Der Anschluss ihrer Gemeinden an die Schweiz wurde im November 1918 in Jestetten und Lottstetten gefordert. Seit 1840 waren die Gemeinden Zollausschlussgebiet und deshalb wirtschaftlich besser gestellt als der übrige Landesteil. Und nun herrschte seit dem am 11. November 1918 geschlossenen Waffenstillstand nach der Niederlage des deutschen Kaiserreichs ein einziges Durcheinander. In Baden löste eine provisorische Volksregierung die Monarchie des Großherzogtums ab – und noch niemand wusste, was aus der neuen Demokratie werden würde.

In diesem Schwebezustand befürchteten viele Bewohner des sogenannten Jestetter Zipfels, die Vorteile ihrer Zollfreiheit zu verlieren. Weshalb sie sich dann lieber gleich der Schweiz anschließen wollten, mit der sie bisher ihre Hauptgeschäfte abgewickelt hatten. In Lottstetten am 24. und in Jestetten am 25. November 1918 fanden Bürgerversammlungen statt, die laut Alb-Bote mit dem einstimmigen Beschluss endeten, ihre Gemeindegebiete an die Schweiz anzuschließen.

Die Zollfreiheit nutzte vor allem den Landwirten, die den Großteil ihrer Produkte in der Schweiz absetzten. Beim Gewerbe stach das Phänomen hervor, dass es wegen des zollfreien Benzins im Zollausschlussgebiet eine Vielzahl von Tankstellen gab, denn der billige Sprit war weitum gefragt. Und der Handel mit zollfrei nach Jestetten gelieferten Autos, vor allem aus US-Produktion, die in Holzkisten von der Bahn angeliefert wurden, blühte dank der Schweizer Kundschaft.

"Der Antrag, den badischen Oberklettgau an die Schweiz anzugliedern, sei vom Minister abgeschlagen worden", stand im Alb-Bote vom 21. Dezember 1918 über eine in Jestetten abgehaltene Versammlung mit Abgeordneten der provisorischen badischen Regierung zu lesen. "Dagegen erklärte sich der Minister bereit, dafür besorgt zu sein, dass der ehemalige Bezirk Jestetten in seinem jetzigen Umfang nicht ins Zollgebiet komme", hieß es weiter. Und so kam es. Der Jestetter Zipfel blieb badisch und bis 1935 Zollausschlussgebiet.