Pünktlich zur 550. Chilbi ist die Stadtscheuer wieder nutzbar. "Wir haben den längst überfälligen Brandschutz realisiert", freut sich Oberbürgermeister Philipp Frank über den Abschluss der Sanierungsarbeiten. Die Stadtscheuer ist eines der Gebäude, die in der Großen Kreisstadt von unzureichendem Brandschutz betroffen waren. Das Haus aus dem Mittelalter ist eine der wichtigsten Veranstaltungsstätten in Waldshut. Nach und nach sollen alle städtischen Gebäude brandschutztechnisch nachgerüstet werden.

Stadtscheuer dient als Umkleide für den Heimatabend der Chilbi

Im Obergeschoss des historischen Gebäudes liegen und hängen bereits die historischen Kostüme für das Theaterstück am Chilbi-Heimatabend parat. Sollte während der Kostümproben ein Feuer in dem von schweren Holzbalken gestützten Dachzimmer ausbrechen, können die Akteure über die neue Rettungstreppe schnell in den Hinterhof der Stadtscheuer und von dort über eine weitere Fluchttreppe auf das Nachbargrundstück gelangen.

Die Kostüme für die Akteure des Chilbi-Heimatabends liegen im Vorstandszimmer der Vereinigung Alt-Waldshut bereits parat.
Die Kostüme für die Akteure des Chilbi-Heimatabends liegen im Vorstandszimmer der Vereinigung Alt-Waldshut bereits parat. | Bild: Juliane Schlichter

"Wir als Stadtverwaltung wollten nicht nur mit dem Kopf, sondern ganz durch die Wand", sagt Hochbauamtsleiter Lorenz Wehrle beim Pressegespräch und zeigt auf die Stadtmauer. Dort, durch die Steinwand aus dem 15. Jahrhundert, sollte eigentlich der Fluchtweg aus dem Hinterhof der Stadtscheuer führen, doch der Denkmalschutz habe den Plänen einen Riegel vorgeschoben. "Die schützen jeden Stein mit der Waffe", sagt Wehrle überspitzt dazu.

Architekt Thomas Oeldenberger zeigt auf die mittelalterliche Stadtmauer. Ein Durchbruch für einen Rettungsweg war wegen des Denkmalschutzes nicht möglich.
Architekt Thomas Oeldenberger zeigt auf die mittelalterliche Stadtmauer. Ein Durchbruch für einen Rettungsweg war wegen des Denkmalschutzes nicht möglich. | Bild: Juliane Schlichter

Also hat sich Architekt Thomas Oeldenberger eine Alternative überlegt. Und die führt über die Stadtmauer aufs Nachbargrundstück der evangelischen Kirchengemeinde. "Wir sind der Kirche sehr dankbar, dass sie sich so kooperativ gezeigt hat", bedankt sich Wehrle an Pfarrer Wieland Bopp-Hartwig gewandt.

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Die Türen gehen nun nach außen statt nach innen auf

Dieser lässt sich anschließend zusammen mit Bürgermeister Joachim Baumert, einigen Stadträten und Mitarbeitern der Stadtverwaltung von Architekt Oeldenberger die weiteren Brandschutzmaßnahmen im Detail erläutern. So gehen die hölzernen Türen im Erdgeschoss nicht wie bisher nach innen auf, sondern nach außen. Im Ernstfall können die Besucher der Stadtscheuer schneller ins Freie gelangen.

Früher gingen die Tore der Stadtscheuer nach innen auf, aus Sicherheitsgründen müssen sie nun nach außen öffnen. Pfarrer Wieland Bopp-Hartwig (rechts) nimmt die veränderte Tür genau unter die Lupe, links Bauunternehmer Christof Ebner, der am Umbau der Stadtscheuer beteiligt war.
Früher gingen die Tore der Stadtscheuer nach innen auf, aus Sicherheitsgründen müssen sie nun nach außen öffnen. Pfarrer Wieland Bopp-Hartwig (rechts) nimmt die veränderte Tür genau unter die Lupe, links Bauunternehmer Christof Ebner, der am Umbau der Stadtscheuer beteiligt war. | Bild: Juliane Schlichter

Des Weiteren wurden in der Stadtscheuer eine Brandmeldeanlage und eine Sicherheitsbeleuchtung im Saal des Erdgeschosses eingebaut. Insgesamt hat die Brandschutzsanierung der Stadtscheuer zwei Jahre gedauert. "Gut Ding braucht Weile", sagt OB Philipp Frank und erklärt die sich zwei Jahre hinziehende Umsetzung mit der hohen Arbeitsbelastung in der Stadtverwaltung und einem personellen Wechsel im Bauamt.

Freuen sich über den Abschluss der brandschutztechnischen Umrüstung der Stadtscheuer (von links): Johannes Hilpert von der Schreinerei Hilpert aus Weilheim, Christof Ebner vom Bauunternehmen Ebner aus Nöggenschwiel, Oberbürgermeister Philipp Frank, Hauptamtsleiterin Ingrid Eble, Bürgermeister Joachim Baumert, Hochbauamtsleiter Lorenz Wehrle und Architekt Thomas Oeldenberger.
Freuen sich über den Abschluss der brandschutztechnischen Umrüstung der Stadtscheuer (von links): Johannes Hilpert von der Schreinerei Hilpert aus Weilheim, Christof Ebner vom Bauunternehmen Ebner aus Nöggenschwiel, Oberbürgermeister Philipp Frank, Hauptamtsleiterin Ingrid Eble, Bürgermeister Joachim Baumert, Hochbauamtsleiter Lorenz Wehrle und Architekt Thomas Oeldenberger. | Bild: Juliane Schlichter

Außerdem waren viele Abstimmungen mit dem Landesamt für Denkmalpflege erforderlich. Die Herausforderung sei gewesen, die Stadtscheuer an moderne Anforderungen wie den Brandschutz anzupassen, ohne historische Substanz zu zerstören. Das sei mit den beiden vergitterten Metalltreppen gelungen, sind sich Oberbürgermeister und Bürgermeister einig.

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Was passiert, wenn man im Brandfall über die Feuertreppe den Innenhof der Stadtscheuer flüchten muss, sehen Sie in diesem kurzen Video mit Oberbürgermeister Philipp Frank und Pfarrer Wieland Bopp-Hartwig.

Video: Juliane Schlichter

Brandschutz an städtischen Gebäuden

  1. Welche städtischen Gebäude in Waldshut-Tiengen müssen noch brandschutztechnisch nachgerüstet werden? Lorenz Wehrle, Leiter des Hochbauamts, zählt dazu das Klettgau-Gymnasium sowie die Realschule Tiengen auf sowie die Stadthalle und Sporthalle Tiengen, die Robert-Schuman-Realschule Waldshut, die Hochrhein-Sporthalle und die dazugehörige Tiefgarage sowie die Stadthalle Waldshut. Diese Gebäude stehen auf der Agenda, die Nachrüstungen können aber aus organisatorischen und finanziellen Gründen nicht alle auf einmal umgesetzt werden.
  2. Bei welchen Gebäuden wurde die Brandschutzsanierung bereits umgesetzt? Dies trifft laut Lorenz Wehrle die jüngst fertig gewordene Stadtscheuer zu. Die Gesamtkosten für dieses Projekt beziffert die Stadtverwaltung mit 327.300 Euro. Auch das Hochrhein-Gymnasium Waldshut, die Gemeindehalle Gurtweil und den Gemeindesaal Aichen wurden bereits brandschutztechnisch umgerüstet.