Im Konkursverfahren um das Schweizer Schloss Böttstein bei Döttingen gibt es gute Nachrichten für die Gläubiger: Das Vermögen der Eigentümerin reicht wohl aus, um die hohen Verbindlichkeiten tilgen zu können.

Ein Schritt weiter

Das Konkursverfahren über die Schlosseigentümerin ist einen großen Schritt weiter. Nun liegt der Kollokationsplan vor. Er zeigt in einem Konkursverfahren auf, welche Gläubiger welche Forderungen zugute haben und in welcher Reihenfolge diese gestillt werden. Für die Gläubiger dürfte sich eine große Hoffnung erfüllen. „Wir gehen davon aus, dass alle Forderungen der Gläubiger gestillt werden können“, sagte die für das Verfahren zuständige Juristin Sabrina Brem vom Konkursamt Thalwil. Sie verweist auf Schätzungen zu den 23 Liegenschaften, die den Löwenanteil der Konkursmasse ausmachen. Zugutekommen dürften den Gläubigern die aktuell hohen Immobilienpreise. Da es sich um einen Privatkonkurs handelt, haftet die 54-jährige Inhaberin mit ihrem gesamten Vermögen. Sie hatte sich anfangs gegen den Konkurs gewehrt, war aber vor dem Zürcher Obergericht mit einer Beschwerde gescheitert.

Immer neue Forderungen

Sabrina Brem war schon im Frühling optimistisch. Im Mai waren es noch mehr als 170 Forderungen. „Es trafen aber immer wieder neue Forderungen ein“, sagt sie. Mittlerweile sind es mehr als 200. Laut Informationen der „Aargauer Zeitung“ belaufen sich diese Forderungen auf circa 30 Millionen Franken. „Wir müssen neue Forderungen genau prüfen“, sagt Brem. Das hat das sonst schon komplizierte Verfahren noch aufwendiger gemacht. Corona habe dagegen nicht zu einer Verzögerung geführt.

Hypotheken

Brem weist daraufhin, dass sich die definitive Höhe der Forderungen weiter erhöhen wird. „Es liegen Forderungen vor, bei denen Zinsen weiter geschuldet sind bis zur Verwertung.“ Die Forderungen betreffen Hypothekarkredite und nicht bezahlte Sozialversicherungsbeiträge, um ausstehende Löhne von ehemaligen Angestellten und offene Rechnungen von Lieferanten. Die Hypotheken sind der größte Posten, mehrere belaufen sich auf einen Millionen-Betrag.

23 Liegenschaften

Nicht weniger als 23 Liegenschaften gehören zur Konkursmasse. Darunter befindet sich auch das Schloss Böttstein sowie mehrere benachbarte, teilweise überbaute Parzellen. Die meisten der 23 Liegenschaften befinden sich im Kanton Zürich. Darunter sind Häuser ebenso wie Landparzellen, etwa auch neben dem Schloss Böttstein. Der Eigentümerin gehören auch Liegenschaften in Südafrika, wo ihre Familie herkommt. „Im Moment haben wir keinen Zugriff auf diese“, sagt Sabrina Brem. Bestätigt sich die Hoffnung, dass die Gläubigerforderungen mit der Konkursmasse gedeckt werden können, ist das auch nicht nötig. „Ansonsten würden wir das versuchen“, so die Juristin.

Der Zeitplan

Der Kollokationsplan ist noch bis zum 25. November für die Gläubiger einsehbar. Im besten Fall könnte der Kollokationsplan gegen Ende des Jahres rechtskräftig werden. „Dann können wir mit der Verwertung beginnen“, sagt Brem. Verhindern würde dies eine Beschwerde oder Klage eines Gläubigers. Vor dem Hintergrund, dass Gläubiger mit der Auszahlung all ihrer Forderungen rechnen können, scheint dies wenig realistisch.

Die Geschichte

Die jetzige Eigentümerin hatte das Schloss samt Hotel-Restaurant Mitte 2017 vom Energiekonzern Axpo gekauft. In der Folge verzeichnete das Haus einen wirtschaftlichen Niedergang. Das Hotel-Restaurant, nicht weit vom Paul Scherrer Institut (PSI) und vom Kernkraftwerk Beznau gelegen, genoss zuvor über viele Jahre einen guten Ruf, weit über die Region hinaus. Seit dem Konkurs steht es leer. Auch in der Gartenwirtschaft bleiben die Stühle seither leer.

Kaufinteressenten

Zu Schloss Böttstein haben sich bereits Interessenten gemeldet. Wird es nun verkauft? „Das können wir noch nicht sagen“, sagt Sabrina Brem. Die Reihenfolge bei der Verwertung der Liegenschaften stehe noch nicht fest. Die Juristin weiter: „Es ist aber so, dass sich bereits jetzt Interessenten für sämtliche Liegenschaften gemeldet haben. Wie seriös deren Interesse ist, wird sich zeigen. Unklar ist auch noch, ob es zu Versteigerungen kommen wird. Wir werden das zusammen mit den Grundpfandgläubigern anschauen, wie wir im Einzelfall vorgehen“, sagt Brem.

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