Waldshut – Die Waldshuter Feuerwehr benötigt dringend ein neues Gerätehaus. Es brennt sozusagen. Ein Grundstück scheint gefunden. Doch die Fläche an der Robert-Gerwig-Straße (ehemaliger Güterbahnhof) ist für die Feuerwehr alleine zu groß. Deshalb präsentierten Oberbürgermeister Philipp Frank und Stadtkämmerer Klaus Lang in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates die Idee eines sogenannten Blaulicht-Zentrums. Als kleine Variante nur mit Polizei und DRK als Partner. Eine zweite, größere Variante könnte so aussehen, dass auch die Vereine sowie die Stadtbibliothek, die bislang im Kornhaus untergebracht sind, mit an die Robert-Gerwig-Straße umziehen. Im Gemeinderat fielen die Ideen auf fruchtbaren Boden.

Ignoriert wurde dabei allerdings, wie es mit dem Kornhaus weitergehen soll, sollte es zur großen Lösung auf dem ehemaligen Güterbahnhof-Areal kommen. Soll das Kornhaus dann leer stehen, soll es einer komplett anderen Nutzung zugeführt werden, soll es verkauft werden oder abgerissen werden, wie es Harald Würtenberger (FW) bereits bei den Haushaltsberatungen ins Spiel gebracht hatte? Dies wäre trotz Denkmalschutzes möglich, wenn sich die Sanierungskosten nicht erwirtschaften ließen, so sieht es zumindest das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz. Sicher ist aber momentan nichts. Das lässt sich aus den Aussagen der Fraktionssprecher schließen. Und auch OB Frank spricht im Interview klar davon, dass die Sanierung des Kornhauses mitnichten obsolet sei.
 

Das sagen die Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats

  • Helmut Maier (CDU): "Solange die Kosten für Neubau und Brandschutz nicht konkret bekannt sind, kann ich mich da noch nicht festlegen. Das Kornhaus ist ein markantes Gebäude und ich bin mir dessen Bedeutung für die Bürger bewusst."
  • Gerhard Vollmer (SPD): "Sollte nur ein Teil aus dem Kornhaus ausziehen, würde der Brandschutz günstiger werden. Ich zumindest gehe stark davon aus, dass uns das Kornhaus mindestens für die nächsten zehn Jahre erhalten bleibt."
  • Paul Albiez-Kaiser (Grüne): "Der Kornhaus-Abriss wäre ein Fehler. Die Bibliothek ist mangelhaft untergebracht und eine Überlegung wert, sie umziehen zu lassen. Aber gerade der Kornhauskeller entwickelt sich zu einem super Veranstaltungsort."
  • Harald Ebi (FDP): "Ich halte die ganze Idee für aus dem Boden gestampft. Ein günstiger Brandschutz am Kornhaus ist möglich. Die Diskussion, die Verein umzusiedeln ist daher völliger Unsinn, zumal der Zeitplan viel zu knapp bemessen wurde."
  • Harald Würtenberger (Freie Wähler): "Die Lage ist vollkommen unbefriedigend. Wenn man mehrere Millionen in das Kornhaus steckt, ist das nicht nachhaltig gedacht. Das Geld fehlt an anderen Stellen der innerstädtischen Entwicklungsfläche."
  • Paul Klahn (Linke): "Da bin ich überfragt. Die Bausubstanz ist gut, warum sollte es also abgerissen werden? Was in Waldshut schon alles abgerissen wurde, geht auf keine Kuhhaut."
  • Bernhard Boll (AfD): "Die 2,5 Millionen Euro beziehen sich nur auf den Brandschutz. Das Gebäude gleicht einem Bunker und gehört generalüberholt. Da halte ich jeden Cent für rausgeschmissenes Geld."
 

Das sagt der Oberbürgermeister: "Die Sanierung des Kornhauses ist mitnichten obsolet"

Philipp Frank, Oberbürgermeister der Stadt Waldshut-Tiengen, über das geplante Blaulicht-Zentrum für Waldshut und die Zukunft des Kornhauses.

Herr Frank, der Gemeinderat hat der Verwaltung grünes Licht gegeben, die Pläne für ein sogenanntes Blaulicht-Zentrum an der Robert-Gerwig-Straße weiterzuverfolgen. Unter anderem mit der Variante, dass dort auch alle bisherigen Nutzer des Kornhauses ein neues Domizil finden könnten. Stand der Dinge ist jedoch, dass das Kornhaus für 2,5 Millionen Euro so ertüchtigt werden sollte, dass es den Anforderungen des Brandschutzes entspricht. Heißt das nun, dass Verwaltung und Gemeinderat das Kornhaus aufgeben, obwohl es fertige Pläne gibt?

Der Gemeinderat hat beschlossen, die Planung für ein neues Feuerwehrgerätehaus als Mehrfachnutzung auf dem Güterbahnhofsgelände in Waldshut zu beginnen. Nicht mehr und nicht weniger. Hierbei ist das sogenannte „Blaulichtzentrum“ eine Option, die es nun genauer zu prüfen gilt. Eine andere – eventuell mit dem „Blaulichtzentrum“ kombinierbare – Option ist, zusätzlichen Raum für Vereine und Initiativen zu schaffen. Hiermit verbinden wir die Hoffnung, die Sanierung des Kornhauses kostenmäßig zu verschlanken; bei gleichzeitiger Optimierung der gesamten Raumsituation. Die Sanierung des Kornhauses ist mitnichten obsolet, wir versuchen nur, sie anders zu planen.

Sollte es zu einer großen Lösung im geplanten Blaulicht-Zentrum kommen, wird das Kornhaus dann abgerissen oder haben Sie bereits eine anderweitige Nutzung im Auge?

Hierzu gibt es im Moment keine Überlegungen, da sich diese Frage für uns nicht stellt. Die im Gemeinderat aufgezeigten und diskutierten Lösungsmöglichkeiten beziehen sich in erster Linie auf den Bau eines Multifunktionsgebäudes im Bereich des Güterbahnhofs, in dem die Feuerwehr ihr neues Zuhause finden kann. Über die Zukunft des Kornhauses haben wir nicht diskutiert.

Wann entscheidet der Gemeinderat über das weitere Vorgehen in Sachen Neubau Feuerwehrgerätehaus und Kornhaus?

Wir haben eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich nun im nächsten Schritt mit in Frage kommenden Planern zusammensetzt, um die ersten Gedanken zu verfeinern. Das Ergebnis wird wesentlich von der Realisierungsbereitschaft der in Frage kommenden Partner abhängen, da wir einen hohen zeitlichen Druck haben, das neue Feuerwehrgerätehaus fertigzustellen. Ziel ist es, dem Gemeinderat nach der Sommerpause nächste Informationen präsentieren zu können.

Das sagen die Nutzer des Kornhauses

  • Birgit Lieschke, Vorsitzende Tanzsportclub Blau-Weiß Waldshut: "Im Zuge der damaligen, sehr kostspieligen Renovierung wurde uns ein Brandschutz zugesagt. Sollte ein Umzug anstehen, wären die Kosten für uns nicht tragbar. Es wäre vor allen Dingen schade, einen so eleganten Ballsaal zu verlieren, den alle Turnierbesucher sehr bewundern."
  • Ursula Preiss, Vorsitzende Gemischter Chor Frohsinn Waldshut 1897: "Es wäre sehr schade um die Räumlichkeiten, welche in all den Jahrzehnten von unseren Mitgliedern so schön gestaltet worden sind. Das Kornhaus ist doch ein Stück Waldshuter Geschichte."
  • Nicole Schnell, Vorsitzende Stadtmusik Waldshut: "Dazu möchte ich mich im Moment nicht äußern. Sollte Genaueres feststehen, werden wir das gemeinsam mit dem Gemeinderat besprechen." (ses)

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