Herr Huber, gerade kam Ihr erstes Buch auf den Markt. Wie kam es dazu?

Es ist die überarbeitete und erweiterte Fassung meiner Doktorarbeit, die ich bereits 2016 am Ende meines Studiums in Freiburg eingereicht hatte. Das Thema war die Geschichte der berühmten Theatinerkirche in München. Ich wollte mit der Bearbeitung auch heutigen Besuchern dieser Barockkirche verständlich machen, was damals die Menschen bewogen hat, solch eine prachtvolle Kirche „aus dem Glauben heraus“ zu bauen.

Wie kam es zu dem Buchtitel „Mut zu prächtigen Dingen“?

Die damaligen Stifter im 17. Jahrhundert – der bayerische Kurfürst Ferdinand Maria und seine Gemahlin Henriette Adelaide aus Savoyen – hatten das Gelübde abgelegt, bei der Geburt eines Kindes eine Kirche nach dem Vorbild der Mutterkirche des Theatinerordens in Rom zu stiften. Auf den Einwand, das würde zu groß und zu teuer, antwortete der Kurfürst, „dass man den Mut zu prächtigen Dingen habe müsse“. Daher der Titel.

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Sie sind in Waldshut geboren, in Dogern aufgewachsen und haben bis zum Abitur das Hochrhein-Gymnasium besucht. Wie kam es zu Ihrem Interesse an der Theatinerkirche in München?

Der Weg ist wirklich weit (lacht)! Künstlerisch bin ich durch meine Familie ein bisschen vorbelastet. So war etwa mein Großvater Hans Brudsche hier in der Region ein bekannter Bildhauer. Schon in der Schulzeit habe ich selber gern gezeichnet, und meine Kunstlehrerin Vera Rühle hat mir die Freude an der Kunst noch weiter vertieft. So war mir schnell klar, dass ich nach dem Abitur und längeren Auslandsaufenthalten in London und Bologna Kunstgeschichte studieren wollte, dazu Philosophie, Germanistik und Theologie. 2010 machte ich in Freiburg meinen Magister in Kunstgeschichte. Nebenher arbeitete ich noch in dem bekannten Antiquariat Nonnenmacher. Danach wollte ich gern promovieren.

In Freiburg?

Ja, aber dort war ich von der Mitarbeit im Institut abgelenkt und ging deswegen nach München. Ich wollte unabhängiger sein. Das Thema zu meiner Doktorarbeit war dann eher Fügung. Denn Johannes Weise, ein Dominikanerpater, den ich schon in Freiburg kennenlernte, wurde in München Kirchenrektor an der Theatinerkirche. Er meinte, dort gäbe es noch viel herauszufinden – über die Zerstörung des Hauptaltars etwa im Zweiten Weltkrieg oder über frühere Baupläne. Überraschend für mich war, dass es dazu kaum Literatur gab. Also begann ich zu recherchieren und schrieb die nächsten fünf Jahre an meiner Doktorarbeit. Und weil ich natürlich Geld verdienen musste, gründete ich nebenher einen eigenen Buchhandel mit Online-Verkauf.

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Wo haben Sie recherchiert?

Die meiste Zeit in München. Dort arbeitete ich am Zentralinstitut für Kunstgeschichte und außerdem im Bayerischen Hauptstaatsarchiv und im Geheimen Hausarchiv der Wittelsbacher.

Und gab es nicht auch zahlreiche Recherchen im Ausland?

Ja, wir fanden in München viel alte Tagebücher und Briefe von verschiedenen Personen des Theatinerordens aus der Zeit von 1662 bis 1801.

Konnten Sie diese Quellen denn lesen?

Meistens ja! Glücklicherweise hatte ich an der Universität Italienisch und Latein gelernt. Schwierig war es dann mit den alten Rechnungsbüchern. Deren Schrift war wirklich schwer zu entziffern.

Und wie kam es zu den Kontakten und Reisen nach Italien?

Ich musste auch Archive in Bologna, Turin und Rom besuchen. Ich kannte aus Freiburg einige Priester in Rom, darunter auch Georg Gänswein. Ich arbeitete unter anderem in der Bibliotheca Hertziana oder im Vatikanischen Geheimarchiv und wohnte am Campus Santo im Vatikan. Da kommt man nur mit Beziehungen rein. Hier lernte ich auch Papst Emeritus Benediktus XVI. kennen, der dort noch als Kardinal jeden Mittwoch die Messe las und den ich mehrmals besuchte. Er hat mir sehr imponiert durch seine bescheidene und liebevolle Art und natürlich seinen scharfen Verstand.

Fabian Huber auf dem Campus Santo in Rom. Im Hintergrund Papst Emeritus Benedikt XVI. und Georg Gänswein.
Fabian Huber auf dem Campus Santo in Rom. Im Hintergrund Papst Emeritus Benedikt XVI. und Georg Gänswein. | Bild: Privat

Waren Sie oft in Rom?

Vielleicht so etwa 30 Mal? Nicht nur wegen meiner Doktorarbeit sondern auch wegen des besonderen Lebensgefühls dort.

Was ist der Inhalt Ihres Buches und was war dabei Ihr Ziel?

Ich schrieb über die Planung und den Bau im 17. Jahrhundert, über die Stifter, über die Gestaltung der Fassade im 18. Jahrhundert und über die Kunstschätze in der Kirche. Vor allem aber möchte ich bei den heutigen Besuchern ein Verständnis für die Entstehung einer solchen Barockkirche wecken.

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Gab es bei Ihren Forschungen auch Schwierigkeiten?

Oh ja! Oft habe ich mich gefragt: Warum tue ich mir das alles an, Tausende von Seiten in alter Handschrift zu lesen? Aber den einfachen Weg fand ich noch nie so spannend: Auch heute bei meiner Arbeit als Wissenschaftler an den Pinakotheken in München sehe ich meine Aufgabe darin, den Menschen die Kunst und Kultur früherer Zeiten verständlich zu machen.

Was bindet Sie heute noch an Waldshut?

Natürlich vor allem meine Eltern. Aber auch meine Familiengeschichte, die hier seit fast 500 Jahren besteht. Diese an Kunst so reiche Region und die Nähe zur Schweiz und zu Frankreich sind einfach Teil meiner Identität. Auch wenn ich inzwischen sogar schon ein wenig bayerisch sprechen kann.

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