Die Stadt Waldshut-Tiengen tritt der geplanten Waldgenossenschaft Südschwarzwald bei. Das beschloss der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung. Das Votum fiel aber nicht einstimmig aus. Ein Grund hierfür war, dass Harald Würtenberger, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Gemeinderat, selbst ein Alternativangebot vorgelegt hatte. Er betreibt das Ingenieurbüro Forst-Service Würtenberger. Die Rats-Mehrheit folgte nach intensiver Diskussion letztlich aber doch dem Vorschlag der Verwaltung, den Verkauf und die Verwertung von Holz aus dem Stadtwald künftig von der neuen Genossenschaft abwickeln zu lassen. Hierzu ist eine Einlage von 2000 Euro notwendig. Bislang erfolgte der Holzverkauf über die Holzverkaufsstelle des Landkreises.

Die Gründung der Waldgenossenschaft Südschwarzwald wird notwendig, da der bisherige Holzverkauf kartellrechtlich nicht mehr möglich ist. Deshalb, so Helge von Gilsa, Leiter des Kreisforstamtes, stehe das Forstwesen in Baden-Württemberg vor dem größten Umbruch seit 200 Jahren. Auslöser seien Kartellverfahren gegen das Land Baden-Württemberg sowie die Änderung des Bundeswaldgesetzes. Das führe dazu, dass das bisherige Einheitsforstamt mit seiner Aufgabenwahrnehmung (unter anderem Beratung und Betreuung aller Waldbesitzarten inklusive Holzverkauf) nicht mehr weiter bestehen werde.

Um den Holzverkauf im Landkreis neu zu ordnen, soll die Waldgenossenschaft Südschwarzwald auf den Weg gebracht werden. Sie soll noch in diesem Jahr gegründet werden und bereits am 1. Januar 2018 ihre Arbeit aufnehmen. Mitglied können alle 32 Gemeinden des Landkreises sowie die 13 Forstbetriebsgemeinschaften werden. In letzterer sind in der Regel Privatwaldbesitzer zusammengeschlossen, aktuell etwa 18 000. Ziel der Genossenschaft sei es, so von Gilsa, allen Waldbesitzern einen professionellen Holzverkauf mit guten Erträgen zu bieten. Durch die starke Marktposition könnten auch gute Preise erzielt werden.

Die Stadt Waldshut-Tiengen, wie jedes andere Mitglied auch, kann, muss aber nicht alles Holz über die Genossenschaft vermarkten. Ein Punkt, der einigen Stadträten wichtig war. Auch besteht die Möglichkeit, jederzeit auszutreten. Einen weiteren Vorteil der Waldgenossenschaft Südschwarzwald sieht Helge von Gilsa auch in der regionalen Nähe des neuen Unternehmens zu den Waldbesitzern. Auch stehe die Genossenschaft Kommunen und sonstigen Waldbesitzern außerhalb des Landkreises offen, sodass durch weitere Beitritte die Marktposition weiter ausgebaut werden könne.