Waldshut – Dass Jung und Alt miteinander Zeit verbringen, ist oftmals eine Seltenheit, vor allem wenn sie gar nicht miteinander verwandt sind. Dass sie dann auch noch gemeinsam Bücher lesen, erst recht. In Waldshut machen sich allerdings seit sechs Jahren jeden Donnerstag drei oder vier Grundschüler der dritten Klassen der Heinrich-Hansjakob-Schule auf den Weg durch die Innenstadt zum Haberer Haus, einem Tagespflegeheim für Senioren. Begleitet zu dieser Einheit ganz besonderen Deutschunterrichts werden sie von der pädagogischen Assistentin Ilona Rapp. Im Haberer Haus teilen sich die Kinder auf, besuchen die Senioren – und lesen ihnen vor.

Schulleiterin Nicole Delaye erklärt, dass einige der Senioren in der Tagespflege an Demenz erkrankt seien. "Ziele des Projekts sind, die Leselernmotivation der Kinder zu erhöhen und Berührungsängste vor sehr alten und zum Teil kranken Menschen abzubauen. Das Projekt, das seit 2011 zwischen der Grundschule und dem Haberer Haus besteht, ist auf beiden Seiten ein Höhepunkt im Wochenablauf aller Beteiligten", schreibt sie in der Bewerbung zum Schulwettbewerb von Sparkasse Hochrhein und SÜDKURIER Medienhaus.

Das generationenübergreifende Lesen ist für sie ein Projekt, von dem beide Seiten profitieren: "Die Kinder entwickeln durch den Besuch im Haberer Haus, bei dem sie den älteren Menschen vorlesen dürfen, eine höhere Lernbereitschaft, das Lesen zu erlernen. Für die Menschen im Haberer Haus ist der wöchentliche Besuch am Donnerstagvormittag ein Höhepunkt in der Woche. Durch den Kontakt mit den Kindern werden sie geistig angeregt und haben eine Aufgabe: Sie begleiten und unterstützen die Kinder beim Lesen Lernen."

Mit dem Projekt reagiere die Grundschule auf zunehmende Probleme: Durch die sehr hohe Heterogenität an der Schule werde die Beschulung der Kinder immer schwieriger. Viele Kinder kämen aus Familien ohne Deutschkenntnisse, so das Bewerbungsschreiben. Bei ihnen werde besonders der Lese-Lernprozess immer später abgeschlossen. Das Projekt komme besonders ihnen zugute. Mit der Bewerbung hoffen die Drittklässler der Heinrich-Hansjakob-Schule auf weitere Möglichkeiten, den Lese-Lern-Prozess zu fördern, beispielsweise durch einen Leseraum im Schulhaus und weitere Bücher.

Die Schule

Die Heinrich-Hansjakob-Schule in Waldshut wird aktuell von 276 Grundschülern besucht. Die Schule soll ein Ort sein, der Raum für individuelle Interessen lässt und die Kinder zu Selbstständigkeit und Eigenverantwortung führt, heißt es im Leitbild.

Weitere Informationen im Internet:www.heinrichhansjakob-schule.de