Ein 61-jähriger Mann geht über den Parkplatz eines Einkaufszentrums in der Waldshuter Brückenstraße. Nach ein paar Schritten wird er von einem jüngeren Passanten angesprochen, der ihn um das Wechseln einer Zwei-Euro-Münze bittet. Bereitwillig öffnet der ältere Herr seinen Geldbeutel, um zu helfen, als der Jüngere plötzlich selbst in das Portemonnaie greift.

Einen kurzen Moment lang duldet das der 61-jährige, dann stoppt er den Fremden, der daraufhin verschwindet. Erst als der junge Mann nicht mehr zu sehen ist, fällt dem älteren Herren auf, dass ihm mehrere hundert Euro gestohlen wurden.

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Fälle wie dieser kommen in Waldshut in den letzten Monaten öfter vor. Seit Juli kam in der Stadt zu mindestens sechs Trickdiebstählen, bei denen die Täter gezielt ältere Menschen darum baten, ihnen Kleingeld zu wechseln. Sie hatten es jedoch auf größere Scheine abgesehen und griffen zu, sobald die hilfsbereiten Opfer in ihren Portemonnaies nach Wechselgeld suchten. Immer wieder informiert die Polizei in ihren Pressemitteilungen über derartige Fälle.

Im Juli sprach ein Unbekannter einen Mann in der Rheinstraße an und stahl anschließend dessen gesamte Geldscheine. Im August fragte ein Mann ein Ehepaar in der Tiefgarage eines Einkaufszentrums gleich zweimal, ob es ihm Geld wechseln könne, bevor er die Brieftasche der Frau samt Bargeld, Ausweis und Bankkarte stahl. Mitte Oktober bat ein Mann einen 67-Jährigen um das Wechseln einer Zwei-Euro Münze auf und stahl ihm sein gesamtes Bargeld.

Auch danach riss die Serie nicht ab: Im November kam es zu zwei weiteren Diebstählen, im Dezember bisher zu einem. Um den Tätern auf die Spur zu kommen, will die Polizei jetzt verstärkt Präsenz zeigen. "Kollegen in Uniform aber auch in Zivil sind verstärkt zu Fuß auf Streife", sagt Sprecher Mathias Albicker. Zudem leistet die Polizei Aufklärungsarbeit und will insbesondere ältere Menschen zu Anlässen wie Seniorennachmittagen für das Thema sensibilisieren.

Die Polizei zieht Bilanz

Während im vergangenen Jahr zehn Fälle von Trickdiebstählen im Landkreis Waldshut und zwei in Waldshut-Tiengen verzeichnet wurden, zeigen die Zahlen in der Polizeistatistik in diesem Jahr deutlich nach oben. Polizeipressesprecher Mathias Albicker geht für den Landkreis derzeit von einer Verdreifachung der Trickdiebstähle aus, für die Stadt Waldshut-Tiengen rechnet er mit damit, dass die Jahresbilanz fast fünfmal so hoch ausfällt wie noch 2017.

Die Polizei vermerkt im Landkreis derzeit eine Schadenssumme im niedrigen fünfstelligen Bereich, in Waldshut-Tiengen im niedrigen vierstelligen Bereich.

Obwohl die Opfer oftmals von jeweils einer Person angesprochen und bestohlen wurden, hat die Polizei einen bestimmten Verdacht, dass es sich um einen bestimmten Tätertyp handelt. Aufgrund des derzeiten Ermittlungsstandes geht Mathias Albicker davon aus, dass in Waldshut eine Bande am Werk ist. Die Täter seien in den meisten Fällen männlich gewesen, über 50 Jahre alt, hätten gepflegte Kleidung getragen und seien seriös aufgetreten. Nach Erkenntnissen der Polizei sprachen sie alle Deutsch mit einem bisher noch unbekannten Akzent. Wie die Polizei bekannt gibt, finden derartige Diebstähle überwiegend auf Parkplätzen oder in Parkhäusern in Innenstädten oder bei Einkaufszentren statt. Auch in Fußgängerzonen kam es zu Diebstählen. Auch an belebten Orten sollten Passanten daher scheinbar harmlosen Menschen gegenüber Vorsicht walten zu lassen.