Das Summen der Motoren beim Start der Modellflugzeuge übertönt für einen kurzen Moment das Zirpen der Grillen auf dem Flugplatz auf dem Hungerberg bei Schmitzingen. Kinderaugen schauen gebannt in den Himmel und verfolgen die Flugrouten der Modellflieger. Es ist Schülerfliegen beim Modellflugverein (MFV) Hungerberg Waldshut-Tiengen. 13 Jungen erleben in ihren Ferien einen Tag auf dem Flugplatz des MFV Hungerberg und lernen die Kunst des Modellfliegens kennen.

Mit dem Bau eines kleinen Holzmodellflugzeugs sollen die Kinder zu Beginn bereits ein Gefühl für die Flieger bekommen. Akribisch lösen sie die einzelnen Bauteile aus der Schablone. Vorsichtig tragen sie anschließend den weißen Holzleim auf die Flügel auf und drücken sie mit den Fingerspitzen zusammen. Mit kratzenden Geräuschen wird dann das Schleifpapier über die Kanten des Fliegers gezogen. "Das dient nur der sauberen Optik, aber passt auf, dass ihr das kleine Rädchen am Bauch des Fliegers nicht abschleift", erklärt Vereinsmitglied Marcel Müellders. Die Bastelarbeit gehört zum Modellfliegen dazu. "Es gibt Modelle, an denen arbeite ich einen ganzen Winter lang, das können schon 100 Arbeitsstunden sein", erzählt Vereinspräsident Ueli Essig aus Mettau. Ruhe, Geduld und Freude an der Natur machen das Modellfliegen laut Essig aus. Das Bauen, Basteln und die Begeisterung für Technik sorgen zusätzlich dafür, dass Modellfliegen ein vielfältiges Hobby sei, so Essig. Die große Fernsteuerung löst auch bei den 13 Jungs Begeisterung aus. Mit Ehrfurcht hängen sie sich den breiten Gurt mit der Fernbedienung um ihren Hals und starten gemeinsam mit Vereinsmitgliedern das Schüler-Lehrer-Fliegen.

Kan Hämmerli übernimmt die Fluglehrerposition und verbindet seine Steuerung durch ein Kabel mit der Steuerung seines Schülers Lorenz Hoffmann. Seine beiden Hände hat der Elfjährige bereits auf der Steuerung platziert. Vereinsmitglied Franz Baier nimmt das Modellflugzeug in die Hand, holt Schwung, läuft ein paar Schritte und wirft das Flugzeug in die Luft. Lorenz beobachtet jede Bewegung genau. Er umschließt den Steuerknüppel mit Daumen und Zeigefinger und wartet auf sein Signal. Sobald der Flieger die nötige Höhe erreicht hat, darf er die Steuerung übernehmen. "Kann ich Loopings machen?", ist die erste Frage von Lorenz. Für Loopings reicht es bei Lorenz noch nicht, aber feinfühlig bewegt er seinen Steuerungsknüppel nach rechts und links, um die Flügelbewegungen zu lenken. Dabei schaut er starr in den Himmel und verliert sein Flugzeug nicht aus den Augen. "Das Geradefliegen und Ausgleichen des Fliegers ist am schwersten", erzählt Lorenz.

Beim Modellfliegen muss viel beachtet werden. Vögel am Himmel, andere Modellflugzeuge und der Wind. "Kommt einem das Modellflugzeug entgegen, muss man nach rechts steuern, wenn der Flieger nach links fliegen soll", erklärt Vereinspräsident Ueli Essig. Erfahrene Modellflieger haben das im Gefühl, aber Schüler stellt das vor eine Herausforderung. "Deswegen ist das Schüler-Lehrer-Fliegen wichtig. Als es das noch nicht gab, kam es bei Anfängern oft zu Abstürzen und Kollisionen", sagt Essig.

Kan Hämmerli kann bei seinem Schüler Lorenz über seine eigene Steuerung immer eingreifen, falls der Flieger abschweift oder sich gefährlichen Situationen nähert. Bei dem Elfjährigen aus Weilheim klappt aber alles problemlos. Immer geschickter fliegt er Kurven und steuert das Flugzeug durch den blauen Himmel. Nach zehn Minuten ist die kleine Flugrunde vorbei und Kan Hämmerli landet das Flugzeug sicher auf dem grünen Rasen neben dem Maisfeld auf dem Flugplatz. "Das war cool", lautet das Fazit von Lorenz.
 

Modellfliegen im Verein

Beim Modellfliegen werden Modelle von Flugzeugen oder Helikoptern nachgebaut. Die Mehrheit der Modelle wird dann mithilfe einer elektrischen Fernsteuerung in der Luft gesteuert. Beim Modellflugverein (MFV) Hungerberg Waldshut-Tiengen e.V. werden besonders die Sparten Elektro-Modellflug und Segler-Schlepp ausgeübt.

Der Verein besteht aus über 30 Mitgliedern, von denen 20 regelmäßig auf dem Flugplatz mit ihren Modellflugzeugen fliegen. Aus der anfänglichen Interessengemeinschaft entstand 2003 der MFV Hungerberg Waldshut-Tiengen, der Mitglied im Deutschen Modellflug Verband (DMFV) ist.

Jeden Donnerstag findet auf dem Flugplatz auf dem Hungerberg das Feierabendfliegen statt. Interessierte können sich melden bei Wolfgang Kohler unter Telefon 07741/3057 oder eine E-Mail senden an vorstand@mfv-hungerberg.de