„Das war eigentlich nie meine Absicht“, erzählt sie, „das hat sich einfach so ergeben.“ Amtsvorgängerin war Charlotte Morath, eine entfernte Verwandte von ihr, die in Waldkirch in direkter Nachbarschaft zur Kirche wohnte. Als die „Tante“ zu kränkeln begann und schließlich noch eine Hüft-OP zu verkraften hatte, wurde sie gefragt, ob sie nicht mal aushelfen könne. Schweren Herzens willigte sie ein.

Inge Schmidt ist seit 20 Jahren Mesnerin in Waldkirch. Im Rahmen des Festgottesdienstes am Erntedankfest sprach Pater Hermann-Josef Zoche ihr seinen Dank aus. Er lobte ihre Zuverlässigkeit, ihre Fürsorge, ihren freundlichen Umgangston und ihr gutes Verhältnis zu den Ministranten. „Sie kümmert sich um alles, sie ist die gute Seele unserer Pfarrei“, sagte er.
Inge Schmidt ist seit 20 Jahren Mesnerin in Waldkirch. Im Rahmen des Festgottesdienstes am Erntedankfest sprach Pater Hermann-Josef Zoche ihr seinen Dank aus. Er lobte ihre Zuverlässigkeit, ihre Fürsorge, ihren freundlichen Umgangston und ihr gutes Verhältnis zu den Ministranten. „Sie kümmert sich um alles, sie ist die gute Seele unserer Pfarrei“, sagte er. | Bild: Manfred Dinort

Aber der Einstieg sei für sie nicht leicht gewesen. „Alles war Neuland für mich, obwohl ich ja vorher regelmäßig und gerne zur Kirche gegangen bin“, sagt sie. Auch ihre Familie sei skeptisch gewesen. „Willst Du das wirklich? Jeden Sonntag Dienst in der Kirche machen?“ Inzwischen ist Inge Schmidt Mesnerin mit Leib und Seele. Vor allem die Kontakte mit der Gemeinde und den Ministranten sind ihr zur Herzenssache geworden.

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Sie begegnet Menschen in den verschiedensten Lebenssituationen, in Freude, Leid und Trauer, Menschen in jedem Alter. Menschen, die ihr ihr Vertrauen schenkten. Dazu käme die Pflege der Gemeinschaft, etwa im Rahmen der Gottesdienste, beim Singen und Beten. Inzwischen singt sie auch im Projektchor der Pfarrgemeinde mit, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Gottesdienste an hohen Festtagen zu begleiten.

Vorbereitung der Gottesdienste

Eine zentrale Rolle in ihrem Amt spielt die Vorbereitung und Gestaltung der Gottesdienste, die Einhaltung der Liturgie, das Glockengeläute im richtigen Moment in Gang zu setzen, die Pflege der Messgewänder, der Kirchenwäsche und der Kelche und die Bevorratung der Hostien und Kerzen. Dazu kommt die Betreuung der Beleuchtungsanlage, der Lautsprecher und der Heizung. Oft ist auch ihre handwerkliche Fähigkeit gefragt, der Umgang mit Schraubenzieher und Hammer, etwa beim Aufstellen der Weihnachtsbäume, das Verhüllen der Kreuze und Altarbilder in der Passionszeit.

Aus dem Lateinischen

„Mesner leitet sich von der lateinischen Sprache ab, von dem Wort ‚mansionarius‘, das ist der, der das Gotteshaus hütet“, erklärt sie. „Außerdem braucht man ein Gespür für den Kirchenraum.“ Dann gibt es Tage mit besonderen Herausforderungen, Firmung, Priesterweihe, Erstkommunion und Ostern, das Fest der Auferstehung. „Da ist Teamfähigkeit gefragt, da muss auch die Chemie stimmen.“ An solchen Tagen ist sie oft viele Stunden vor Ort, damit alles reibungslos und harmonisch läuft.

Zuverlässige Vertreterin

Aber eine Mesnerin hat auch ihre Ängste. Was soll sie machen, wenn die Kirche voll ist und der Pfarrer kommt nicht? Für diesen Fall gibt es inzwischen eine klare Anweisung: Dann muss die Mesnerin selbst die Regie übernehmen und mit der Gemeinde einen Wortgottesdienst zelebrieren. Aber so weit sei es bisher noch nicht gekommen. Erleichtert ist sie darüber, dass sie mit Ursel Rüd aus Gaiß eine zuverlässige Vertreterin gefunden hat. „Aber wird sich für mich mal eine Nachfolgerin finden?“, grübelt sie manchmal. Ihr Fazit: „Für mich ist das Amt zu einer erfüllenden Aufgabe geworden, die mir die Möglichkeit bietet, immer wieder mit den Menschen meiner Gemeinde ins Gespräch zu kommen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Das schenkt mir einen tiefgreifenden Frieden.“

Waldkirch

Idyllisch, am Westhang des oberen Seltenbachtales gelegen, liegt an der alten Bundesstraße die kleine Ortschaft Waldkirch. Wie die Küken um die Glucke scharen sich die wenigen Häuser um die Pfarrkirche. Von oben, von der B 500, ist höchstens noch die Kirchturmspitze auszumachen.

Die Schule wurde in den 1970er Jahren, im Rahmen der Schulreformen, aufgelöst. Seitdem fahren die wenigen Kinder jeden Morgen mit dem Bus nach Waldshut in die Schule, die kleineren besuchen den Kindergarten in Eschbach. Die Räume des ehemaligen Schul- und Rathauses stehen nun den Vereinen zur Verfügung – der katholischen Landjugend, der Feuerwehr Waldkirch und dem Musikverein Gaiß-Waldkirch.