arme und Beine werden eben bewegt und gestärkt. Ganz viele Fahrradtouren, wenn das Wetter es erlaubt. Im Winter gibt es die Möglichkeit, zu Hause Arme und Beine damit zu trainieren. Es gibt dafür eine separate Andock-Station, um auf der Stelle Fahrrad fahren zu können.

Was kostet so ein Berkelbike?

Das Berkelbike kostet insgesamt 13.000 Euro und wird eben leider nicht von der Krankenkasse finanziert. Und ohne Unterstützung werde ich es mir nie leisten können.

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Sie haben bereits einen Teil des Betrags über Spendengelder eingenommen. Wie viel fehlt noch?

Mir fehlen jetzt rund 9000 Euro. Von der Organisation „Herzenswünsche“ der Stadt Freiburg bekam ich 4000 Euro. Ein Spendenaufruf über Facebook brachte 369 Euro. Auf die Idee zu einem Spendenaufruf hat mich meine ehemalige Praxisanleiterin gebracht. Ich freue mich über noch so kleine Beträge, denn das bedeutet für mich einen Schritt weiter in Richtung Berkelbike.

Sie leben derzeit in Wutöschingen bei Ihren Eltern. Wie schwer ist es für Sie, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen?

Ich kann alleine keine Verkehrsmittel nutzen durch meine Behinderung, deswegen müssen mich meine Eltern überall begleiten. Als ich das Internat in Freiburg besuchte, hatte ich Betreuer und Freunde an meiner Seite, weshalb ich auch mal mit der Straßenbahn fahren konnte. Aber allein ist das nicht möglich.

Sie haben vor Kurzem ihren Hauptschulabschluss in Freiburg absolviert. Wie geht es jetzt weiter? Können Sie aufgrund Ihrer Krankheit überhaupt einer „normalen“ Arbeit nachgehen?

Es ist sehr, sehr schwer, einen passenden Arbeitsplatz zu finden. Ich bin kognitiv fit, aber körperlich ziemlich eingeschränkt. Das macht die Suche schwierig. Durch Corona ist die Situation für mich leider nicht leichter geworden.

Warum?

Meine Beeinträchtigung und mein Pflegebedarf sind ziemlich hoch, weshalb es für mich schwierig ist, eine Arbeitsstelle zu finden. Vor der Corona-Krise war geplant, dass ich eine Diagnostik für den allgemeinen Arbeitsmarkt durchführen lasse. Dabei wird geprüft, ob es überhaupt möglich ist. Die Diagnostik kann jetzt aber nicht mehr stattfinden.

Gibt es in der Region keine Möglichkeit, sich beraten zu lassen, wie es für Sie weitergeht?

Ich hatte schon Gespräche mit dem Landratsamt. Aber dort legt man mir nahe, dass ich in Freiburg mehr Optionen habe.

Haben Sie einen Berufswunsch?

Ich habe während meiner Internatszeit in Freiburg festgestellt, dass ich gerne andere Menschen mit Behinderungen, und auch deren Angehörige, gerne berate. Ich könnte mir deshalb vorstellen, in die Beratung zu gehen. Mitte des Monats werde ich in Freiburg mit meinen Betreuern aus dem Wohnhaus prüfen, was für mich möglich ist. Vielleicht kann ich zumindest erst einmal unterschiedliche Praktika absolvieren. Wie es dann weitergeht, kann ich noch nicht sagen. Derzeit prüfen wir, ob ich die Möglichkeit auf eine Assistenz habe, also einen Betreuer. Das geht aber erst, wenn ich eine eigene Wohnung habe.

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