Susanne Schleinzer-Bilal

Herr Frey, war die Arbeit beim DRK schon immer Ihr Traumberuf?

Eigentlich wollte ich mit der Arbeit beim DRK anfangs mein Heilpraktikerstudium, das ich gerade begonnen hatte, finanzieren. Ich war damals in Waldshut und habe mich immer weiter qualifiziert und bin dann beim DRK geblieben. Der medizinische Bereich hat mich schon immer interessiert, ich war auch bei der Bundeswehr bei den Sanitätern.

Was gefällt Ihnen am besten an Ihrer Arbeit?

Das ist ein toller Job. Wir retten Leben, wir helfen den Menschen, das hat mir schon immer gefallen. Es wird nie langweilig. Als ich fertig war mit der Ausbildung, kam ich auf die Leitstelle als zweiter Mann. Anfangs wollte ich nicht so gerne im Büro sitzen, aber dieser Wechsel war entscheidend für mein Bleiben in der DRK.

Ich war jetzt involviert in die Notrufannahmen, das Alarmieren und dem Disponieren von Einsatzmaterial. Als die Digitalisierung dann kam, konnte ich von Anfang an mitwirken, das war eine neue Herausforderung für mich. Ich konnte mich in der Weiterentwicklung der EDV auf der Leitstelle einbringen.

Worin besteht Ihre Arbeit als Betriebsleiter jetzt?

Abfragen und Alarmierungen, das hat mich die letzten Jahre beschäftigt. Wir sind immer bemüht, die Struktur des Rettungsdienstes zu verbessern. Gemeinsam mit den drei Abteilungsleitern vom Fahrdienst, Leitstelle, Rettungsdienst, die ich und Herr Zimmermann betreuen, unterstützen und vertreten, stellen wir den Dienstbetrieb sicher. Das ist meine Hauptaufgabe.

Dazu haben wir die Verantwortung für das Budget, sind in Ausschüssen und zuständig für das Statistikwesen und die Öffentlichkeitsarbeit. Auch strategische Entscheidungen in den Abteilungen lenken die Betriebsleiter mit.

Wie hat die Corona-Pandemie Ihre Arbeit verändert?

Die Pandemie hat unsere Arbeit natürlich erschwert. Wir mussten den Betrieb ja aufrechterhalten. Nur zwölf Leute können die Leitstelle bedienen und wir sind für 180.000 Menschen verantwortlich. Wir haben uns aber frühzeitig impfen lassen und Konzepte entwickelt.

Einzelne Mitarbeiter haben sich isoliert, so dass der Dienst immer aufrecht erhalten werden konnte. Dann haben wir versucht, Menschen auszubilden, welche die Telefonanrufe entgegen nehmen konnten. Zur Not hätten wir uns auch in der Leitstelle eingeschlossen, jemand musste ja das Telefon abnehmen.

Welche Herausforderungen gab es in dieser Zeit und wie haben Sie diese gemeistert?

Für den Rettungsdienst war auch die Herausforderung Schutzmasken, einen Vollschutz und Desinfektionsmittel in großen Mengen zu besorgen. Es gab ja anfangs nichts auf dem Markt. Wir haben dann die Handschuhe beim Katastrophenschutz besorgt und gehütet wie unseren Augapfel. Die Autos mussten nach einem Corona-Transport immer 20 bis 30 Minuten lang gereinigt werden, bis sie wieder einsatzfähig waren.

Kein einziger Mitarbeiter hatte den Dienst verweigert, wir hatten immer die Fahrdienste besetzt und nur sehr wenige hatten sich angesteckt. Das alles hat uns sehr zusammengeschweißt und der Zusammenhalt war einfach super. Wir mussten bei den Patienten anfangs immer fragen ob jemand im Haus Corona hatte. Dann haben wir uns vor dem Haus umgezogen. Viele hatten Angst, dass wir sie nicht mitnehmen wenn sie Corona haben und haben die Infektion verschwiegen, aber wir nehmen natürlich jeden mit. Auch heute haben wir immer noch infizierte Patienten.

Wo sehen Sie sich beruflich in zehn Jahren

Immer noch beim DRK. Das DRK ist ein sehr guter Arbeitgeber, man tut etwas Gutes und die Arbeit ist abwechslungsreich.

Wie hat sich die Arbeit im Vergleich zu früher verändert, was sind die Herausforderungen?

Ein großes Thema ist mit Sicherheit – wie überall – der Fachkräftemangel. Wir haben vom Land einen Sicherstellungsauftrag. Für uns ist jeder, der geht schwierig. Dazu kommt der aktuelle Ressourcen-Mangel. Es gibt keine Autos mehr, wir bekommen erst 2024 eventuell neue Autos. Dann müssen wir alle sechs Jahre die Computer auswechseln, die laufen bei uns ja 24 Stunden, sieben Tage die Woche.

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Es ist eine Herausforderung, den Dienstbetrieb zu sichern. Terror, Hackerangriffe, Blackout, diese Themen gab es früher nie. Anderseits hat der erste Mann, der Notfallsanitäter im Rettungswagen, einen größeren Handlungsspielraum. In Abstimmung mit den Handlungsempfehlungen des Arztes darf er invasive Handlungen (zum Beispiel einen venösen Zugang, intravenös spritzen, zum Beispiel Glukose bei extremer Unterzuckerung spritzen) durchführen. Auch die Reanimation darf er im Notfall machen. Alles wird dann digital dokumentiert.

Ein Notarzt kommt immer mit bei Herzinfarkten, Polytraumata (gleichzeitig auftretende lebensbedrohliche Verletzungen, zum Beispiel nach einem Sturz aus großer Höhe). Wir haben einen Notarztindikationskatalog. Insgesamt arbeiten wir alle nach den selben Prinzipien, kontrollieren die Atmung, den Puls, den Kreislauf. Was sich auch verändert hat, ist die Akzeptanz. Jetzt müssen wir unsere Autos abschließen. Die Patienten sind immer wieder aggressiver und gestresster, manchmal sind die Ansprüche einfach zu hoch. Die Einsätze sind mehr geworden und auch anspruchsvoller.

Was war Ihr schlimmstes Erlebnis als Notfallsanitäter? Wie verarbeiten Sie solche Erlebnisse?

Eines meiner schlimmsten Erlebnisse war ein Verkehrsunfall, in den drei Jugendliche verwickelt waren. Sie wollten im Dunkeln ihr Auto anschieben, haben dabei die Rücklichter verdeckt und ein anderes Auto ist in sie hineingefahren. Wir verarbeiten solche Erlebnisse „unter uns“, wir reden darüber.

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Was war Ihr schönstes Erlebnis?

Zu den schönsten Erlebnissen gehören sicherlich die Geburten. Einmal sind wir zu einem akuten Abdomen (sehr starke Bauchschmerzen) bei einer Frau gerufen worden und es hatte sich herausgestellt, dass es in Wirklichkeit Wehen waren. Die Frau hatte gar nicht mitbekommen, dass sie schwanger war und hat dann ein gesundes Kind zur Welt gebracht. Das Ehepaar musste erst einmal verdauen, dass sie auf einmal Eltern geworden sind.