„Was ist hier wirklich?“ Das mag sich mancher Besucher fragen beim Betrachten der rätselhaften Bilder der niederländischen Künstlerin Catharina de Rijke (61). Sie zeigt derzeit ihre Werke in der Ausstellung „Was ist wirklich“ in den Schwarzenbergsälen im Schloss Tiengen. Aber ein längeres Verweilen lohnt sich. Und wer das Glück hatte, bei der Eröffnung an dem Gespräch zwischen der Künstlerin und Bernd Salfner, dem Organisator der Ausstellung, teilzunehmen, lernte sicherlich ein neues Sehen auf den zweiten Blick.

Einzelwerke in Zyklen angeordnet

Zu sehen sind meist helle, großformatige Bilder, dazu eine trachtenähnliche Stoffskulptur, auf die eine große Welle gemalt ist. Die Bilder sind in Zyklen angeordnet: „Nice To Meet You“, heißt es oder: „Waterland“, „Fukushima“ sowie „Woke Up Blind“. Manchmal sind die Farben duftig und wolkig gesetzt wie ein Aquarell, dann aber auch wieder kraftvoll und kontrastreich. Immer aber sparsam: „Ich liebe die japanische Kunst“, sagt Catharina de Rijke auf Nachfrage, „diese Kontemplation, Stille und Strenge. Meine Farben mische ich aus selbst angerührten Pigmenten, da kann ich ganz genau akzentuieren.“

"Peace now" (links) und "Manhattan" nennt Catharina de Rijke diese Bilder aus ihrem Zyklus Waterland.
"Peace now" (links) und "Manhattan" nennt Catharina de Rijke diese Bilder aus ihrem Zyklus Waterland. | Bild: Rosemarie Tillessen

Im Künstlergespräch mit Bernd Salfner ist mehr über sie zu erfahren: dass sie stark vom Wasser und dem Licht ihrer Heimat inspiriert wurde, dass sie aus einer Künstlerfamilie stammt, aber auf Wunsch der Eltern erst einmal etwas "Richtiges" lernen sollte. So studierte sie zunächst Textildesign, arbeitete aber immer schon im Atelier. Und dass sie sie sich nach einer Begegnung mit dem Nederland Dans Theater intensiv mit dem Tanz auseinandersetzte. Davon zeugt in Tiengen der Zyklus „Woke Up Blind“ mit zarten, verstrichenen Blau-grün-Tönen und dem zeichenstarken Bild „Pas De Deux“. Hier sieht man förmlich die Beine tanzen.

"Fukushima, mon amour" nennt Catharina de Rijke dieses Bild.
"Fukushima, mon amour" nennt Catharina de Rijke dieses Bild. | Bild: Rosemarie Tillessen

Auch in den anderen Bildern bleibt viel Freiraum für die Fantasie des Betrachters. „Ich sehe mich als moderne Landschaftsmalerin und möchte nicht die Realität, sondern die Poesie einer Landschaft darstellen.“ Das wird deutlich in dem eindrucksvollen Bild „Fukushima, Mon Amour“: „Auch ich hatte damals Angst. Aber beim Malen meines Fukushima-Zyklusses fragte ich mich: 'Wie kann ich mit meiner Arbeit eine bessere Welt darstellen?'“ Bernd Salfner hakte nach: „Kann man die Arbeiten als Protokolle von Gedankenreisen und Empfindungen bezeichnen? Die Künstlerin bejaht diesen Vorschlag lebhaft. Und sagt an anderer Stelle vergnügt: „In der Kunst ist es für Frauen auch heute noch sehr schwer. Aber wir sägen mit viel Lust an dem Ast, auf dem die Männer sitzen.“

Die Ausstellung im Schloss Tiengen ist noch bis Sonntag, 30. September, mittwochs bis sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.