Das Ali-Theater am Marktplatz von Tiengen ist nicht länger Spielstätte für Veranstaltungen des städtischen Kulturamts. Dessen Leiter Hartmut Schölch bestätigte auf Anfrage dieser Zeitung, dass die Stadt die Zusammenarbeit mit dem Betreiber Peter Toifl „auf Eis gelegt hat“. Anlass sind Beanstandungen am Zustand der Räumlichkeiten. Vorerst wird es in dem einstigen Kino lediglich Veranstaltungen geben, die vom Betreiber selbst oder von anderen privaten Veranstaltern beziehungsweise Künstlern organisiert werden.

  1. Was sagt das Kulturamt? „Für die Durchführung von kulturellen Veranstaltungen benötigen wir, was die räumliche Situation anbelangt, in der Regel einen gewissen Mindeststandard an Voraussetzungen. Dieser Standard ist derzeit nicht gegeben.“ Dies erklärte Kulturamtsleiter Hartmut Schölch, der zum 1. Juli nach Salzgitter wechselt.
  2. Seit wann gibt es Kleinkunst, Musik und Theater im Ali? Im April 2004 war in dem früheren Kino am Marktplatz der letzte Film gezeigt worden. Danach etablierte die Amateurtheatertruppe um Daniel Leers das Haus als Kulturspielort und führte es ehrenamtlich rund zehn Jahre lang auch in Zusammenarbeit mit der Stadt. Konflikte im Betrieb sind während dieser Zeit nicht zutage getreten. Zum Januar 2015 übernahm der aus Österreich stammende Peter Toifl zusammen mit der Waldshut-Tiengenerin Alina Sandrock als Mieter das Haus in der Absicht, daraus eine kommerziell geführte Kulturbühne zu machen. Doch auch drei Jahre später sind die damals angekündigten Pläne nicht realisiert: Weder gibt es einen täglichen Betrieb, noch eine Gastronomie.
  3. Welche Rolle spielte die Stadt für das Haus? Eine feste Größe bei der Belegung waren bisher die Veranstaltungen des städtischen Kulturamts. Allein für die Saison 2017/2018 waren in diesem Rahmen 20 Anlässe im Ali-Theater geplant, darunter so bekannte Reihen wie der komplette Kabarett-Herbst und die Weltmusik-Konzerte des World-Town-Festivals.
  4. Was war der Auslöser für den Schritt der Stadt? Im wörtlichen Sinne der letzte Tropfen, der laut Kulturamtsleiter Schölch das „Fass zum Überlaufen“ brachte, war im Frühjahr ein Wasserrohrbruch, in dessen Folge das Theater erst einmal nicht bespielbar gewesen sei. Die Kommunikation des Betreibers dazu sei „sehr schleppend bzw. überhaupt nicht vorhanden gewesen“, so Schölch. Zuerst eine für 11. April angesetzte Konzertveranstaltung des Kulturamts und danach alle weiteren Termine, die von der Stadt noch im Ali-Theater gebucht waren, wurden in andere Räume verlegt.
Der Kabarett-Herbst, hier die Schweizer Clown-Komödiantin Gardi Hutter beim Finale der letztjährigen Reihe, wird vorerst nicht mehr im Ali-Theater Tiengen über die Bühne gehen.
Der Kabarett-Herbst, hier die Schweizer Clown-Komödiantin Gardi Hutter beim Finale der letztjährigen Reihe, wird vorerst nicht mehr im Ali-Theater Tiengen über die Bühne gehen. | Bild: Rosemarie Tillessen
  1. Wo finden nun die städtischen Veranstaltungen statt? Alternative Standorte sind etwa, je nach Art der Veranstaltung, der Schlosskeller Tiengen sowie in Waldshut die Stadtscheuer, der Katholische Gemeindesaal und nach Abschluss der Sanierung im September die Stadthalle.
  2. Wie steht es mit der bisherigen Förderung durch die Stadt? Die Stadt hat nicht nur die Nutzung des Saals vorerst beendet. Gestrichen wurden auch die Zuschüsse, die dem Betreiber bisher im Rahmen des kommunalen Kulturförderkonzepts gewährt wurden. Laut Hartmut Schölch waren dies jährlich 10 000 Euro, insgesamt bisher 30 000 Euro. Eine Grundlage für die ideelle Förderung, über die der Gemeinderat zu entscheiden hat, sieht die Stadt beim Ali-Theater laut Auskunft von Schölch gegenwärtig nicht als gegeben an.
  3. Was sagt der Betreiber? Peter Toifl erklärte auf Anfrage dieser Zeitung, dass er zum Zeitpunkt des Wasserschadens schwer erkrankt gewesen sei, meint im Hinblick auf die damalige Raumsituation aber auch: „Wir hatten drei Veranstaltungen, die wunderbar funktioniert haben.“ Die Kritik aus dem Kulturamt an den örtlichen Gegebenheiten will der 62-Jährige nicht nachvollziehen: „Seit nun elf Jahren ist die Situation die gleiche, da hatte sich im Hause nichts verändert.“
Auch das World-Town-Festival, hier die Folk-Formation Goitse, ist im Tiengener Ali-Theater vorerst Vergangenheit.
Auch das World-Town-Festival, hier die Folk-Formation Goitse, ist im Tiengener Ali-Theater vorerst Vergangenheit. | Bild: Claus Bingold
  1. Wie hat sich die Situation für das Publikum bemerkbar gemacht? Einzelheiten zu Beanstandungen beim Ali-Betrieb, abgesehen von dem Wasser-Dilemma im Frühjahr, nannte Kulturamtsleiter Schölch nicht. Nach Informationen dieser Zeitung gab es beispielsweise Probleme, weil Besucher wiederholt vor verschlossenen Türen standen, nachdem Veranstaltungen kurzfristig und ohne rechtzeitige Information der Öffentlichkeit storniert wurden. Peter Toifl bestreitet gegenüber dieser Zeitung nicht, dass es solche Vorfälle gegeben hat: „Das tut mir leid.“
  2. Wie steht es um die Zukunft des Ali-Betriebs? Die städtischen Zuschüsse seien nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“ gewesen, sagt Peter Toifl. Und die vom Kulturamt gezahlte Saalmiete, nach seiner Auskunft jeweils 500 Euro, sei nicht kostendeckend gewesen. In Zukunft werde der Betrieb „wahrscheinlich rentabler“, lautet sogar seine Prognose. Im Spielplan, einzusehen im Internet (www.ali-theater.de), sind derzeit bis Jahresende 13 fest gebuchte Veranstaltungen verzeichnet, überwiegend mit Musik und Kabarett. Dass der Ali-Umbau mit Einrichtung eines Gastronomiebetriebs bisher nicht wie angekündigt vorankam, erklärt Toifl mit dem krankheitsbedingten Ausfall eines Sponsors. Inzwischen sei jedoch ein neuer Mäzen gefunden. Toifl, der nach der privaten wie geschäftlichen Trennung von der bisherigen Partnerin Alina Sandrock das Ali-Theater allein führt: “Es geht schon weiter.“ Kulturamtsleiter Schölch zeigt sich „zuversichtlich, dass sich auf lange Sicht die Verhältnisse bessern werden und die Räumlichkeiten vom Kulturamt wieder bespielt werden können“.