"Die diesjährige Hitzewelle ist erschreckend. So etwas habe ich noch nie erlebt", sagt Yonca Thurner vom BUND Waldshut. Die 53-jährige Lehrerin der Alemannenschule Wutöschingen ist seit sieben Jahren als Vorsitzende des Umweltverbandes aktiv. Über Jahre hinweg beobachtet sie, wie sich die klimatischen Bedingungen verändern und welche Auswirkungen das auf die Tier- und Pflanzenwelt hat.

Insekten wie Bienen sind durch intensive Landwirtschaft vom Verschwinden bedroht. Dabei sind sie als Bestäuber wichtig fürs Ökosystem. Bild: Johannes Renner
Insekten wie Bienen sind durch intensive Landwirtschaft vom Verschwinden bedroht. Dabei sind sie als Bestäuber wichtig fürs Ökosystem. | Bild: Johannes Renner

Die Problematik sei schon in den 80er und 90er Jahren bekannt gewesen, doch man habe die Entwicklung einfach nicht ernst genommen. "Heute kann hingegen kaum noch jemand ernsthaft abstreiten, dass es immer wärmer wird, es ist zu deutlich spürbar."

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Die Gesetze des freien Marktes und auf reiner Freiwilligkeit beruhende Maßnahmen können in den Augen der studierten Physikerin wenig bewirken. "Wir verbrauchen zu viel Energie und ein wachsender Warenverkehr wie auch die wachsende Wirtschaft werden zu einseitig positiv bewertet, ohne die fatalen Folgen für die Umwelt zu bedenken." Warenverkehr müsse verstärkt auf die Schiene. Neben der Politik, die noch immer zu stark rein wirtschaftlichen Interessen folge, seien aber auch die Bürger gefragt.

Yonca Thurner appelliert an jeden einzelnen Bürger

"Vielen Menschen sind die Folgen der Veränderung noch immer nicht so richtig bewusst." Thurner verweist auf eine gewisse Entfremdung der Menschen von den Grundlagen des Lebens. "Es wird zu viel an Wirtschaft und Arbeitsplätze gedacht, doch wenn die Umwelt zerstört ist, dann funktioniert nichts mehr", warnt sie.

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Der einzelne Bürger könne schon im Alltag und durch sein Konsumverhalten klimabewusster leben. "Sie können regionale Produkte kaufen, öffentliche Verkehrsmittel nutzen und konsumkritisch sein." Auch müsse es nicht jedes Jahr mit dem Flieger in den Urlaub gehen. Im heimischen Garten könne man Blumenwiesen anlegen, einheimische Sträucher pflanzen und Wasserstellen einrichten. "In privaten Gärten gibt es noch viel Potenzial zur Verbesserung, da hier immer noch zu viel Gift verwendet wird und mit zu viel Steinelementen Lebensgrundlagen zerstört werden."

Sorge um das Ökosystem

In diesem Zuge spricht Yonca Thurner das "katastrophale Insektensterben" an und gibt sich besorgt um das Ökosystem: "Bienen sind als Bestäuber enorm wichtig und deren Verschwinden wird sich auch beim Obstbau auswirken." In den vergangenen 50 Jahren haben die Insektenpopulationen dramatisch abgenommen. Alle Tiere, die sich von Insekten ernähren, seien akut bedroht. Vögel und Fledermäuse blicken schweren Zeiten entgegen. Bäume seien zum Teil schon rot und gelb aufgrund des Trockenstresses. Bäche und Flüsse trocknen aus, werden zur Todesfalle für Fische und Krebse.

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Auch Claudia Wild vom Nabu Baden-Württemberg sieht die gefährlichen Entwicklungen: "Wir beobachten eine starke Bedrohungslage für Amphibien oder eher nördlich verbreitete Arten wie Kiebitz und Bekassine. Auch drohen Arten zu verschwinden, die momentan noch Restvorkommen im Schwarzwald haben, die sie seit der Eiszeit besetzt hatten, wie zum Beispiel die alpine Gebirgsschrecke." Die Pressesprecherin des Nabu Baden-Württemberg verweist auf die Bedrohung europäischer Vogelarten durch den Klimawandel und appelliert ebenfalls an den Verbraucher, nachhaltiger und konsumbewusster zu leben.

Yonca Thurner würde sich über mehr Mitstreiter beim BUND Waldshut freuen. "Wir brauchen Menschen mit Zeit und Empathie." Gerne könne man auch eigene Ideen einbringen, wenn es um den Schutz unserer Umwelt geht.