Erst waren da einige gefühlte Sekunden Stille, bevor der Beifall einsetzte. Ein sichtlich beeindrucktes Publikum dankte nach fast drei Stunden für einen intensiven Theaterabend in der Waldshuter Stadthalle. Gespielt wurde das gerade erst preisgekrönte Familiendrama „Tod eines Handlungsreisenden“ des amerikanischen Autors Arthur Miller in der Inszenierung des Euro-Studios Landgraf.

Es zeigt das Schicksal des alternden Handlungsreisenden Willy Loman, der an der Brutalität des amerikanischen Existenzkampfes, aber letztlich auch an seinen eigenen Illusionen scheitert. Auch nach 70 Jahren ist dieses Stück noch immer von einer beklemmenden Aktualität.

Es wird ein Abend der großen Gefühle. Und man versteht plötzlich den Wunsch der Schauspieler, das Pressefoto bereits vor dem Auftritt zu machen. Denn alle spielen mit großer Hingabe, Leidenschaft und Emotion. „Danach sind wir fix und fertig“, hatte Hauptdarsteller Helmut Zierl vor Spielbeginn gesagt.

Er ist Star des Abends – verletzlich, heftig aufbrausend und in den leisen Szenen unglaublich anrührend: „Ich habe das Gefühl, mein Leben sei immer noch provisorisch“, sagt er einmal resigniert zu seinem Freund Charley (Charles Molitor), wenn er wieder seinem Erfolg und seinen Illusionen nachjagt.

Und so träumt er sich sein Leben schön, stürzt sich in Lebenslügen und träumt sich letztlich sogar in seinen Tod, von dem er die Lösung all seiner Probleme erhofft. Ihm zur Seite steht ein großartiges Ensemble: seine Frau Linda (eindrucksvoll Patricia Schäfer, die um ihn und ihre Familie wie eine Löwin kämpft), seine Söhne Biff (leidenschaftlich gespielt von Julian Härtner) und Happy (nervig und überdreht gezeichnet von Jean Paul Baeck), der verstorbene Bruder Ben (Frank Voß), der Nachbarjunge Bernhard (ehrgeizig, streberhaft und erfolgreich dargestellt von Maximilian Wrede) und schließlich noch Susanne Theil als heimliche Geliebte in Boston, sehr sexy und verlockend.

Erst nach der Pause erfährt der Zuschauer, was eigentlich zwischen Vater Loman und seinem Sohn Biff in Boston geschah und was ihr enges Verhältnis so nachhaltig zerstörte. Doch das Spannende dieses Theaterabends ist die Inszenierung selbst (Regie: Harald Demmer, Bühne: Oliver Kostecka): die Überschneidungen von Gegenwart und Vergangenheit, von Traum und Wirklichkeit. Das wurde sehr geschickt in eine zweite, leicht erhöhte Bühne eingespannt, die sich durch einen Vorhangsschleier abtrennen ließ. Vielleicht war das aber auch der Grund, dass mehrere Besucher über akustische Probleme klagten. Trotzdem viel Beifall für diesen starken Theaterabend!

Zur Person: Helmut Zierl (64), Hauptdarsteller im „Tod eines Handlungsreisenden“, sammelte bereits in den 70er Jahren Theatererfahrungen bei festen Engagements in Hannover und Hamburg. Er spielte unter so bekannten Regisseuren wie Peter Beauvais, Dieter Wedel oder Klaus Emmerich. Seit 1982 machte er sich in mehr als 70 Fernsehfilmen und -serien einen Namen, darunter auch im „Tatort“, im „Traumschiff“ oder in Literaturverfilmungen. In Waldshut trat er zuletzt 2016 in der Tragikomödie „Wir lieben und wissen nichts“ von Moritz Rinke auf.