Eisiger Wind, ein nebelverhangener Himmel und lange Dunkelheit – ein Winter ohne Schnee hat wenig Reiz, seine Freizeit im Freien zu verbringen. Wer aber nicht nur vor dem Fernseher sitzen oder im Sessel gemütlich ein Buch lesen möchte, findet auch in Waldshut-Tiengen einige Freizeitaktivitäten, die sich in geheizten Gebäuden ausüben lassen – so etwa Klettersport in der Boulderhalle Hotzenblock in Tiengen.

Bereits am Eingang fallen mir die Wände mit den bunten Griffen ins Auge – mal gerade, mal nach hinten oder vorne geneigt, beinahe wie ein geometrisches Gebilde. Eine Gruppe junger Männer hangelt sich so gekonnt daran entlang, dass es den Eindruck macht, als sei es nicht mit Anstrengung und Übung verbunden. Hinter einem Empfangstresen wartet Stefanie Brust, seit der Eröffnung vor zweieinhalb Jahren Teilhaberin und selbst begeisterte Boulderin. Zumindest normalerweise, denn im Moment macht sie eine Pause, da sie Kind erwartet. Sie wird mich einführen in die Welt ihres Sport, denn bis auf einige wenige Besuche in Kletterhallen habe ich bisher keinerlei Erfahrung mit dieser Art von Freizeitgestaltung gemacht.

Kletterschuhe und Magnesia – die Ausrüstung, die zum Bouldern benötigt wird, ist überschaubar.
Kletterschuhe und Magnesia – die Ausrüstung, die zum Bouldern benötigt wird, ist überschaubar. | Bild: Marinovic, Laura

Bevor es losgeht, fühle ich mich verpflichtet, auf meine Unerfahrenheit hinzuweisen, aber Stefanie Brust beruhigt mich. „Für Anfänger gibt es leichte Routen“, erklärt sie. Allerdings müsste ich mich auf schmerzende Hände und Oberarme gefasst machen: „Das ist normalerweise das, wo man die Anstrengung zuerst spürt.“

Nach einer kurzen Einführungsphase ist es schließlich soweit: Ich schlüpfe in die Kletterschuhe, die ich vom Hotzenblock ausgeliehen habe, greife in einen Beutel mit Magnesia und bin bereit, mich an die erste Wand zu wagen. Im Gegensatz zum klassischen Klettern, wo Ausrüstung und ein Sicherungspartner benötigt werden, ist die Vorbereitung für das Bouldern unkompliziert – Sicherungsseile gibt es nicht, die Wände sind daher auch nur wenige Meter hoch. Wer spontan vorbeikommen möchte, der könne das alleine oder in Begleitung tun, sagt Stefanie Brust, Reservierungen seien im Normalfall nicht nötig. Ein Ansprechpartner, der Neulinge einweist und im Auge behält, findet sich aber in jedem Fall.

Um mich aufzuwärmen und ein Gefühl für das Bouldern zu bekommen, bewege ich mich zunächst ohne wirklichen Plan über die Wand, was noch recht gut funktioniert. Schließlich kann ich mich überall festhalten, wo ich möchte und Griffe gibt es rund um mich genug. Als es jedoch so weit ist, mich an die festgelegten Routen zu halten und damit nur noch Griffe in bestimmten Farben anzusteuern, ist es vorbei mit meinem Höhenflug. Sechs Schwierigkeitsstufen werden im Hotzenblock angeboten, und während ich die als „pippifax“ bezeichneten Wege noch recht passabel meistere, scheitere ich beim nächst schwereren „easy“ (Deutsch: leicht) bereits gnadenlos. Zudem spüre ich jetzt schon meine Hände.

„Das Körpergefühl, das man durchs Bouldern bekommt, ist ganz besonders“Stefanie Brust, Teilhaberin Hotzenblock
„Das Körpergefühl, das man durchs Bouldern bekommt, ist ganz besonders“Stefanie Brust, Teilhaberin Hotzenblock | Bild: Marinovic, Laura

„Das Körpergefühl, das man durchs Bouldern bekommt, ist ganz besonders“, hat Stefanie Brust mir zuvor noch gesagt. Man bekomme eine bessere Körperspannung und spüre plötzlich, wozu man in der Lage ist. Davon bemerke ich jedoch noch nichts. Stattdessen stecke ich geradezu fest, komme nicht mehr vorwärts, weil meine Arme und Beine zu kurz sind, um die nötigen Griffe zu erreichen. Ich bin drauf und dran aufzugeben, als ich schließlich beginne, mir einen Plan zurechtzulegen. Anstatt nur nach oben zu wollen, gehe ich wieder zurück, dann mal zur Seite, über einen Umweg wieder in Richtung Decke, obwohl das viel länger dauert – und auf einmal erreiche ich das Ende der Route. "Bouldern ist wie Rätselraten", sagt Stefanie Brust. Und tatsächlich reicht es nicht, sich auf Kraft und Größe zu verlassen. Durch Vorausdenken lassen sich viele Routen bezwingen, und als ich meine Wege schließlich zu planen beginne, kommt der Spaß wieder zurück.

Schwielen und verkrampfte Finger: Meinen Händen hat die erste Boulder-Erfahrung nicht gefallen.
Schwielen und verkrampfte Finger: Meinen Händen hat die erste Boulder-Erfahrung nicht gefallen. | Bild: Marinovic, Laura

Aus der Sicht erfahrener Besucher muss es zwar wie ein ein Sonntagsausflug aussehen, aber ich bin stolz auf meine Leistung – zumindest, weil es mein erstes Mal Bouldern ist. Schlussendlich gelingt es mir sogar, einen Kurs mit dem passenden Namen "die Laura" zu meistern. Es bleibt die einzige Route der zweiten Schwierigkeitsstufe, die ich an diesem Abend schaffe, aber ich bin dennoch zufrieden. Und ich werde mit Sicherheit wiederkommen, um mich zu verbessern. Dann, wenn die Schwielen an meinen Händen verschwunden sind.