„Ich empfinde es als ganz großes Glück, dass ich zwei Leben leben durfte“, sagt Bernd Salfner im Vorfeld seines runden Geburtstages. Am 13. September wird der frühere Tiengener Kinderarzt und Künstler 80 Jahre alt. Dass er beide Berufe mit Leidenschaft ausüben konnte, erfüllt den Jubilar mit großer Zufriedenheit. Im Gespräch mit dieser Zeitung blickt Bernd Salfner auf seinen Werdegang zurück.

1942 während des Zweiten Weltkriegs in Bayreuth geboren, zog der Dreijährige mit seinen Eltern nach Nördlingen in Bayerisch-Schwaben, wo seine Großeltern lebten. Schon früh machte sich Salfners Talent bemerkbar. „Ich habe schon als ganz kleines Kind gezeichnet“, erzählt er.

Sein Berufsweg war eigentlich im wahrsten Sinne des Wortes vorgezeichnet. Aus der Sicht seiner Eltern – der Vater war Jurist – sei Künstler jedoch kein richtiger Beruf gewesen. „Ich hätte mich mit dem Kopf durchsetzen müssen, aber das habe ich nicht gemacht“, erinnert sich Bernd Salfner.

Medizinstudium statt Künstlerkarriere

Stattdessen ging er einem weiteren Interesse nach. In München und Wien studierte er Medizin. „Darüber bin ich sehr froh“, sagt er und erklärt warum: „Ich habe dadurch immer zwei Pole im Leben gehabt, die sich gegenseitig befruchteten.“ Die Kunst habe von der Medizin profitiert und umgekehrt.

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Bernd Salfner entschloss sich, Kinderarzt zu werden. An der Kinderklinik in Düsseldorf arbeitete er mit Rolf Janzen zusammen. „Dort habe ich gemerkt, dass ich nicht geeignet bin für eine Universitäts-Laufbahn“, erzählt er. Janzen und Salfner taten sich zusammen und eröffneten 1977 eine Praxis in Tiengen.

Erste Gemeinschaftspraxis in Süddeutschland

„Meines Wissens waren wir die erste Gemeinschaftspraxis für Kinderheilkunde in Süddeutschland“, erinnert er sich. Die Stadt Waldshut-Tiengen habe sie dabei unterstützt.

Die Praxis befand sich zunächst im Gebäude des heutigen Baurechtsamts am Sulzerring, später in der Pommernstraße. „Wir wünschten uns eine Rundumversorgung der Kinder und Familien, die wir nur leisten konnten, wenn wir die Praxis zu jeder Stunde des Jahres geöffnet hielten“, erklärt er im Rückblick.

Sie wechselten sich mit dem Bereitschaftsdienst ab. Auch die beiden Ehefrauen, Jutta Salfner und Christa Janzen, beide ebenfalls Medizinerinnen, arbeiteten in der Praxis. „Wir waren ein gutes Viererteam“, blickt Bernd Salfner zurück.

2001 wechselte er als Arzt in den Ruhestand. Von nun an widmete er sich voll und ganz seiner zweiten Tätigkeit, der Kunst, die er auch während des Berufslebens nie aufgegeben hatte. Kurz nach seinem Umzug nach Tiengen trat er dem Malkreis des 1996 verstorbenen Künstlers Ulrich C. Eipper bei. „Dort habe ich viel gelernt“, erzählt er.

Besonders gern denkt Salfner an die Künstlergruppe „Schwungrad“ zurück, die er 1984 mit Josef Briechle, Friedrich Hackländer und Heinz Daniels gründete. „Wir waren die jungen Wilden“, berichtet er und denkt an die gemeinsame Arbeit in einer Halle der früheren Gipsmühle gegenüber dem Tiengener Friedhof und dessen Fortsetzung in der ehemaligen Fabrikhalle Merz.

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Seit 30 Jahren ist Bernd Salfner Mitglied des Vereins „Vebikus Kunsthalle Schaffhausen“. Nicht nur dort war er als Kurator tätig. 14 Jahre lang kuratierte er die „Kunst in der Villa“ in der Augenarzt-Gemeinschaftspraxis in der Kupferschmidstraße in Waldshut zusammen mit der Augenärztin Beatrix Entenmann.

Mit Schulklassen hat Salfner in der Vergangenheit Kunstprojekte verwirklicht. So gestaltete er unter anderem die Unterführung am Sulzerring in Tiengen und ein Wandbild an der Johann-Peter-Hebel-Schule sowie Projekte am Klettgau-Gymnasium Tiengen und an der Heinrich-Rösch-Schule. „Dadurch konnte ich meine beiden Berufe als Künstler und Kinderarzt verbinden“, erklärt er.

Seine Werke – Malerei und Skulptur – stellt er überwiegend in Deutschland und der Schweiz aus. Wichtig für ihn waren eine Reihe von sogenannten Landart-Projekten und die von Josef Briechle inszenierten Kunstaktionen im öffentlichen Raum. Eine Spezialität sind seine raumfüllenden Installationen mit Figuren aus geschredderten Karteikarten aus seiner früheren Kinderarztpraxis.

2017 musste Bernd Salfner einen Schicksalsschlag hinnehmen, als seine Frau Jutta, mit der er 49 Jahre verheiratet war, starb. Inzwischen hat der Maler ein zweites Mal sein privates Glück gefunden. „Es ist nicht selbstverständlich, in meinem Alter noch einmal in einer glücklichen Partnerschaft zu leben“, findet Bernd Salfner. Seinen 80. Geburtstag feiert er mit Familie und Freunden in Tiengen.

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