Mit dem Handy machen sich zwei Redakteurinnen auf den Weg durch die Tiengener Innenstadt. Sie starten auf dem Parkplatz am Sulzerring, wo gegenüber das Friseurgeschäft Headline frei zugängliches WLAN über die Initiative Freifunk Dreiländereck anbietet. Das Signal reicht etwa bis zum Café Oberle in der oberen Hauptstraße. Auch dort gibt es freies Internet, allerdings nur für Kunden. Wer sich aber einmal dort mit Passwort eingeloggt hat, kann das Internet jederzeit nutzen. Michaela Oberle: „Wir bieten unseren Kunden seit etwa zwei Jahren freies WLAN an. Viele Gäste nutzen dieses Angebot auch.“

Schräg gegenüber dem Café bietet die Volksbank Hochrhein freies Internet (VBH Hotspot) – nicht nur für Kunden. Für drei Stunden können Passanten im Umkreis der Bank kostenlos im Internet surfen. „Das offene WLAN-Netz haben wir vor rund drei Jahren in erster Linie für unsere Kunden eingerichtet“, sagt Clemens Kirchherr, Prokurist und Bereichsleiter bei der Volksbank Hochrhein. Zum einen, um den Kunden die Wartezeit auf einen freien Schalter oder auf einen Banktermin zu verkürzen, und zum anderen, um Kunden die Online-Banking-App auf deren Smartphones oder Tablets direkt vor Ort einrichten zu können.

Ein Passwort zum Hotspot ist bei der Volksbank nicht notwendig. „Sie müssen nur die AGBs bestätigen, dann sind Sie drin“, sagt Kirchherr. Durch die Zustimmung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen ist das Kreditinstitut bei illegaler Nutzung nicht haftbar.

Die Volksbank Hochrhein bietet an allen Filialen kostenloses WLAN an. Prokurist Clemens Kirchherr zeigt an seinem Tablet den Zugang zum Hotspot.
Die Volksbank Hochrhein bietet an allen Filialen kostenloses WLAN an. Prokurist Clemens Kirchherr zeigt an seinem Tablet den Zugang zum Hotspot. | Bild: Juliane Schlichter

Zu viele Nutzer schwächen das Netz

Wer weiter die Hauptstraße in Richtung Marienbrunnen entlang läuft, bekommt auf seinem mobilen Endgerät mehrere WLAN-Netzwerke angezeigt – Café Chocolat, Modegeschäft Angelique, Kaffeestüble, Freifunk und Telekom-Hotspot, wobei dieser nur für Telekom-Kunden nutzbar ist, die sich dort mit ihren Daten anmelden können. Das WLAN des Kaffeestübles im Weingeschäft ist frei für jeden zugänglich, beim Café Chocolat müssen Gäste nach dem Passwort fragen.

Andrea Tröndle-Leuro, Tochter der Inhaberin, ist allerdings nicht zufrieden mit dem WLAN. „Meistens funktioniert es bei uns nicht oder die Verbindung ist sehr schwach. Sobald sich zu viele Leute einloggen, bricht alles zusammen.“ Das bestätigt auch Toni Villano, die als Gast im Café sitzt und aus dem schweizerischen Bad Zurzach kommt. „In der Schweiz gibt es überall öffentliches WLAN, egal ob in öffentlichen Gebäuden oder sogar auf der Autobahn. Hier in Deutschland ist der Ausbau noch nicht sehr weit voran geschritten.“ Allerdings besteht in der Schweiz eine Registrierungspflicht für öffentliches WLAN.

Im Café Chocolat in der Hauptstraße funktioniert das WLAN-Netz oft nur sporadisch, sagen Kundin Toni Villano aus Bad Zurzach und Andrea Tröndle-Leuro, Tochter der Café-Inhaberin.
Im Café Chocolat in der Hauptstraße funktioniert das WLAN-Netz oft nur sporadisch, sagen Kundin Toni Villano aus Bad Zurzach und Andrea Tröndle-Leuro, Tochter der Café-Inhaberin. | Bild: Juliane Schlichter

Zurück auf der Hauptstraße werden weitere Hotspots auf den Handys sichtbar: Jürgens Schuhe, Kaufhaus May und Café Zwischen. Doch das Internet des Cafés ist nur für die eigenen Mitarbeiter, informiert Daniel Philipp, Leiter des Cafés Zwischen, das zur Caritas gehört. „Unsere Kunden können das WLAN vom Rathaus nutzen, das frei zugänglich ist.“

Das Netzwerk Freifunk Dreiländereck ist das stärkste Netz in der Innenstadt. Der Hotspot befindet sich im Rathaus. Der Empfang reicht etwa vom Edeka Markt bis zum Marienbrunnen. Allerdings wird das freie WLAN zwischen 20 und 5 Uhr abgeschaltet. Grund waren zu viele Nachtschwärmer, die auf der Straße das WLAN nutzten.

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Norbert Bodmer, bei der Stadt Waldshut-Tiengen zuständig für die EDV: „Es gab Beschwerden aus der Bevölkerung über Störungen in den Abendstunden in diesem Bereich.“ Derzeit gibt es vier weitere städtische Freifunk Hotspots in der Stadt: in der Bibliothek, im Stadtbauamt, beim Jugendzentrum sowie in der Stadthalle. Weitere Hotspots seien derzeit nicht geplant. Die Verbindungen in der Stadt seien stabil, jedoch sinke die Geschwindigkeit, je mehr Nutzer eingeloggt sind, erklärt Bodmer.

Auch bei May Fashion gibt es seit 2015 freies WLAN für die Kunden. Thomas Muschenich, Geschäftsführer: „Bisher hat meines Wissens noch kein Kunde danach gefragt.“ So sieht es auch in der Storchenapotheke aus. Inhaber Michael Bernstein: „Bei uns hat sich bisher noch kein Kunde danach erkundigt.“

Thomas Muschenich, Geschäftsführer von May Fashion, und Mitarbeiterin Natalja Karakassekov bieten WLAN für ihre Kunden an, nachgefragt werde es jedoch nicht.
Thomas Muschenich, Geschäftsführer von May Fashion, und Mitarbeiterin Natalja Karakassekov bieten WLAN für ihre Kunden an, nachgefragt werde es jedoch nicht. | Bild: Juliane Schlichter

Beim Gang durch Tiengen haben die Handys der beiden Redakteurinnen unterschiedlich schnell die Netzwerke angezeigt bekommen. Manchmal mussten sie einige Zeit stehen bleiben, damit diese sichtbar werden. Außerdem wurden nicht alle Netzwerke nach den jeweiligen Geschäften benannt, sondern es blieb bei den voreingestellten Namen des jeweiligen Anbieters. Erst beim Nachfragen in den Geschäften ergab sich, welches Netz dem jeweiligen Geschäft zugeordnet werden kann. Der kurioseste Namen der Netzwerke lautete im Testversuch übrigens „BND_Ueberwachungseinheit“.

Das Fazit

Wer durch die Tiengener Fußgängerzone läuft, kann vom Parkplatz am Sulzerring bis zum Ende der Fußgängerzone fast durchgängig freies WLAN nutzen – allerdings oft nur mit Passwort. Die Verbindung war im Selbstversuch relativ stabil, sodass das Internet auch wirklich genutzt werden konnte.

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