Frau Ruby, im Kleiderladen stehen die Zeichen derzeit auf Fasnacht, was machen Sie gerade?

Wir richten gerade alles her für unseren großen Fasnachts-Basar am Samstag. Für dieses Highlight haben wir das das ganze Jahr über Sachen zur Seite gelegt. Nicht nur typische Fasnachtskostüme für Kinder und Erwachsene, sondern zum Beispiel auch Smokings, Lederhosen oder Pelzmäntel, alles was nach unserer Erfahrung gern an Fasnacht getragen wird. Wir haben auch Hüte, Masken, Fliegen, Halsketten, Bärte zum Ankleben, insgesamt eine Riesenauswahl, mehr als jemals zuvor. Es besteht während dem Basar auch die Möglichkeit, im normalen Kleiderladen einzukaufen, der sonst immer freitags von 14 bis 16 Uhr geöffnet ist. Diese Woche ist allerdings wegen des Basars am Freitag zu. Was beim Basar übrig bleibt, verkaufen wir an zwei folgenden Mittwochen und freitags im normalen Ladenverkauf.

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Alles, Fasnachts- und normale Bekleidung ist zum kleinen Preis zu haben?

Ja, alles ist bei uns sehr günstig. T-Shirts kosten einen Euro, Pullis ab 1,50 Euro, die meisten Teile kosten zwei, drei Euro, über zehn Euro nur besondere Teile wie zum Beispiel ein schöner Anzug oder eine Pelzjacke. Und wir haben auch nicht nur Kleidung, sondern auch Tisch- und Bettwäsche, Schuhe, Haushaltswaren, Bücher, Taschen, fast alles außer Matratzen. Früher, vielleicht bis in die 80er Jahre hinein, haben wir einzelne Kleidungsstücke sogar noch für den Verkauf hergerichtet oder zumindest die Knöpfe abgeschnitten, wenn sie entsorgt wurden. Und für Fasnacht wurden Hüte toll dekoriert und aus weißen Bettlaken Pumphosen genäht. Das geht heute nicht mehr.

Was hat sich sonst noch im Laufe der Jahre geändert?

Es kommen heute viel mehr Kunden als früher. Unser Kleiderladen steht allen offen. Früher, ich denke so bis Anfang 2000, hatten die Kunden, die bei uns einkauften eine Bestätigung vom Landratsamt, dass sie dazu aufgrund ihrer finanziellen Situation berechtigt waren. Und sie durften auch nur eine gewisse Menge kaufen. Es gab wie heute einen Verkaufstag in der Woche und zusätzlich vier große Basare im Jahr für Jedermann.

Wie ist aktuell die Resonanz auf den DRK-Kleiderladen?

Unser Laden ist jede Woche gut besucht. Eine richtige Besucherwelle hatten wir auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise vor so zwei bis drei Jahren. Es kamen so viele, dass wir an Montagen einen zweiten Öffnungstag anboten. Beim Fasnachts-Basar ist es damals wie heute immer rappelvoll, sodass man kaum durchkommt und die Stimmung ist immer richtig gut. Es gibt den Basar schon jahrzehntelang, er ist bekannt und hat einen guten Ruf. Sogar der SWR war schon da und hat über ihn im Radio berichtet.

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Wie kommt die Kleidung eigentlich zu Ihnen?

Vor unserem Gebäude stehen Container für Kleidersäcke bereit. Kleider, die in andere Rotkreuz-Container geworfen werden, kommen nicht zu uns. Die nehmen einen ganz anderen Weg. Wer will, dass seine Kleidung vor Ort wieder verwendet wird, der sollte sie bei uns einwerfen. Man kann die Sachen natürlich auch direkt bei uns vorbei bringen oder bei uns in den Flur stellen. Viel bekommen wir auch aus Haushaltsauflösungen.

Müssen Sie viel aussortieren?

Oh, ja. Ich denke, mehr als die Hälfte. Obwohl auf jedem Sack steht, dass die Sachen sauber und ordentlich sein sollen, ist vieles drin, was wir den Kunden nicht mehr zumuten können. Es ist manchmal schon beschämend, was alles bei uns landet. Wir müssen die aussortierten Sachen dann entsorgen, was mit Kosten verbunden ist. Wir können nur immer wieder an alle appellieren, uns nur saubere, unbeschädigte und tragbare Kleidung zu bringen. Auch alle anderen Sachen sollten in Ordnung und gebrauchsfertig sein. Es geht einfach darum, Gutes nicht wegzuwerfen und anderen Kunden damit noch eine kleine Freude zu bereiten. Keiner sollte deshalb Hemmungen haben, bei uns vorbei zu kommen, um gute Sachen abzugeben oder zu kaufen.

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Was passiert mit dem Geld, das der DRK-Kleiderladen einnimmt?

Die Einnahmen verwendet das DRK in seinen Tätigkeitsbereichen für soziale Zwecke. Dass wir eine soziale Einrichtung sind, zeigt sich auch darin, dass einige auch umsonst bei uns einkaufen können.

Wer zum Beispiel?

Wenn die Kinder aus Weißrussland hier sind, die der Verein Zukunft für Ritschow jedes Jahr einlädt, dürfen sie sich in unserem Kleiderladen bedienen. Ebenso Menschen, die durch ein Unglück, wie zum Beispiel einen Brand, ihr Hab und Gut verloren haben. Das kommt immer wieder vor und die Familien sind dann sehr froh, wenn sie bei uns was bekommen. Manchmal ruft auch jemand aus dem Krankenhaus an und sagt, dass sie einen Patienten haben, der nicht einmal einen Schlafanzug besitzt, da springen wir auch ein.

Sie sind rund 30 Jahre dabei Frau Ruby, haben Sie noch nie ans Aufhören gedacht?

Nein, ich mache die Arbeit gern. Man hat immer wieder mit anderen Menschen zu tun und nimmt immer wieder andere Sachen in die Hand. Es ist ein sehr lebendiges Ehrenamt. Und vor allem arbeite ich in einem tollen Team. Wir sind rund zehn Frauen und zwei Männer und bilden eine verschworene Gemeinschaft, die nach getaner Arbeit immer zusammen Kaffee trinkt. Um unsere zwei Männer sind wir besonders froh, weil die Kleidersäcke oft sehr schwer sind und transportiert werden müssen. Sehr schön ist auch immer der Ausflug und das Weihnachtsessen, das wir als Dankeschön vom DRK jedes Jahr geschenkt bekommen.