Nach mehr als 1000 Tagen Zwangspause wegen Auffälligkeiten am Reaktordruckbehälter ist das Schweizer Atomkraftwerk Beznau 1 wieder in Betrieb gegangen. Im Kontrast zu den drei Jahre lang kalt gebliebenen Brennstäben steht die hitzige Debatte, nachdem die Aufsichtsbehörde keine Gründe sieht, die gegen ein Wiederanfahren des Meilers aus dem Jahr 1969 sprachen. Wieder kursiert dabei die Erzählung vom angeblich „ältesten Atomkraftwerk der Welt, das noch in Betrieb ist“. Dabei haben unlängst Recherchen der „Aargauer Zeitung“ ergeben, dass die Anlage diese ohnehin zweifelhafte Ehre gar nicht (mehr) beanspruchen darf. Grund ist offenbar, dass die Atomaufsicht die Daten der Schweizer Reaktoren zur Inbetriebnahme vereinheitlicht hat. Jetzt gilt nicht mehr der vorangegangene Probelauf (wie bisher bei Beznau), sondern entsprechend den Standards der Internationalen Atomenergie-Organisation die Aufnahme des kommerziellen Betriebs. Das war im Fall unseres Veteranen in Beznau am 9. Dezember 1969 (der zweite Block folgte 1971). Damit nimmt das Atomkraftwerk auf der nuklearen Ältestenliste nur noch Rang fünf hinter zwei indischen und zwei US-amerikanischen Reaktoren ein. Ob das die Menschen beruhigt, die sich wegen der Problemzonen am Druckbehälter Sorgen machen, ist eine andere Frage. Bedauernswert in jedem Fall ist eine Einschränkung, die mit der aktuellen Diskussion einherging: Das Atomkraftwerks-Areal auf der Beznau-Insel ist vom Betreiber, wohl vorbeugend gegen eventuelle Protestaktionen, für Besucher abgeriegelt worden. Dabei war das inmitten der Aare gelegene künstliche Eiland, erreichbar etwa mit dem Fahrrad in knapp 50 Minuten, bisher ein Ausflugsziel ganz spezieller Art. Wer das Areal betrat, konnte den riesigen Reaktorgebäuden fast schon beängstigend nahekommen und hatte gleichzeitig einen schönen Blick auf idyllische Flusslandschaft. Aber es gibt ja auch das Atomkraftwerk Leibstadt direkt gegenüber Waldshut: Mit seinem Besucherzentrum direkt am Kühlturm steht es als adäquate Naherholungs-Destination zur Verfügung.

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