Die deutsche Sprache kann begeistern – das zeigte der erste Poetry-Slam des städtischen Kulturamts in der Waldshuter Stadthalle. Über 350 Besucher erlebten am Samstagabend den „Dichterwettstreit deluxe“. Damit war die Stadthalle so voll, dass einige Gäste standen oder auf dem Boden saßen. Rund drei Stunden stand das kunstvoll und oft temporeich gesprochene Wort, ergänzt durch das gefühlvoll gesungene Wort, im Mittelpunkt.

Barbara Gerlach, Maron Fuchs, Richard König, Skog Ogvann und Artem Zolotarov, fünf mehrfach ausgezeichnete, in der Poetry-Szene bestens bekannte Dichter aus ganz Deutschland, präsentierten ihre selbstverfassten Texte. Zwischendurch stand mehrmals der hiesige Liedermacher Aljosha Konter auf der Bühne. Elias Raatz, der hinter dem Format des „Dichterwettstreits deluxe“ steht, moderierte ebenso unkonventionell wie witzig. Die sieben Akteure ließen das Publikum einen unterhaltsamen Abend erleben. Jeder der fünf Slam-Poeten zeigte mit bis aufs I-Tüpfelchen durchdachten Texten verschiedene Facetten seiner Kunst und Persönlichkeit. Mit ihren eher lyrischen oder eher prosaischen Texten gaben sie Einblicke in ihr Innenleben, ihre Ansichten und Wahrnehmungen von der Welt. Mal war dies eher lustig und komisch, mal war es ernst und hoch politisch. Die Texte amüsierten, berührten, stimmten nachdenklich, rüttelten auf und forderten teilweise zu konkretem Handeln auf. Lachen und Ernsthaftigkeit lagen nahe beieinander. Wer in dem modernen Dichterwettstreit schließlich die Nase vorn hatte, entschied das Publikum. Sieben nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Besucher hielten nach jedem Vortrag eines Slam-Poeten eine kleine Tafel mit Zahlen darauf hoch. Zehn konnte als Höchstpunktzahl vergeben werden.

Am Ende hatte Richard König aus Tübingen die Nase knapp vorn und erhielt von Elias Raatz eine Flasche Lemberger-Wein in die Hand gedrückt. Mit dem Poetry-Slam in der Waldshuter Stadthalle hat das Kulturamt Waldshut-Tiengen erfolgreich neue Wege eingeschlagen. „Es war ein Experiment, ich hätte vorher keine Prognose über den Ausgang gewagt“, sagte Kulturamtsleiterin Kerstin Simon und freute sich besonders, dass das Publikum altersmäßig bunt gemischt war.