145 Schüler sind an den drei beruflichen Gymnasien in Waldshut im Abitur-Prüfungsstress. 28 weitere nutzen Nachholtermine nach Pfingsten. Für alle drei Schulen gilt nach Aussage der Schulleitungen, dass zu Beginn der Schulschließungen im Zuge der Corona-Pandemie der eigentliche Unterrichtsstoff weitestgehend durchgenommen war. Der folgende Online- und Präsenzunterricht konnte demnach so gezielt zur Vorbereitung auf das Abitur genutzt werden. Unter dem Strich wird deshalb die Vorbereitung der Schüler auf die Prüfungen als gut angesehen.

Mit Blick auf die Organisation und Überwachung der Abstandsregel und der Hygienemaßnahmen sprechen die drei Gymnasien von einem großen Aufwand. Dies sei verbunden mit personellen Herausforderungen. Lehrkräfte, die aus verschiedenen Gründen zu Risikogruppen gehören, sind von den Schulen vielfach nach Hause geschickt worden. Mit Blick auf die Schüler bestätigen alle drei Schulen, dass die Infektionsschutz-maßnahmen allgemein sehr diszipli-niert mitgetragen würden.

Info- und Desinfektionsschranke: Jürgen Ketterer (Technisches Gymnasium) zwischen Infostellwänden und Desinfektionspendern – wer die Gewerblichen Schulen betritt muss hier unter den Augen einer Aufsichtsperson durch.
Info- und Desinfektionsschranke: Jürgen Ketterer (Technisches Gymnasium) zwischen Infostellwänden und Desinfektionspendern – wer die Gewerblichen Schulen betritt muss hier unter den Augen einer Aufsichtsperson durch. | Bild: Ursula Freudig
  • Technisches Gymnasium (TG) der Gewerblichen Schulen Waldshut: 57 Schüler legen am TG das Abitur ab, drei von ihnen an den Nachholterminen nach Pfingsten. „Im Zuge der Abstandsregel sind maximal zwölf Schüler in einem Zimmer und jedes Zimmer hat einen eigenen Desinfektionsspender“, erklärt Jürgen Ketterer (Abteilungsleiter TG). Die Schule hat ein Hygieneteam gebildet zur gezielten Umsetzung der Infektionsschutzmaßnahmen. In der Online-Unterrichtsphase hat das TG nach eigener Aussage alle Kommunikationskanäle genutzt, auch traditionelle, weil nicht alle Schüler eigene Endgeräte hätten und nicht immer eine gute Internetverbindung gewährleistet sei. Generell seien längerem Online-Unterricht Grenzen gesetzt: „Schulen brauchen soziale Kontakte, sie leben von Begegnung“, sagt Schulleiter Frank Decker.
„Schulen brauchen soziale Kontakte, sie leben von Begegnung“, sagt Frank Decker, Leiter der Gewerblichen Schulen Waldshut.
„Schulen brauchen soziale Kontakte, sie leben von Begegnung“, sagt Frank Decker, Leiter der Gewerblichen Schulen Waldshut. | Bild: Ursula Freudig
  • Wirtschaftsgymnasium (WG) der kauf-männischen Schule Waldshut: „80 Abiturienten zählt das WG, davon legen 24 ihre Prüfungen erst nach Pfingsten ab. „Das diesjährige Abitur ist eine organisatorische Herausforderung, aber die Schüler haben keine Nachteile“, sagt Simon Denz (Abteilungsleiter WG). Mehr benötigte Räume im Zuge der Abstandsregel und umfassende Aufsichtsaufgaben beschäftigen auch das WG. Der Online-Unterricht im Vorfeld der Prüfungen hat laut Denz gut funktioniert, auch wenn manche Schüler auf diesem Weg nur schwer zu erreichen wären, ohne dass man genau wüsste, woran es läge. Auch für Denz kann selbst eine optimal funktionierende Videokonferenz den Präsenzunterricht nicht ersetzen. „Unterricht hat etwas mit Beziehung zu tun, er braucht eine persönliche Komponente“, zeigt er sich überzeugt.
„Die Anbindung ländlicher Räume ans Internet ist wichtig und sollte besser werden“, sagt Sandra Bihlmaier-Müller, stellvertretende Leiterin Justus-von-Liebig Schule Waldshut.
„Die Anbindung ländlicher Räume ans Internet ist wichtig und sollte besser werden“, sagt Sandra Bihlmaier-Müller, stellvertretende Leiterin Justus-von-Liebig Schule Waldshut. | Bild: Ursula Freudig
  • Biotechnologisches (BTG) und Ernäh-rungswissenschaftliches Gymnasium (EG) an der Justus-von-Liebig Schule Waldshut: 36 Schüler legen am BTG und am EG das Abitur ab. Eine Schülerin nutzt die Nachholmöglichkeit für die Prüfungen nach Pfingsten. Als gut bezeichnet Sandra Bihlmaier-Müller (stellvertretende Schulleiterin und zuständig für die Gymnasien) die digitalen Erfahrungen im Vorfeld der Abiturprüfungen. Die Justus-von-Liebig Schule sei digital gut ausgerüstet und Schüler ohne Laptop hätten eines von der Schule ausgeliehen bekommen. Die Kommunikation per E-Mail sei mit allen Schülern problemlos möglich gewesen. Probleme, besonders bei größeren Videokonferenzen, wären oft Ergebnis einer unzureichenden Internetverbindung gewesen. „Die Anbindung ländlicher Räume ans Internet ist wichtig und sollte besser werden“, zieht sie die Konsequenz aus der Situation, in der alle auf digitale Kanäle angewiesen sind.

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