Waldshut-Tiengen Stolperstein erinnert an Willy Aufrichtig

In Erinnerung an den ermordeten Juden Willy Aufrichtig wurde in der Kaiserstraße 22 ein Stolperstein verlegt. Die Patenschaft für den Stolperstein hat der ehemalige Waldshut-Tiengener OB Martin Albers die Patenschaft übernommen, bei der Verlegung waren auch Verwandte des Ermordeten anwesend

Der 36. Stolperstein in Waldshut-Tiengen wurde gestern vor dem Haus Nummer 22 in der Waldshuter Kaiserstraße verlegt. Willy Aufrichtig, der wahrscheinlich leicht geistig behindert war, lebte dort im Kreis der Familie seines Bruders Siegfried, der ein Herrenbekleidungsgeschäft betrieb. Im Juni 1942 wurde Willy Aufrichtig in Sobibor von den Nationalsozialisten ermordet. Sein Stolperstein liegt neben dem seines Bruders, dessen Frau und deren Sohn, die damals noch rechtzeitig in die Schweiz fliehen konnten. Willy Aufrichtig hatte aufgrund seiner Behinderung nicht einreisen dürfen.

Stolpersteinverlegung in der Kaiserstraße: Shulamit Spain-Gayer (rechts), Verwandte von Willy Aufrichtig, schildert das Leben des Ermordeten, Martin Albers hält als Pate den Stolperstein in den Händen, der gleich ins Trottoir eingelassen wird. Ursula Freudig
Stolpersteinverlegung in der Kaiserstraße: Shulamit Spain-Gayer (rechts), Verwandte von Willy Aufrichtig, schildert das Leben des Ermordeten, Martin Albers hält als Pate den Stolperstein in den Händen, der gleich ins Trottoir eingelassen wird. Ursula Freudig | Bild: Ursula Freudig

Eine größere Gruppe von rund 40 Personen war zu der Verlegung gekommen, unter ihnen waren mit Shulamit Spain-Gayer und ihrem Mann Philip aus Schottland sowie mit Arthur Braunschweig aus Zürich, auch Verwandte von Willy Aufrichtig. "Für mich hat der Stein etwas tief Symbolisches, er zeigt, wie einsam und verlassen Willy seinen letzten Weg ging", sagte Shulamit Spain-Gayer. Soweit es bekannt ist, schilderte sie das Leben von Willy Aufrichtig. Sie, ihr Mann und Arthur Braunschweig sprachen in hebräischer Sprache Auszüge aus Gebeten, die im Judentum bei der Grabsteinlegung gesprochen werden. Danach ließ Josef Strittmatter vom Baubetriebshof den Stolperstein in das Trottoir ein.

Josef Strittmatter vom städtischen Baubetriebshof verankert den Stolperstein für Willy Aufrichtig im Trottoir.
Josef Strittmatter vom städtischen Baubetriebshof verankert den Stolperstein für Willy Aufrichtig im Trottoir. | Bild: Ursula Freudig

Pate für den Stolperstein ist der frühere OB Martin Albers. "Jeder Stolperstein ist ein Mahnmal gegen das Vergessen, jedes rekonstruierte Lebensbild eines Opfers des nationalsozialistischen Wahns ein Stück Widerstand", zitierte ihn Martina Bucher-Nezirovic vom Freundeskreis Jüdisches Leben aus einer früheren Rede. OB Philipp Frank hob in seiner kurzen Ansprache die Bedeutung von Mahnmalen und Symbolen hervor, die an diese Zeit erinnern und dankte dem Freundeskreis Jüdisches Leben. "Ohne ihn gäbe es keine Stolpersteine in Waldshut-Tiengen", sagte Frank. Dem Freundeskreis sind weitere Opfer des Nationalsozialismus bekannt, auch in Waldshut. Er will sich aber in nächster Zeit erst einmal verstärkt auf ein weiteres Projekt konzentrieren, das ihm sehr am Herzen liegt: Die Weiterführung des Jüdischen Kulturwegs.

Der frisch verlegte Stolperstein für Willy Aufrichtig, daneben weitere, die bereits früher für Familienmitglieder verlegt wurden.
Der frisch verlegte Stolperstein für Willy Aufrichtig, daneben weitere, die bereits früher für Familienmitglieder verlegt wurden. | Bild: Ursula Freudig


Das Projekt Stolpersteine

Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Anfang der 90er Jahre Initiator des Stolperstein-Projekts zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus und gegen das Vergessen. Pflastersteine mit Messinggedenktafeln werden vor denjenigen Häusern ins Trottoir eingearbeitet, in denen die darauf genannten Opfer ihren letzten freigewählten Wohnsitz hatten. Mittlerweile sind die Stolpersteine das größte dezentrale Mahnmal der Welt. In rund 1100 Orten in Deutschland und in 1600 Orten in rund 20 Ländern Europas liegen bislang etwa 57 000 Stolpersteine. Der Freundeskreises Jüdisches Leben in Tiengen hat das Projekt nach Waldshut-Tiengen geholt, 2012 wurden die ersten Stolpersteine verlegt. Erst kürzlich wurde auch in Nöggenschwiel, Dogern und Unteralpfen je ein Stolperstein für dort tätige Pfarrer verlegt. Ein Stolperstein mit Verlegung kostet 120 Euro. Finanziert werden sie durch Paten.

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