Großes Interesse fand der Vortrag des Radolfzeller Verkehrsexperten Manuel Jobi, der auf Einladung der Freien Wähler in Tiengen über das Mobilitätskonzept seiner Heimatstadt referierte. Der FW-Ortsvorsitzende Harald Würtenberger verwies darauf, dass das Radolfzeller Konzept sicher nicht 1:1 auf die eigene Stadt übertragen werden könne, wohl aber in vielen Grundzügen.

Harald Württenberger, Vorsitzender der Freien Wähler (links), bedankt sich beim Referenten, dem Mobilitätsexperten Manuel Jobi aus Radolfzell.
Harald Württenberger, Vorsitzender der Freien Wähler (links), bedankt sich beim Referenten, dem Mobilitätsexperten Manuel Jobi aus Radolfzell. | Bild: Manfred Dinort

„Grundlage unseres Konzeptes ist es gewesen, die Teilnehmerbereiche Fußgänger, Radfahrer, PKW-Verkehr und den öffentlichen Personennahverkehr in Einklang zu bringen und gleichzeitig den Individualverkehr einzudämmen“, erklärte Manuel Jobi. „Wir wollen das Auto nicht verteufeln, aber Anreize schaffen, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen.“

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Um dieses Ziel zu erreichen, wurden die Parkzeiten im Bereich der Innenstadt stark eingeschränkt. Gleichzeitig wurden die Parkgebühren erhöht und die Buspreise heruntergesetzt, von 2,30 Euro auf einen Euro pro Fahrt. Der Takt wurde von 30 auf 15 Minuten verkürzt, die Busse fahren abends länger und für die Randzeiten gibt es ein Sammeltaxi, das zum gleichen Preis genutzt werden kann.

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Der gewünschte Erfolg stellte sich auch bald ein, die Fahrgastzahlen verdoppelten sich und kletterten zuletzt auf mehr als 160 000 Personen. „Ein Erfolg, mit dem wir in dieser Größenordnung eigentlich gar nicht gerechnet hatten“, sagte der Verkehrsexperte. Damit hätten sich auch die wirtschaftlichen Einbußen für die Stadt in Grenzen gehalten.

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Inzwischen sei man dabei, die nächste Stufe des Verkehrskonzeptes umzusetzen und die Bedingungen für Radfahrer und Fußgänger zu verbessern. Die Fußgänger bekommen ihre Gehwege zurück, die Radfahrer bekommen ihre Sicherheitsstreifen am Rande der Fahrbahnen. Autos, die zur Hälfte auf den Gehwegen parken, werden nicht mehr geduldet. Für die Räder wurde inzwischen ein neuer Parkbereich in der Nähe des Bahnhofs geschaffen, der ein geregeltes Abstellen und Abschließen ermöglicht. Weitere Abstellflächen sind in Planung.

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Die Einhaltung der Regeln wird von Mitarbeitern der Stadt genauestens kontrolliert. Sonderregelungen gibt es für die Bewohner der Altstadt, die eigene Parkplätze zugewiesen bekommen und vor ihren Häusern zum Be- und Entladen halten dürfen. Aber das Radolfzeller Konzept hat auch seine Schattenseiten. Der Flächenverbrauch für neue Parkplätze im Randbereich sei enorm gewesen. „Das war eigentlich nicht unsere Zielvorstellung“, sagte Jobi. „Daher werden wir nicht um den Bau neuer Parkhäuser herumkommen.“ Wichtig bei jedem Verkehrskonzept, das sagte Harald Würtenberger in seinem Schlusswort, seien kurze Wege zu den Haltestellen und den Zielen. Grundsatz müsse sein, die öffentlichen Verkehrsmittel zu den Menschen zu bringen und nicht umgekehrt.