Die Schäden an den Brennelementen im Schweizer Atomkraftwerk Leibstadt bei Waldshut-Tiengen sind offenbar umfangreicher als bislang angenommen. Wie das wegen der Jahresrevision seit August abgeschaltete Werk mitteilte, verzögert sich die Wiederinbetriebnahme weiter. Erst voraussichtlich im Februar 2017 werde der Reaktor wieder hochgefahren, so die Kernkraftwerk Leibstadt AG (KKL).

Während der Jahreshauptrevision wurden Anzeichen für Oxidation an mehreren Hüllrohren der Brennelemente festgestellt. Die daraufhin eingeleiteten Untersuchungen führten bereits zu einer Verlängerung der Abschaltphase. KKL: "Nun hat sich gezeigt, dass mehr Brennelemente Befunde aufweisen und die Wiederinbetriebnahme der Anlage nur mit einer neuen Kernauslegung möglich ist. In den nächsten Wochen werden die Brennelemente mit Befunden in Stand gestellt oder ausgetauscht. Parallel dazu werden die Berechnungen der neuen Kernauslegung sowie die dafür notwendigen Sicherheitsberechnungen durchgeführt und dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) zur Prüfung eingereicht."

Die Umweltorganisation Greenpeace Schweiz hat die Frage aufgeworfen, ob die wiederholten Leistungserhöhungen an dem Reaktor Ursache für die Schäden sind. Durch die Steigerung der Kapazität werde die Anlage stärker belastet. Greenpeace-Sprecher Florian Kasser: "Möglicherweise erhält Leibstadt nun die Quittung für den Versuch, die Zitrone bis zum letzten Tropfen auszupressen."