Was war das denn? Eine neue Version des dänischen Kabarett-Duos Pat & Patachon? Zwei Komiker? Zwei Pantomimen? In der Waldshuter Stadthalle trat jetzt das Kabarett-Duo Blömer//Tillack auf – mit dem ungewöhnlich klingenden Programm „Ein Reisebericht aus Utopien: Von Flausen nach Possen“.

Schon rein äußerlich waren das zwei sehr skurrile Typen mit ihren zerknautschten Hosen, bunten Hemden und Westen. Bernd Blömer eher linkisch, gehemmt und schüchtern, Dirk Tillack daneben als Strahlemann mit abstehenden Wuschellocken, selbstbewusst und hektisch.

Und Beide siezen sich ganz förmlich. Gleich vorneweg: Es wurde ein wunderbarer, geistvoller Abend – sehr abwechslungsreich, wenn auch nicht immer verständlich. Und zum Schluss sangen alle gemeinsam: „Lasst uns Luftschlösser bauen, damit wir das Träumen nicht vergessen!“

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Auf der Bühne ein Klavier und eine kleine Stellwand, die ständig anderen Zwecken diente: mal Umkleide, mal Versteck, mal Rolltreppe, Schwimmbad oder Boot. „Das sind schon komische Zeiten, die wir haben“, meinte Tillack und Beide waren sich schnell einig: „Wir müssen mehr Utopie wagen!“ Aber wo soll‘s denn hingehen? Wo liegen denn die Utopien? In den Anden? In Indien oder auf dem Mond? Oder in der eigenen Wohnung?

Überbordende Gedankensprünge

Beide überbieten sich in überbordenden Gedankensprüngen und träumen sich ihre Utopien herbei: Man könnte ja auch mal König sein! Oder Politiker? Schon folgt ein Streifzug durch die Politik – zu Putin, Selensky, Hitler oder gar zur Bastapolitik Schröders? Oder zum „König Olaf dem Schweigsamen“?

Dann wieder schneller Wechsel zur Pantomime: Beide paddeln im Boot, reiten auf Pferden oder bewegen sich in komischen Stechschritten vorwärts und rückwärts über die Bühne oder verschwinden scheinbar auf einer Rolltreppe.

Und wieder zurück zu den Utopien: Tillack träumt am Klavier davon, fliegen zu können, schaut den „Wolken beim Wolkenbildermalen“ zu und gesteht: „Die Welt ist schön!“ Aber Utopien brauchen Zukunft. Also schlüpft Blömer in die Welt des Kleinkindes Ernesto und verkündet schlaue Umweltmerksätze. Oder beide liegen als Kartoffeln auf der Theke und diskutieren – mal französisch, mal deutsch karikiert – ob man sich genetisch aufpeppen lassen sollte.

Nur 16 Besucher bei ungewöhnlichem Kabarettabend

Das alles kommt sehr abwechslungsreich daher und verzaubert das Publikum. Doch da liegt der Haken: Nur 16 Besucher waren zu diesem ungewöhnlichen Kabarettabend gekommen. Kulturamtsleiterin Kerstin Simon sprach bei der Eröffnung leicht resigniert von einem „Kammerkabarett mit familiärer Wohnzimmeratmosphäre“.

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Und die beiden Kabarettisten selbst sprangen zum Schluss von der Bühne und schüttelten jedem Besucher die Hand. Ein Besucher abschließend: „Eigentlich richtig schön, wenn wir nur so wenig sind!“ Aber auch erschreckend: Hat Corona die Kultur so beschädigt?

Die nächste Kabarettveranstaltung findet am 21. Oktober mit Peter Spielbauer und seinem Programm „Pfitsch Göng“ in der Grieshabervier-Halle in Waldshut statt (20 Uhr).