Auch in Kadelburg stand einst ein Lindenbaum und in dessen Schatten, kurz vor dem westlichen Dorfeingang, ein Brunnen. Die Linde gibt‘s nicht mehr, doch der Brunnen plätschert noch. Zwar wurde er zweimal von den Straßenbauern einige Meter versetzt, doch der Wasserspender am heutigen Kreisverkehr blieb als Zeuge der Dorfgeschichte erhalten.

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Die einstige Linde vom alten Brunnenstandort hat eine besondere Geschichte. Sie erinnerte an eine Zeit bitterer Not, aus der manchem der Mut zur Auswanderung erwuchs. „Es war eine böse Zeit im Lande, Misswuchs lohnte des Bauern Mühe und Arbeit“, schrieb der Alb-Bote. So machte sich auch der Kadelburger Heinrich Groß, ein Sohn der kinderreichen Familie eines Wagners, 1852 auf den Weg in die USA. Vor seinem Abschied wollte er dafür sorgen, in Kadelburg nicht so schnell in Vergessenheit zu geraten. Also holte er sich aus dem Wald eine junge Linde und setzte sie auf die Straßengabelung neben den dort schon lange stehenden Brunnen. Und bekam prompt Ärger.

Feldfrevel

Wegen der paar Schaufeln Erde, die er dem nächsten Acker entnahm, um seinem Bäumchen eine nahrhafte Grundlage zu geben, wurde er als „Feldfrevler“ mit einem Strafzettel von zwei Gulden bedacht. „Das aber scherte den Reiselustigen nicht sehr“, ist dem Bericht zu entnehmen, „er nahm sein Bündel und ging zu Fuß nach Basel und weiter nach Le Havre, von wo aus er die beschwerliche Reise nach dem ersehnten Dollarland antrat.“ Die Linde wuchs sich zu einem prächtigen Baum aus, von dem sich Heinrich Groß Jahrzehnte später in einem Brief eine Fotografie erbat, die ihm Freunde nach Amerika schickten – zusammen mit einem Zweig der Linde.

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Wann Groß starb, ist nicht bekannt. Festgehalten ist, dass seine Linde 1924 „von einem Blitz bis ins Mark“ getroffen wurde und ihr 1932 ein nach einem Unfall in Flammen aufgegangener Lastwagen, der sie ebenfalls in Brand setzte, den Rest gab. Die 1933 gepflanzte Ersatzlinde musste 1959 dem Bau der Kreuzung weichen, die 2002 von der Verkehrsinsel abgelöst wurde.