Die junge, erfolgreiche Anni arbeitet in Düsseldorf bei einer Firma, die Werbefilme für die Industrie herstellt. Doch jetzt hat sie den kleinen, zehn Monate alten Sohn Theodor. "Kinder halten einen auf Trab", meint sie und sucht über eine Agentur eine Babysitterin. So beginnt die Komödie "Anni, Bettie usw." des französischen Autors Alan Rosset. Sie wurde jetzt von Christine Müller (bekannt aus der Waldshuter Sommerbar) inszeniert. Es ist erstmalig eine reine Frauenproduktion des Freien Hochrhein-Schauspiels Waldshut-Tiengen, wie die Regisseurin bei der Premiere im Tiengener Schlosskeller vergnügt ankündigte (Technik Jasmin Schweizer). Einzig der Autor und der Mann an der Kasse waren diesmal Männer, und auch unter den rund 50 Besuchern waren mehr Frauen.

Turbulentes Bühnengeschehen

Die beiden Schauspielerinnen sind Désirée Leers und Alina Sandrock vom Freien Hochrhein Schauspiel. Doch sie schlüpfen an diesem Abend so ziemlich in alle möglichen Frauenrollen – sind Kind, Mutter, Ehefrau, Geliebte und Großmutter. Das turbulente Bühnengeschehen findet zwischen Stellwänden und Kisten statt, die immer wieder verschoben und sparsam umdekoriert werden. Zur Handlung: Das ersehnte Kindermädchen Bettie (Désirée Leers) stellt sich bei Anni (Alina Sandrock) vor und entspricht so gar nicht Annis Vorstellungen: schrill, distanzlos, frech und Kaugummi kauend.

Anni (Alina Sandrock, links) und Kindermädchen Beryl (Désirée Leers) in der Komödie "Anni, Bettie, usw." von Alan Rosset.
Anni (Alina Sandrock, links) und Kindermädchen Beryl (Désirée Leers) in der Komödie "Anni, Bettie, usw." von Alan Rosset. | Bild: Rosemarie Tillessen

Aber sie ist von sich überzeugt: "Sie haben einen Supergriff getan!" Die gutwillige Anni vertraut ihr, aber alles geht schief: Bettie verwirklicht sich selber, lässt das Baby gefahrvoll allein – und wird von der entsetzten Anni entlassen. Neue Suche, neues Glück: Das Kindermädchen Beryl erscheint: eine strenge, herrische Frau, die häkelt und für die Kinder Monster sind. Doch die freundliche Anni versucht sie zu integrieren, bis Beryl beim Tischtennisspielen heftig den Hausherrn beflirtet. Wieder Entlassung – doch es kommt immer schlimmer...

Amüsanter Schluss

Mehr soll hier nicht verraten werden, auch nicht der höchst amüsante Schluss. Für die beiden Schauspielerinnen sind das Traumrollen. Alle Klischees vom Frausein werden von ihnen durchgespielt. Doch warum oft so übertrieben, so absurd schrill? Weniger wäre vor allem vor der Pause mehr gewesen. Regisseurin Christine Müller erklärt ihren Ansatz: "Ich habe die Spiegelung heraus gearbeitet. Wir Frauen suchen alle unsere Rolle und haben alle die gleichen Ängste!"" Ein mutiger Versuch!

Weitere Aufführungen: Am 25. und 26. Januar im Schlosskeller Tiengen, am 8., 9., 14. und 15. Februar in der Stadtscheuer Waldshut, jeweils um 20 Uhr.