Wer am Hochrhein-Seminar teilnehmen darf, gehört zu den besonders guten Schülerinnen und Schüler in Mathematik und Naturwissenschaften. Ein kleiner Kreis dieser Gymnasiasten traf sich im Technischen Gymnasium in Waldshut nach einer Berlinreise mit dem Waldshuter Bundestagsabgeordneten Felix Schreiner (CDU). Feedback über die Tage in der Hauptstadt wollte der Abgeordnete hören, und die fiel ausnahmslos positiv aus. Das Bundeskanzleramt, verschiedene Institutionen und Forschungseinrichtungen wie Wasserversorgung und das Fraunhofer-Institut hatten die Schüler beeindruckt. Dabei ergaben sich auch engagierte Gespräche, beispielsweise zum Thema „Roboter in der Pflege“, dabei wurde über Für und Wider und die Zumutbarkeit für Patienten diskutiert.

Über Politik-Karriere

Felix Schreiner, mit seinen 33 Jahren vom Alter her nah an den Seminarteilnehmern, wurde nach seiner Motivation für den Einstieg in die Politik und seinen Arbeitsalltag befragt. 22 Sitzungswochen pro Jahr absolviere er in Berlin. In der Hauptstadt wie im Wahlkreis seien lange Arbeitstage die Regel. In der Politik gebe es viele alte Menschen, das sei weit weg von der Realität, stellte ein Schüler fest. Es müsse in einem solchen Gremium Junge und Alte geben, erklärte Felix Schreiner. „Das Parlament ist ein Querschnitt der Gesellschaft.“ In der Rentenkommission sei jedoch kein Mitglied jünger als 40. Keine ideale Alterszusammensetzung bei diesem Thema, stimmte Schreiner zu.

Über Planung in der ­Endlosschleife

Kritik der Schüler an langwierigen Entscheidungsprozessen wie bei der Autobahnplanung, Probleme für Bahnkunden und der Öffentliche Personennahverkehr auf dem Land führten die Fragerunde zurück an den Hochrhein. Es sei wichtig, dass es jetzt zur Planung der A 98 komme, gab Schreiner der Runde recht. Ausschlaggebend sei dabei, dass jetzt das Land die Planung vergebe. Neue Entwürfe und neue Planung erforderten mehr Manpower, und die sei jetzt einsetzbar. „Schade, dass manche Prozesse so lange dauern, doch bei uns hat jeder Bürger die Möglichkeit mitzureden.“ In der Schweiz dagegen würden Mehrheiten nach einer Abstimmung akzeptiert, es werde nicht weiter demonstriert und das jeweilige Projekt könne auf den Weg gebracht werden.

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Über Pannen bei der Bahn

Die Schweiz mache es auch beim Bahnbetrieb besser, fanden die Schüler. Die Runde kritisierte aus eigener Erfahrung Pannen und Verspätungen, hohe Ticketpreise, fehlende Elektrifizierung und ungenügendes Zugmaterial am Hochrhein. Wenn die Serviceleistung auf deutscher Seite so schlecht sei, müsse man darüber nachdenken, ob die Schienennetzbetreiber ihren Vertrag mit dem Land erfüllen, so Schreiner. Sein Rat: „Probleme ansprechen und melden, auch an mich.“ Die Region brauche einen Halbstundentakt und funktionierende Bahnverbindungen, etwa um Anschluss an Zentren wie Basel zu halten und dabei die Möglichkeit, auf dem Land zu wohnen, zu behalten.

Über Fake News

Sich informieren, Dinge hinterfragen und überprüfen, riet Felix Schreiner den Wählern, die ab 16 Jahren am 26. Mai zur Stimmabgabe bei den Kommunalwahlen aufgerufen sind. Er würde sich wünschen, dass junge Leute gewählt würden oder sich überhaupt für Politik interessieren. „Das liegt auch an uns“, war sich die Runde einig. Man sollte Erstwähler ansprechen, bei jungen Leuten ansetzen, die schon informiert sind und andere nachziehen können. Die Seminarteilnehmer plädierten auch für eine bessere Ansprache von Schülern auf Kommunalebene.

Das Hochrhein-Seminar

Seit Beginn des Schuljahres 1984/85 wird an den weiterführenden Schulen in Baden-Württemberg das Programm zur Förderung besonders befähigter Schülerinnen und Schüler durchgeführt. Im Rahmen dieses Programms hat die Abteilung Schule und Bildung des Regierungspräsidiums Freiburg zum Schuljahr 1997/98 für die Gymnasien des Landkreises Waldshut das Hochrhein-Seminar für Mathematik und Naturwissenschaften eingerichtet. Jeder Teilnehmer aus Unter-, Mittel- oder Oberstufe entscheidet sich für eine der angebotenen Arbeitsgemeinschaften mit besonderem Anspruchsniveau aus den Bereichen Mathematik, Physik, Technik, Chemie, Biologie oder Informatik. Dazu kommt eine Veranstaltungsreihe mit Vorträgen. Das Angebot wird durch Studienfahrten, Exkursionen und Wochenendseminare ergänzt und abgerundet. Träger des Hochrhein-Seminars sind das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, die Stadt Waldshut-Tiengen und der Landkreis Waldshut. Dazu kommen Institutionen aus Industrie, Handel und Wirtschaft der Hochrhein-Region und von der Universität Konstanz.