Was war das denn nun eigentlich – ein Klavierabend, eine Lesung oder Kabarett? Die Kabarettistin Anne Folger (41) aus Hinterzarten – mit Lockenmähne, hellblauem Kleid und weißen Stiefeln – mischte das jetzt am vierten Abend des diesjährigen Kabarettherbstes mit ihrem neuen Soloprogramm „Selbstläufer“ herzhaft durcheinander. Denn die studierte Pianistin mit Schauspielausbildung will nicht nur reproduzieren sondern kreativ sein: „Mein Hauptarbeitsgerät ist der Flügel, aber ich will auch selber laufen!“, gesteht sie freimütig.

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Und die rund 70 Besucher in der Waldshuter Stadthalle staunen über die Vollblutpianistin, die mit viel Witz, Charme und Situationskomik die Musik und ihren Alltag parodiert: „Werktreue war gestern“, meint sie strahlend und plaudert sich warm. Mal in Sächsisch – sie ist in Weimar aufgewachsen – mal in Rheinisch oder Alemannisch. Und wundert sich, dass eine so kleine Stadt wie Waldshut-Tiengen gleich zwei Stadthallen hat: Vor einer hatte sie nachmittags vergeblich gewartet.

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Sprunghaft wechselt sie zwischen Plauderei und Musik. Dass sie das Klavier perfekt beherrscht, demonstriert sie dann mit jedem Tastenschlag, etwa mit Musikbeispielen von Franz Liszt, Claude Debussy oder einer Begegnung von Johann Sebastian Bach mit den Beatles. Doch das tut sie frech und respektlos, indem sie kürzt, improvisiert oder Werbespots einfügt. Auch Mozarts Türkischer Tanz wird gekürzt: „Da kann man einiges einsparen – etwa die Halbtöne, die Vorzeichen oder gleich die ganze linke Hand. Das ergibt dann dieses Basispaket!“ Das ist aberwitzig und brillant, und schließlich spart sie auch noch die Scheinwerfer der Bühne ein und spielt im Dunkeln. Alles auswendig, auch die unterschiedlichsten Variationen.

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Dann liest sie aber auch kleine biographische Texte aus ihrer Kindheit in der DDR, über die Konkurrenz mit ihrer Schwester und warum sie schließlich aus ihrem Internat flog. Oder sie albert über unfreiwillig mitgehörte Telefongespräche im ICE, ihren knarzenden Klavierhocker oder ein quietschendes Pedal. Doch Schwerpunkt bleibt das Piano: Bitterböse ihr Eigensong „Aida“, mit dem sie mit Verdi-Musik den Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff parodiert. Dieser schnelle Wechsel von komischer Plauderei und brillanten Klaviereinlagen kommt an. Viel Beifall!

Die nächste Kabarett-Veranstaltung findet am 7. November im evangelischen Gemeindehaus in Tiengen mit Peter Spielbauer und seinem Programm „DunkHell“ statt (20 Uhr).