Weihnachten ist für Gläubige ein Fest der Freude über ein Geschehen, das alles verändert: Gott schenkt der Welt seinen Sohn, als Mensch im Stall von Bethlehem wird er geboren. Viele Male wurde die frohe Weihnachtsbotschaft über die Festtage in gut gefüllten Kirchen lebendig: In Bibelworten, Predigten, Krippenspielen, festlicher Musik und im gemeinsamen Singen unserer bekannten Weihnachtslieder.

Kaum ein Weihnachtsgottesdienst in der katholischen Liebfrauenkirche und in der evangelischen Versöhnungskirche in Waldshut, in der die Freude über die Geburt Jesu nicht mit einem jubelnden „O du fröhliche“ oder einem besinnlichen „Stille Nacht, heilige Nacht“ ausgedrückt wurde. Am anschaulichsten und wie immer auch sehr berührend, stellten Krippenspiele das Weihnachtsgeschehen dar. In der Versöhnungskirche führte die Kinderkantorei das Weihnachtsmusical „Die Freude dieser Zeit“ auf, und in der Liebfrauenkirche gestaltete der Kinderchor DoReMi das Krippenspiel. Was die Geburt Jesu bedeutet, darüber sprachen die Pfarrer in ihren Predigten.

Feierliche Gottesdienste: In weihnachtlich geschmückten Kirchen feierten die Gläubigen in Waldshut die Geburt Jesu – hier ein Blick in die Christmette im Kerzenlicht in der katholischen Liebfrauenkirche mit Pfarrer Ulrich Sickinger und rund 50 Ministranten. Bild: Ursula Freudig
Feierliche Gottesdienste: In weihnachtlich geschmückten Kirchen feierten die Gläubigen in Waldshut die Geburt Jesu – hier ein Blick in die Christmette im Kerzenlicht in der katholischen Liebfrauenkirche mit Pfarrer Ulrich Sickinger und rund 50 Ministranten. | Bild: Ursula Freudig

Der katholische Pfarrer Ulrich Sickinger stellte das Menschsein Jesu in den Vordergrund: „Er kommt, ohne in eine reiche oder berühmte Familie hineingeboren zu werden, er zeigt uns, welchen Wert in uns Menschen steckt“, sagte er. Was Mensch sein und Menschlichkeit bedeuten, hätte Jesus vorgelebt: Wärme, Güte, Herzlichkeit. Sickinger forderte dazu auf, jeden Tag aufs Neue, nach diesem Menschsein und dieser Menschlichkeit zu streben.

Einfach schön: Die Krippenspiele der Kinder brachten das Weihnachtsgeschehen auf berührende Weise zum Ausdruck – das Bild zeigt die Schlussszene mit der Kinderkantorei Hochrhein in der evangelischen Versöhnungskirche in Waldshut. Bild: Ursula Freudig
Einfach schön: Die Krippenspiele der Kinder brachten das Weihnachtsgeschehen auf berührende Weise zum Ausdruck – das Bild zeigt die Schlussszene mit der Kinderkantorei Hochrhein in der evangelischen Versöhnungskirche in Waldshut. | Bild: Ursula Freudig

Dekanin Christiane Vogel von der evangelischen Kirchengemeinde sprach über die Doppeldeutigkeit des auch in der Bibel oft vorkommenden Ausdrucks „sich aufmachen“. Weihnachten sei ein Fest, bei dem man sich aufmache, um beispielsweise in die Kirche zu gehen und die Weihnachtsbotschaft zu hören. „Diese Botschaft macht aber rein gar nichts mit einem, wenn wir uns nicht aufmachen“, so die Dekanin. Sie forderte dazu auf, sich Gott nicht zu verschließen. In beiden Kirchen hatte die Musik am zweiten Weihnachtstag noch einmal große Auftritte: In der Liebfrauenkirche führte der Kirchenhor die Messe in F-Dur von Martin Vogt auf. In der Versöhnungskirche waren Clemens Losch an der Trompete und Matthias Flierl an der Orgel zu hören.

Weihnachten in Tiengen

Mit einer wohltuenden und heilsamen Predigt stimmte Kooperator Romuald Pawletta in der katholischen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Tiengen an Heiligabend die Gläubigen auf das Weihnachtfest ein. In der voll besetzten Barockkirche predigte er über „Risiken und Nebenwirkungen“. Doch nicht falsch verstehen: Die Christmette im Kerzenlicht wurde nicht von einem Pharmakonzern gesponsert, vielmehr erinnerte Pawletta die Gläubigen daran, dass es ein Medikament gäbe, das zwar nicht von Menschen hergestellt, aber doch durch menschliche Worte empfohlen und weitergegeben werde. Einige nähmen es nur Weihnachten ein, andere das ganze Jahr über. Nicht wenige gebrauchten es zur Vorbeugung, viele nur bei akuten Schmerzen. Bei manchen bewirke es geradezu Wunder, bei anderen scheine es überhaupt nicht anzuschlagen. 

Das Wort „Medikament“ kommt aus dem Lateinischen. Es heißt auf Deutsch einfach Heilmittel. Und dieses Heilmittel, auf das der Pfarrer anspielte, ist das Neue Testament. „Die Evangelien erzählen davon, dass der Lebensweg kein Spaziergang ist, aber sie geben uns Hoffnung, wenn wir Widerstände überwinden müssen“, erinnerte er die Gläubigen an die regelmäßige Einnahme einer Dosis.

Der Pfarrer pries die Wirksamkeit dieser Arznei: „Sie enthält Menschenliebe, Freundlichkeit, Glaube und Hoffnung. Ohne diese Heilmittel können wir gar nicht leben.“ Sein Rezept: „Bleiben Sie in Kontakt mit ihrem Arzt, bleiben Sie wachsam, verschließen Sie die Augen nicht, leben Sie gradlinig.“ Die Risiken und Nebenwirkungen seien bei einem solch intensiv wirkenden Heilmittel enorm. Wahrscheinlich ein Grund, warum nicht wenige dieses Medikament nur in ganz akuten Fällen und geringer Dosierung einnähmen und dann schnell wieder absetzten. Eine dauerhafte Verabreichung von Gottes Gnade, Freundlichkeit und Menschenliebe könne das Risiko und die Nebenwirkung haben, dass die Gläubigen selbst etwas gütiger, freundlicher und barmherziger werden.

Von einem Weihnachtsgottesdienst der evangelischen Christen in Tiengen werden wir noch berichten.