Nach Recherchen benötigt der Rettungswagen für die Fahrt nach Rickenbach bis zu 15 Minuten, nach Herrischried bis zu 20 Minuten, nach Görwihl bis zu 23 und nach Todtmoos noch eine halbe Minute länger. Es sollten aber nicht mehr als zehn Minuten sein. Rechnerisch erreiche der Notarzt Rickenbach in nur einem von zehn Fällen innerhalb der medizinisch erwünschten Eintreffzeit, heißt es nach Angaben des Südwestrundfunks. Todtmoos noch seltener, Görwihl und Herrischried praktisch nie.

Diskussion um notwendige Korrekturen

Die kritische Lage hat am Hochrhein nun zu einer Diskussion über notwendige Korrekturen geführt. Um die Hilfsfristen einhalten zu können, müsste die Zahl der Notarzt-Standorte von derzeit sechs auf elf fast verdoppelt werden, sagt Axel Frank, Leitender Oberarzt in Waldshut. Das sei vollkommen unrealistisch. „Es ist praktisch unbezahlbar. Außerdem tun wir uns schon jetzt dramatisch schwer, für die bestehenden Rettungswachen und Notarzt-Standorte genügend Personal zu finden.“

Zur Debatte steht aber auch ein zusätzlicher Rettungshubschrauber in Hütten bei Rickenbach. Der Rettungsflieger könnte nach Ansicht Franks und des Säckinger DRK-Kreisvorsitzenden Peter Hofmeister, die beide Mitglieder im Bereichsausschuss für den Rettungsdienst sind, den Notarzt schnell zu jenen „weißen Flecken“ bringen, die mit Fahrzeugen derzeit kaum oder nie innerhalb der Hilfsfrist zu erreichen seien. Ein solcher Hubschrauber würde zudem die Rettungsfahrzeuge im Landkreis entlasten. Frank macht deutlich, dass Hütten zwar nicht der geeignetste Standort für die Stationierung eines Rettungshubschraubers wäre, aber derzeit der einzige, wo dies aufgrund der vorliegenden luftrechtlichen Genehmigung schnell umzusetzen wäre. Unterstützung kommt auch von der Björn-Steiger-Stiftung und dem Waldshuter Landrat Martin Kistler.

Doch eine solche Investition ist auch umstritten. „Es gibt kaum eine Ecke in Deutschland, die besser mit Rettungshubschraubern versorgt ist als wir hier“, sagt Ulrich Grote. Er muss es eigentlich wissen. Der 70-Jährige kann auf bald vier Jahrzehnte Erfahrung als Notarzt zurückblicken. Seit 1978 leistet er ärztliche Hilfe in medizinischen Notfällen. Während der 90er-Jahre und erneut seit 2013 vom Notarzt-Standort Bad Säckingen aus, wo Grote und seine Kollegen 24 Stunden am Tag in Bereitschaft sind.

Hilfe aus der Schweiz

„Ich als Notarzt hatte bei Hubschraubern noch nie Probleme mit zu langen Wartezeiten“, erklärt Grote. Bei Notfällen im Landkreis Waldshut bringen Rettungshelikopter verschiedener Organisationen Hilfe aus der Luft: die deutsche DRF von Freiburg und Villingen-Schwenningen aus sowie aus der Schweiz die Rega von Basel und Zürich, die AAA von Birrfeld aus. Die Stationierung eines weiteren Hubschraubers bei Hütten, wie ihn die Björn-Steiger-Stiftung anstrebt, hält Grote deshalb nicht für nötig.

Zurückhaltend reagiert auch das Stuttgarter Innenministerium. Aufgrund der „topografisch schwierigen Lage“ habe das Ministerium schon 2014 geregelt, dass der Rettungshubschrauber der Alpine Air Ambulance im schweizerischen Birrfeld eingesetzt werden kann, heißt es in einem Papier, das dieser Zeitung vorliegt. Damit gewährleiste die Luftrettung „eine komplette Abdeckung mit teilweise zwei- bis dreifacher Überlappung“, heißt es weiter. Hinzu kommen die Rettungswagen aus Waldshut, Bad Säckingen, Dettighofen, Stühlingen und St. Blasien. Von den am Hochrhein verfügbaren fünf Hubschraubern seien vier nachtflugfähig. Das Innenministerium räumt jedoch ein, dass es weiteren Verbesserungsbedarf gibt, zumal nach der Schließung des Spitals in Bad Säckingen. Zwar habe sich die Einhaltung der Hilfsfristen im Kreis von 81 Prozent der vorgegebenen Zeit auf 86 Prozent statistisch erhöht. Ziel sei es aber, den Rettungsdienst weiter auszubauen.

Ein wenig Hoffnung auf die Stationierung eines Rettungs-Helis macht dennoch die Antwort von Staatssekretär Martin Jäger an den Bundestagsabgeordneten Felix Schreiner und die Landtagsabgeordnete Sabine Hartmann-Müller (beide CDU). Martin Jäger habe deutlich gemacht, dass das Innenministerium die Luftrettung landesweit verstärkt ausbauen möchte, um lange Transportstrecken von der Einsatzstelle zum Krankenhaus schnell zu überwinden, teilten die Abgeordneten mit. Dabei werde das Ministerium auch die nach der Schließung des Spitals Bad Säckingen veränderte Krankenhausstruktur im Landkreis berücksichtigen, hieß es. Dringenden Handlungsbedarf sehe das Ministerium in einer besseren Vernetzung der Leitstellen, um eine GPS-gestützte Disposition der einzelnen Hubschrauber zu ermöglichen, betonen die Abgeordneten.

 

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