Über eine stattliche Zuhörerzahl konnte sich Herbert Fuchs senior aus Hohentengen, der über das Leben und Wirken des Schweizer Dichters Gottfried Keller referierte, freuen. Der Geschichtsverein Hochrhein hatte zu diesem Vortrag eingeladen und der Vorsitzende Günter Hoffmann begrüßte unter den zahlreichen Gästen Valentin Egloff mit Gattin aus Kaiserstuhl, der als Repräsentant des Schweizer Kulturvereins „Pro Kaiserstuhl“ anwesend war. Sie hatten als Anschauungsmaterial für die Besucher historische Buchausgaben mit Werken Kellers mitgebracht.

Als weiteren Gast begrüßte Hoffmann Paul Klahn, der ein von ihm gebautes Model und eine Skizze der ehemaligen Burganlage Weißwasserstelz bei Hohentengen, die heute nur noch als Ruine besteht, mitgebracht hatte. Unter anderem dienten die Burgen Weißwasserstelz und Schwarzwasserstelz Gottlieb Keller in seiner Novelle „Hadlaub“ als Schauplatz für die Liebesgeschichte zwischen dem Minnesänger Johannes Hadlaub und dem schönen und tugendhaften Burgfräulein, wie die Zuhörer in einer Kurzfassung des Inhalts von Herbert Fuchs erfuhren.

Blick auf eine ungewöhnliche Künstlerlaufbahn

Gottfried Keller, geboren 1819 in Zürich, versuchte sich zunächst als Landschaftsmaler. Da er vor allem in den Sommermonaten viel Zeit in Glattfelden und Umgebung verbrachte, entstanden hier Zeichnungen und Skizzen.

Auch in seinen späteren literarischen Werken erinnern Landschaftsbeschreibungen, Dörfer, Bewohner an diese Region rund um Kaiserstuhl. Herbert Fuchs nannte ihn ein „Kind unserer Heimat“ und zitierte ein Gedicht von Keller, in welchem dieser schrieb, er fühle sich hier am Rhein gleichermaßen als Schweizer und Deutscher.

Kellers künstlerische Laufbahn nahm eine Wende, als er feststellen musste, dass ihm seine zeichnerischen Fähigkeiten keinen nachhaltigen Erfolg einbrachten, ja die Verarmung drohte. Als ihn schließlich die Stadt Zürich mit einem Stipendium unterstützte, studierte er Geschichte und Staatswissenschaft in Heidelberg. Jahre später erhielt er eine Anstellung bei der Stadt Zürich als Erster Staatsschreiber und verfügte nun über ein geregeltes Einkommen.

Obwohl politisch an den Geschehnissen seiner Zeit interessiert, spürte er seine eigentliche Berufung zum Schreiben und entdeckte vor allem seine Liebe zur Lyrik. Erste Dichtungen entstanden und weitere Erzählwerke folgten. Zu seinen bekanntesten Veröffentlichungen gehören unter anderem: „Der grüne Heinrich“, „Kleider machen Leute“, „Züricher Novellen“ und „Die Leute von Seldwylla“. Keller starb 1890 als erfolgreicher Schriftsteller. Noch heute erinnert ein Gottfried Keller Zentrum im Schweizer Glattfelden und ein Dichterweg zwischen Glattfelden und Kaiserstuhl an diese Schweizer Persönlichkeit.