Herr Kistler, welchen Beitrag leistet das Waldshuter Landratsamt zum Klimaschutz?

Der Landkreis ist schon länger im Klimaschutz aktiv. Durch die Teilnahme am European Energy Award haben wir unsere Klimaschutzaktivitäten in 2017 nun systematisch erfasst und treiben diese wichtige Thema weiter voran. Ein internes „Energieteam“, welches sich aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Ämtern zusammensetzt, hat dazu ein Arbeitsprogramm erstellt. Dieses hat der Kreistag am 18. Juli 2018 beschlossen. Es wird nun Stück für Stück in verschiedenen Projekten umgesetzt.

Das Thema „Wald“ kommt auch bei der Klimatschutzwoche im Landratsamt Waldshut erneut auf die Agenda. Im August informierte sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann (links) über die Schäden durch Borkenkäfer im Kreis Waldshut. Landrat Martin Kistler überreichte einen hölzernen Nussknacker.
Das Thema „Wald“ kommt auch bei der Klimatschutzwoche im Landratsamt Waldshut erneut auf die Agenda. Im August informierte sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann (links) über die Schäden durch Borkenkäfer im Kreis Waldshut. Landrat Martin Kistler überreichte einen hölzernen Nussknacker. | Bild: Peter Rosa

Dabei haben wir einen Schwerpunkt auf die interne Kommunikation des Themas Klimaschutz im Landratsamt gelegt. Unsere Auszubildenden haben für die Kolleginnen und Kollegen eine Handreichung zum Klimaschutz im Alltag erarbeitet. Auch haben wir die Mitarbeiter über das webbasierte Klimaretter-Tool für das Thema sensibilisiert. Die energetische Sanierung und das möglichst optimale Energiemanagement unserer Gebäude treiben wir konsequent voran. In einem Energieeffizienz-Netzwerk tauschen wir uns dabei mit Gemeinden aus. Der Kreistag hat auch die Beschaffung von Ökostrom mit Neuanlagenquote beschlossen. Wir setzen nicht nur auf große Projekte wie die Elektrifizierung der Hochrheinstrecke oder die Einführung der Biotonne, sondern legen auch Wert auf kleine Schritte wie zum Beispiel unsere wiederverwendbaren Coffee-to-go Becher.

Am Energieparcours im Landratsamt können nicht nur Schüler teilnehmen, sondern auch interessierte Bürger. Was kann ich mir darunter vorstellen?

Das Thema Energie von der Entstehung über die Umwandlung bis hin zur Nutzung geht uns alle an. Es gehört zur Bildung für nachhaltige Entwicklung und ist gleichzeitig ein sehr komplexes Themenfeld. Dieses Thema wird im Parcours auf spielerische und experimentelle Art und Weise veranschaulicht. Oder wissen Sie, wie eine Solarzelle genau funktioniert oder warum der Eisbär nicht friert?

Es sind auch lokale Veranstalter aufgerufen, während der Energiewendetage Angebote zu machen. Können Sie einige Beispiele aus dem Landkreis Waldshut nennen?

Die Energiewendetage mit dem Motto: „Voller Energie!“ leben vom Engagement jedes Einzelnen. Ob Bürgerinitiative oder Verband, ob Stadtwerke oder Unternehmen, ob Kommune oder Anlagenbetreiber, alle sind aufgerufen ihre Idee oder Aktionen der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Um ein paar Beispiele zu nennen: Die Wave-Trophy in Murg (Weltgrößte Elektromobil-Rallye) am 17. September, 10 Uhr auf dem Bürgerplatz mit Empfang durch Schulklassen. Informationen zum Thema Elektromobilität gibt es zum Beispiel auf der Internetseite des WTV. Dort werden Informationen und Standorte zu E-Carsharing-Angeboten, Bike&Ride- und, Park&Ride-Standorten sowie Bürger-Elektroautos gegeben. Eine Leistungsschau von/für Unternehmen, die im Bereich der erneuerbaren Energie engagiert sind, am 21. September von 10 bis 16 Uhr auf dem Münsterplatz und dem Innenhof des Rathauses Bad Säckingen, Veranstalter ist die BürgerEnergie Bad Säckingen eG. Ferner gibt es eine schulinterne Exkursion zum Rhonegletscher im Rahmen einer Klimatologie und Gletscherphysik-Einheit der Kaufmännischen Schule Waldshut. Zudem soll der CO2-Ausstoß der Fahrt vom Schulort Waldshut zum Furkapass im Rahmen eines Schülerprojekts kompensiert werden.

Weiter findet der dritte Runde Tisch in der Reihe „Prima Klima!“ statt. Welche Erkenntnisse haben Sie aus den ersten beiden Veranstaltungen gewonnen?

Unsere Aufgabe als Landratsamt ist es, mit unseren Bürgerinnen und Bürgern in engem Austausch zu stehen. Mit der Einrichtung der Veranstaltungsreihe „Prima Klima“ suchen wir den Dialog zum wichtigen Thema Borkenkäfer mit allen Betroffenen, Beteiligten und Interessierten. Wir informieren über das schon historische Ausmaß des Schadens in unseren Wäldern und unsere große Betroffenheit. Nur gemeinsam können wir richtige Lösungen für die Schadaufarbeitung und die künftige Ausrichtung und Prävention erarbeiten. Bei den Veranstaltungen wird auch immer wieder deutlich, wie schwer die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald sind. Neben der Veränderung der Artenzusammensetzung sowie die erhöhte Waldbrandgefahr sind noch viele weitere Auswirkungen zu erwarten. Denn der Wald als CO2-Senke liefert nicht nur den nachhaltigen und regionalen Rohstoff Holz, sondern er bietet auch Schutz vor Naturgefahren (z.B. Überschwemmung) und dient den Menschen als Erholungsraum.

Was sind aus Ihrer Sicht die nächsten Schritte auf dem Weg zu mehr Klimaschutz? Was kann z.B. der Kreistag in dieser Hinsicht tun, was kann der einzelne Bürger unternehmen?

Wir müssen den Klimaschutz weiter vorantreiben. Unser aktuelles Instrument ist hier der European Energy Award, welcher als Qualitätsmanagementverfahren Klimaschutzaktivitäten ständig analysiert, plant, und prüft ob die Ziele unseres Arbeitsprogramms erreicht wurden. Vieles steht noch auf unserer Agenda. Die Schwerpunkte liegen bei einer verbesserten, kombinierten Mobilität im Nahverkehr, dem Ausbau der nachhaltigen Beschaffung, einem intensiveren Austausch mit den Gemeinden und der Weiterentwicklung des Energiemanagements für unsere Gebäude. Unterstützung beim Prozess erhalten wir hier von einem externen Berater der Energieagentur Südwest. Dabei spielt der Kreistag eine große Rolle. Er gibt wichtige Impulse bei unserem Arbeitsprogramm und unterstützt uns auf unserem Weg. Das Thema Klimaschutz wird auch in den ersten Sitzungen des neu gewählten Kreistages im Herbst auf der Tagesordnung stehen. Was unsere Möglichkeiten als Bürgerinnen und Bürger beim alltäglichen Beitrag zum Klimaschutz betrifft, so kann ich nur Erich Kästner zitieren: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

Fragen: Uthe Martin

Klimaschutzwoche im Landratsamt Waldshut

  • Energieparcours: Den Startschuss für die Klimaschutzwoche gibt der Landrat am Montag, 16. September, 10 Uhr, im Foyer des Waldshuter Landratsamtes mit der Eröffnung des Energieparcours. Der Parcours hat in erster Linie Schülerinnen und Schüler als Zielgruppe. Er bietet die Gelegenheit, das Thema Klimaschutz auf spielerische und lehrreiche Art in einem Rundgang aufzugreifen. Der Parcours ist aber auch für Menschen jenseits des Schulalters interessant. Er ist in Kalenderwoche 38 täglich ab 8.30 Uhr (einschließlich Mittwoch) zu den regulären Öffnungszeiten des Landratsamtes zu sehen. Darüber hinaus hat der Parcours am Samstag, 21. September, von 9 bis 16 Uhr geöffnet.
  • Elektromobil-Rallye: Am Dienstag, 17. September, macht die Wave-Trophy von 10 Uhr bis 11 Uhr in Murg auf dem Bürgerplatz Station. Die Wave-Trophy ist die größte, jährlich stattfindende Elektromobil-Rallye der Welt. Mehr als 50 E-Fahrzeuge, darunter auch E-Bikes und E-Motorräder, fahren gemeinsam in acht Tagen quer durch Deutschland, um zu zeigen, dass Elektromobilität schon heute alltagstauglich ist. Weitere Informationen sind online zu finden unter (http://www.wavetrophy.com).
  • Runder Tisch zum Wald: Außerdem findet am 18. September um 19 Uhr ebenfalls im Kreistagssaal des Landratsamtes der dritte Runde Tisch zu den Auswirkungen des Klimawandels auf den heimischen Wald in der Reihe „Prima Klima?“ statt. Experten informieren und diskutieren darüber, wie der Zukunftswald aussehen könnte oder sollte. Die Veranstaltung richtet sich nicht nur an Waldbesitzer oder ein Fachpublikum, sondern an alle Interessierten.
  • Begleitveranstaltungen: Abgerundet wird die Klimaschutzwoche durch weitere Begleitveranstaltungen. Am Dienstag, 17. September, um 18 Uhr informiert die Energieagentur Südwest GmbH interessierte Gebäudeeigentümerinnen und –eigentümer über die Vorteile der Stromversorgung mit Photovoltaik für den Eigenverbrauch. In der Veranstaltung, die im Kreistagssaal stattfindet, wird auf wesentliche technische, rechtliche und steuerliche Fragen zur Eigenstromversorgung eingegangen. Die Veranstaltung ist kostenlos; eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
  • Energiewendetage Baden-Württemberg: Der Energieparcours ist auch Teil der 13. Energiewendetage Baden-Württemberg, die am 21. und 22. September stattfinden. Unter dem Motto „Voller Energie!“ sind lokale Veranstalter im ganzen Land aufgerufen, mit Aktionen, Projekten, Messen und Tagen der offenen Tür die Energiewende erlebbar und begreifbar zu machen. Näheres findet man im Internet unter (http://www.energiewendetage.baden-wuerttemberg.de).
Uthe Martin