Tausende warten in Deutschland auf ein neues Organ, das ihr Leben retten soll, weltweit sind es Millionen. Doch ihre Chancen sind gering, denn es gibt zehn Mal mehr Kranke als potenzielle Spender von Herz, Lunge oder Nieren. Kriminelle schlagen daraus Gewinn und verdienen Milliarden mit illegalem Organhandel.

Weltweit wechseln nach Schätzung von Experten jährlich bis zu 50 000 Organe auf illegalem Wege den Besitzer, zum größten Teil Nieren. Die Käufer stammen meist aus Europa, den USA, Israel und den Arabischen Emiraten, die Spender aus den Elendsvierteln rund um den Globus. Die Kranken wollen dem ohne die Transplantation sicheren Tod entgehen, die Spender sehen im Verkauf einer Niere die Chance, ihrem sozialen Elend zu entkommen. Das große Geld damit aber machen allein die Organhändler. Ungeachtet der Tatsache, dass Organhandel in Deutschland wie in allen westlichen Ländern verboten ist und sich Spende gegen Geld und Empfang gegen Geld im Ausland abspielen, versuchte vor 25 Jahren ein Slowake, einen Organhandel im Kreis Waldshut aufzuziehen. Im Juni 1993 ermittelten Kripo und Staatsanwaltschaft gegen ihn, der einem Krankenhaus im Landkreis folgendes Angebot schriftlich vorgelegt hatte: „Verkauf von menschlichen Organen! Wir bieten Ihnen für sofortige Transplantationen menschliche Nieren an. Der Verkaufspreis ist ab 39 000 DM.“ Als Organspender sollten laut Schreiben nur „Personen bis zum 30. Lebensjahr“ infrage kommen. Die vom Krankenhaus bestellten Organe würden gemäß der Anforderung an den Adressaten gesandt. Unterschrieben war das Angebot „mit herzlichen und ehrerbietigen Grüßen“.

In Nordrhein-Westfalen hatte es einen vergleichbaren Fall zum Jahresbeginn 1993 gegeben. 50 Krankenhäusern wurden Nieren von polnischen Lebendspendern angeboten, die darin den einzigen Ausweg aus ihrer verfahrenen Situation sahen. So elend ging es einem chinesischen Schüler allerdings nicht, der vor einigen Jahren eine seiner Nieren verscherbelte. Grund: Er brauchte das Geld, um das begehrte iPhone zu kaufen.

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