Willkommen im Altweibersommer. Der heißt nicht deshalb so, weil jetzt überall vom Sonnenbad geschädigte Frauen mit drastischer Hautalterung das Straßenbild bestimmen. Vielmehr geht der Begriff auf das althochdeutsche „weiben“ zurück, womit das Knüpfen von Spinnfäden gemeint ist. Und deren Silbergrau soll an das ergraute Haar alter Frauen erinnern.

Wer nun glaubt, wegen der vermeintlich frauen-feindliche Attitüde an die Decke gehen zu müssen, der/dem sei gesagt: Gaaanz ruhig – denn alte Männer haben eben nie graue, sondern meist überhaupt keine Haare mehr.

Dass auch im Waldshuter Freibad der Altweibersommer angebrochen ist, merkt man zum einen an den stark gesunkenen Badegast-Zahlen. Und als aufmerksamer Badbesucher auch daran, dass an einem der fünf seitlichen Einstiege ins Schwimmerbecken tatsächlich Spinnen ganz ungestört ihre feinen Fäden quer zwischen den Haltestangen spinnen konnten.

Während also Xysticus Audax, Weberknecht und die Gemeine Tapezierspinne fröhliche Urständ feiern, wird der Waldshuter Schwimmmeister jäh in die Gattung „Männer auf einsamem Posten“ katapultiert.

Etwa am vergangenen Dienstag: Bei meiner Ankunft um 17.45 Uhr sind die beiden großen Becken menschenleer – trotz herrlichen Sonnenscheins. Der Schwimmmeister werkelte als Solist am Beckenrand herum. Super: ein Freibad quasi für mich allein! Das Wasser verdient mit 19 Grad endlich wieder das Prädikat "erfrischend". Sehr schön: Denn so stehen auch nach 20 geschwommenen Bahnen keine Schweißperlen auf meiner Stirn. Das habe ich in diesem Sommer bei bis zu 26 Grad Wassertemperatur leider viel zu selten erlebt.

Bevor jetzt aber OB Frank und die Rats-Fraktion der Freibad-Dichtmacher glauben, ihr Halali auf die Waldshuter Freibad-Schließung anstimmen zu müssen, sei folgender Hinweis gestattet:

Wahr ist, dass am Dienstag nur 80 Badegäste das Freibad aufgesucht haben (am Mittwoch waren es immerhin schon wieder 240). Unwahr ist, dass auch dem Gemeinderat das Aus droht, weil er bei seinen Sitzungen von 80 Besuchern nur träumen kann...