Landrat Martin Kistler freute sich, unter den zahlreichen Teilnehmern auch die Landtagsabgeordnete Sabine Hartmann-Müller begrüßen zu können. „Wir können sicher sein, dass Sie unsere Anliegen mit nach Stuttgart nehmen und unsere Sorgen auch im Landtag vertreten“, erklärte er.

Funktion einer Pilotregion

Dann kam er zur Sache: „Trotz des katastrophalen Ausmaßes, die die Schäden inzwischen bei uns erreicht haben, ist es wichtig, nach Wegen zu suchen, zukunftsfähige Wälder aufzubauen und gleichzeitig neue Konzepte zu entwickeln, die auch für andere Regionen Vorbildcharakter haben“. Er verwies auf den Beschluss der Landesregierung, dem Landkreis Waldshut die Funktion einer Pilotregion zuzuweisen, mit dem Ziel, in Zusammenarbeit mit der Forstverwaltung und der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg, klimaresistente Wälder hochzuziehen. „Es tut weh, zu sehen, wie unsere Wälder gelitten haben und welche Wertverluste damit einhergehen“, beklagte auch Sabine Hartmann-Müller. Umso wichtiger sei es, in die Zukunft zu blicken, nach Lösungen zu suchen und das Beste aus der Lage zu machen.

Mit drastischen Worten beschrieb Helge von Gilsa, Leiter des Kreisforstamtes, die augenblickliche Lage: „Der Markt ist voll, die Preise sind im Keller, es gab noch nie so schlechte Rahmenbedingungen.“ Für ihn sei die anstehende Waldbegehung „fast wie eine Runde des Schreckens“, ein bitterer Vorgeschmack auf die katastrophalen Folgen des Klimawandels.

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„Im Prinzip haben wir gewusst, was auf uns zukommt“, sagte er. „Neu ist jedoch die Wucht, mit der uns der Wandel trifft.“ Die jüngsten Regenfälle seien da nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen, in der Tiefe der Böden sei es nach wie vor viel zu trocken. Schon bald sei mit der nächsten Käferwelle zu rechnen, „die Bäume sind voll, das dicke Ende kommt erst noch.“ Wie können wir erreichen, dass unser Wald trotzdem schwarz bleibt und wir unseren Schwarzwald behalten? fragte er.

Waldbegehung im Revier Oberalpfen (von links): Landrat Martin Kistler, Landtagsabgeordnete Sabine Hartmann-Müller und Helge von Gilsa, Leiter des Kreisforstamtes.
Waldbegehung im Revier Oberalpfen (von links): Landrat Martin Kistler, Landtagsabgeordnete Sabine Hartmann-Müller und Helge von Gilsa, Leiter des Kreisforstamtes. | Bild: Manfred Dinort

Ein großes Kompliment hatte er für Christian Ebe, Waldbesitzer aus Oberalpfen, der auf seinen leer geräumten Flächen in wochenlanger und mühevoller Arbeit mit Hilfe seiner Familie 2400 Bäume gepflanzt hatte, zwei Drittel Nadelhölzer (Douglasie und Weißtanne) und ein Drittel Laubbäume (Edelkastanie, Wildkirsche und Schwarznuss). „Dabei ging es für mich nicht in erster Linie um die Erträge, sondern auch darum, einen eigenen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten“, stellte der 43-Jährige klar.

Christian Ebe (links) berichtet über seine Pflanzaktion, bei der 2400 neue Bäume gesetzt wurden. Bilder: Manfred Dinort
Christian Ebe (links) berichtet über seine Pflanzaktion, bei der 2400 neue Bäume gesetzt wurden. | Bild: Manfred Dinort

Kreisrat Klaus Denzinger (FDP) merkte an, dass staatliche Zuschüsse wichtig seien, dass aber das Antragsverfahren vereinfacht werden müsse. Dazu hatte Helge von Gilsa gute Nachrichten: Auf Landesebene seien neue Überlegungen im Gange, den betroffenen Waldbesitzern pro Jahr und Hektar 300 Euro an Zuschüssen zu gewähren.